Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 28 (5.4.1894)
- Date
- 1894-04-05
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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511 beizutreten, dürften doch, im Falle der Stellenlosigkeit, der Versuchung zuerst zum Opfer fallen.*) Endlich möchte ich die Frage aufwerfen, ob eine Versicherungskasse, wie geplant, vom rein geschäftlichen Standpunkte aus, rentiren würde? Ich meine, daß dies nicht der Fall ist, und sind auch nichtjüdische Stellenvermittlungs- Vereine von einem geplanten gleichen Unternehmen zurückgekommen.**) Dem stellenlosen j. Manne, falls er nicht selbst auf fest religiösem Standpunkte steht, müßte, um ihn zu veranlassen, das Angebot einer Vacanz abzuwarten, wo er u"’i rotP dispensirt ist, während der Dauer der L-tellenlosigkeit sein ganzes oder wenigstens ein großer Theil seines Gehaltes, sagen wir die Hälfte, gezahlt werden. Um das möglich zu machen, muß jeder Handlungsgehilfe eine entsprechend hohe Prämie zahlen. Nehmen wir an, die Prämie betrage 5°/0 des Gehaltes, so müßte ein j. Mann, welcher Mk. 1200 p. a. bezieht, Ml. 60 jährlich bezahlen. Ich glaube entschieden nicht, daß die Zahlung einer höheren Entschädigung bei einer kleineren Prämie überhaupt möglich wäre. Wie viele j. Leute würden sich entschließen, Mk. 60 jährlich zu zahlen, wenn sie Mk. 1200 p. a. Gehalt beziehen? Man mache sich in dieser Beziehung keine großen Hoffnungen. Der Israel. Stellenvermittlungs-Verein zu Hamburg hat, trotz des so niedrig angesetzten jährlichen Beitrages von Mk. 3.—, die trübe Erfahrung gemacht, daß junge Leute fast nur Mitglieder geworden sind, wenn sie gerade Stellungen suchten, und dazu die noch trübere, daß Bewerber, welche nicht durch den Verein und sogar ein Theil derer, welche durch ihn placirt worden sind, sobald sie Stellungen halten, ihren ferneren Beitrag verweigerten, ihr Interesse an einem für sie so sehr nützlichen Unternehmen also nur ein geringes war. Man wird mir entgegnen, daß sich an einer Verstcherungskasse auch diejenigen jungen Leute betheiligen werden, welche größere Vertrauensstellungen inne haben und demgemäß auch eine ihrem Gehalte angemessene höhere Prämie zahlen müssen. Dem entgegne ich, daß erstens diese Stellungen nur vereinzelt sind, und das Durchschnittsgehalt aller jüdischen jungen Leute, soweit es aus den von den Bewerbern dem Vereinsvorstande zu machenden Angaben hervorgeht, nur Mk. 1000—1200 p. a. beträgt. Auch glaube ich, daß diese besser situirten Kräfte unter dem Vorgeben, sie hätten feste Stellung und kämen nicht leicht dazu, die Verstcherungskasse in Anspruch zu nehmen, derselben nicht beitreten werden. Sogar ein Theil der minder gut situirten Handlungsgehilfen wird, in der Meinung, es sei für sie, bei ihren Fähigkeiten (??) leicht, event. wieder Stellung zu finden, dem Unternehmen fern bleiben. Eine große Anzahl Handlungsgehilfen sind in kleinen Orten placirt, wo sie bei freier Station ein kleines Gehalt *) Und deßhalb soll man den Uebrigen, denen es nicht schwer wird, keine Kasse