Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 29 (9.4.1894)
- Date
- 1894-04-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXV. Jahrgang. r - _// ' ' M 29. Der Israelit Ein Kentrat-Grgan für das orthodore Iudenthum. Begründet von I>r. Lehmann in Mainz. Montag, den 9. April 5654 (1894). Leitender Artikel. Kagadaß schel Keßach. Achte Serie. IV. Mainz, 8. April. 1VH3V DIB»?,1D Ü'V bv D^ÜlN UNtf 1N2 □rrn n« niD'i “idkjp onsaa umas "n nN O"->8127I ns m*ra moy bm D’ja^ai -icina rwp miaya .■psa Dna nay uw omiay „Dieses Bitterkraut, weßhalb genießen wir es? Deßhalb, weil die Egypter das Leben unserer Väter verbitterten in Egypten durch ijunvu ^ien|t, durch Lehm und Ziegel und durch jede Arbeit auf demFelde, ihr ganzerDienst, mit dem sie ihnen dienten, war mit aufreibender Härte." Es ist eine tief charakteristische jüdische Eigenthümlichkett, in den gehobenen Momenten des Daseins die hinter uns liegenden, nun überwundenen trüben Stunden nicht nur nicht zu ignoriren, ihrer nicht nur zu gedenken, sondern ihrem Gedächtniß sogar Erinnerungs-Symbole zu stiften. Während im Leben der Einzelnen und ganzer Völker man sonst nur die heiteren, glänzenden Epochen durch Feste verewigt, die unliebsamen Geschehniffe dagegen verschleiern und am liebsten ganz aus der Erinnerung streichen möchte, ist wohl das jüdische Volk das einzige, das z. B. sogar die einzelnen Stadien seines nationalen Niedergangs durch besondere Fasttage gegen Vergessenheit geschützt hat. — Deßhalb dürfen am Feste unserer Freiheit auch die Bitterkräuter nicht fehlen, welche die Bitterkeit des Lebensgeschicks unserer Ahnen in Egypten uns alljährlich aufs Neue vergegenwärtigen sollen. Der über unseren Häusern waltende Gottesschutz, wie ihn das Gedächtniß des Peßach-Opfers lehrt, das wundermächtige göttliche Einschreiten für unsere Befreiung, welches Mazzah zum Ausdruck bringt, alle diese Momente erfahren erst ihre volle Würdigung, wenn uns die Bttterkräuter das Lebensgeschick der Ahnen in seiner ganzen unvergleichlichen Bitterkeit neu beleben, aus dem Gottes liebende Fürsorge uns gerettet hat. Sie verbitterten unser Leben! Süß ist das Leben, bitter ist der Tod! Der Druck, der Hohn und die Schmach, welche auf unseren Vätern lasteten, steigerte sich aber zu solcher Unerträglichkeit, daß den Geknechteten das Leben bitter und der Tod süß erschien. Alles wirkte zusammen, um die Unglücklichen noch unglücklicher zu machen und ihnen jede Freude am Dasein zu vergällen. Diese Umstände oeranjchautlcyen die Worte: D’nJton mor onsoa wids "N ns, die Egypter verbitterten das Leben unserer Väter in Egypten. Dieselbe rücksichtslose Brutalität von jeder anderen Seite verübt, wäre für unsere Väter nicht mit der schmerzlichen Bitterkeit verbunden gewesen, als eine solche Behandlung gerade von den Egyptern. Die Egypter verdankten ihre politische Größe, ihre ganze Rettung vom Hungertode einem Sprößling aus dem Hause Israels, Joseph. Als die nächsten Verwandten des Königs kam die Jakobsfamtlie nach Egypten und genoß dort nicht nur alle bürgerlichen Rechte, sondern sogar die höchsten fürstlichen Ehren und Auszeichnungen. Daß die Egypter das, was sie der eingewanderten Hebräerfamilie verdankten, mit so schnödem Undank heimzahlten, als dieselbe zu einem Volke erwachsen war, darin lag das Empörende, Schmerzliche dieser brutalen Vergewaltigung. Aber auch der härteste Druck verliert viel von seiner Schwere, wenn er mit der Aussicht auf ein Ende desselben begleitet ist. Wenn Jemand sich in gedrückter Lage befindet, er darf aber hoffen, früher oder später aus derselben befreit zu werden, so mildert diese Hoffnung die verzweifelste Lage und läßt sie leichter ertragen. In Mizrajim war diese