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Der Israelit · 1894-04-05 · Heft 28 (5.4.1894) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 28 (5.4.1894)
Date
1894-04-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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510 nicht gestattet, den Vornamen nur mit dem Anfangsbuchstaben zu bezeichnen. Eine vom Warschauer Börsenkomitee an den Ftnanzminister in Petersburg gerichtete Petition, wenigstens der jüdischen Intelligenz die bisher geführten Namen zu belassen, wurde abschlägig beschicken. > Vermischtes. < Mainz. Dem Rechenschaftsbericht des Israelitischen Hilfsvereins Mainz über seine Wirksamkeit im Jahre 1893 entnehmen wir: WaS die Thätigkeit unseres Vereins im Jahre 1893 anbelangt, so wurde unsere Hilfe in diesem Zeitraum wiederum vermehrt in Anspruch genommen und wurden die Gesuche im Verhältnisse zu unseren bisherigen Mitteln so weitgehend als möglich berücksichtigt. Die Mitgliederzahl stieg von 303 bei Beginn des Vereinsjahres auf 308. Leider haben wir mehrere Mitglieder durch den Tod verloren, einige sind weggezogen, so daß die Zahl derselben am 1. Januar 1894 nur noch 294 beträgt. Unsere Einnahmen für Mitgliederbeiträge beliefen sich auf Mk. 5012. Um allen an unseren Verein herantretenden Forderungen gerecht zu werden, muß unser Bestreben darauf gerichtet sein, die Zahl der Mitglieder stets zu vermehren und richten wir die dringende Bitte an die bisher unserem Verein Angehörigen, uns möglichst viele neue Mitglieder aus ihren Kreisen zuführen zu wollen. Nur dann, wenn wirklich alle edeldenkenden hier ansässigen Israeliten sich unserem Vereine anschließen und unsere Bestrebungen unterstützen, können wir Großes und Gutes leisten. Auch im verflossenen Jahre waren wir wiederholt in der Lage, neben der Gewährung laufender monatlicher Unterstützungen und Bewilligungen von Beiträgen zur Miethe oder größeren Gaben bei vorübergehender Noth, mit zinsfreien Darlehen solche Gewerbetreibende zu unterstützen, welche unverdient in Bedrängniß gerathen waren- Wir konnten uns gerade in diesen Fällen überzeugen, wie sehr die segensreiche Wirksamkeit unseres Vereins einem in unserer Gemeinde bestandenen Bedürfnisse entspricht. Unser Bestreben ist es ja gerade, schwankende Existenten in Zeiten wirthschaftlicher Depression zu stützen, denselben den moralischen Halt wiederzugeben und so zu verhüten, daß dieselben gänzlich verarmt unseren Gemeindemitgliedern zur Last fallen. Die Summe unserer Mitgliederbeiträge übersteigt den Betrag der Unterstützungen um nur Geringes und muß unsere Bitte zum Beitritte neuer Mitglieder von gutem Erfolg begleitet sein muß, wenn wir nicht noch die Zinsen unseres Kapitalstockes mit ausgeben oder die Gewährung neuer Unterstützungen einschränken sollen. Die eingegangenen Geschenke betrugen: a) für den Vereinsfond Mk. 2560. —, b) für den Pfründner- und .Krankenhausfond Mk. 1605 —, zusammen Mk. 4165. — Der Commission zur Errichtung eines Pfründner- und Krankenhauses, den Herren Nathan Frank, Rabbiner Dr. Salfeld und Martin Moritz statten wir für deren Bemühungen im verflossenen Vereinsjahre unseren besten Dank ab und hoffen, daß es denselben gelingen möge, bald große Mittel zu beschaffen, um in absehbarer Zeit den Wünschen der edlen Schenkgeber gerecht werden zu können. Bis dahin werden wir etfrigst bestrebt sein, unsere Bereinsthätigkeit in bisheriger Weise wirksam zu gestalten und bitten dabei um Unterstützung unserer Bestrebungen. Den Vorstand bilden die Herren Bernhard Albert Mayer, Eduard Simon, Josef Heiden-Heimer, Bernhard Hochheimer, Dr. Max Löb, Dr. Benedict Hesdoerffer, Nathan Phillipp Reis, Leo Moritz, Emil Weiß. Sprechsaal. Versicherungs-Küsse für stellenlose Handlungsgehilfen. Hamburg, 1. April. Sehr erfreut war ich, in Nr. 26 Ihres gesch. Blattes einen Vorschlag zu finden, wie der Sabbatentweihung Einhalt geboten werden kann. Ich möchte jedoch dem Einsender des betreffenden Leitartikels (der Artikel war von uns selbst. Red.) auf die sich seinem Projekte entgegenstellenden hauptsächlichen Schwierigkeiten aufmerksam machen und glaube, mir ein Urtheil erlauben zu dürfen, weil ich als Vorstandsmitglied des hiesigen Israel. Stellenvermittlungsvereins einerseits, einigermaßen eine Uebersicht über die Anzahl der Bewerber und Vakanzen habe, andererseits der gleiche Vorschlag, eine Versicherungskasse zu gründen, z. Zt. gelegentlich der Constituirung des genannten Vereins, auf Anregung des Herrn Dr. Schld. hier, von einigen Vorstandsmitgliedern berathen wurde. „Die Verstcherungskaffe soll, gegen Zahlung einer gewissen Prämie seitens der Mitglieder, denselben, falls sie „stellenlos" sind, ihr ganzes Gehalt oder einen Theil desselben zahlen ..." — Wie wäre vor allen Dingen der begriff „stellenlos" aufzufassenV Ich fand sehr oft, daß junge Leute, welche längere Zeit ohne Erwerb waren, Stellungen hätten erhalten können, welche der Vorstand des Stellenvermittlungs-Vereins für sie geeignet hielt. Der betreffende Bewerber wollte sich aber im Gehalte verbessern oder wollte nicht nach einer kleinen Stadt und nahm die Offerte nicht an. Der Vorstand hat selbstverständlich nicht das Recht, dem jungen Manne Vorwürfe zu machen, und ebenso wenig würde die Verwaltung der Versicherungskaffe, deren Mitglied der Betreffende ist, ihn zwingen können, eine ihm nicht zusagende Stelle anzunehmen. Ein solcher Bewerber müßte unter Umständen vielleicht l Jahr hindurch sein Gehalt bekommen, obgleich er längst hätte Stellung finden können!? — Diesem Uebelstande läßt sich durchaus nicht durch Statuten entgegenwirken, da. sobald ein Mitglied Rechte hat, es nicht zur Annahme einer Stellung gezwungen werden kann.*) Anders verhält es sich bei einem Wohlthätigkeitsverein, wo der Umstand, falls er der Ansicht, der j. Mann verschulde seine Stellenlosigkeit selbst, berechtigt ist, die gewährte Unterstützung zu entziehen. Wie oft kündigen Bewerber ihren Platz ohne genügenden Grünt, nachdem eine kleine Differenz mit dem Prinzipale vorgefallen ist, und möchten die gekündigte Stellung, nach reiflichem Ueberleqen, gerne noch wieder antreten. wenn der Prinzipal damit einverstanden wäre. Andere Bewerber wechseln fast regelmäßig halbjährlich ihre Stellungen. Sollten alle diese jungen Leute auf Kosten der von den auf ihren Stellungen aushaltenden Handlungsgehilfen gezahlten Prämien auf lange Zeit und sehr oft Entschädigung erhalten, oder wie sollte dies dem Mitgliede durch gewisse Paragraphen abzuschlagen sein? Man bedenke noch, daß, bei Ausschluß eines Mitgliedes, man dasselbe wieder der Gefahr des rütt' t>üTi aussetzt, und dies sollte doch durch die Versicherung verhütet werden. Möchte ferner der Einsender betreffenden Leitartikels einen j. Mann, welcher es verabsäumte, sich zu versichern, ohne Unterstützung lassen?**) Ich bemerke, daß aus Gründen, welche noch später aufführe, eine große Anzahl Bewerber eS unterlassen dürfte, sich die Last der zu zahlenden Prämien aufzuerlegen. Gerade diejenigen j. Leute, welchen eS nicht möglich oder wenigstens schwer war, der Verstcherungskaffe *) Solche Mitglieder erhalten nur eine gewisse Zeit, etwa l/4 Jahr, Unterstützung. Red. **) Selbstredend hat ein solcher auf Unterstützung auS der Kasse keinen Anspruch. Red.

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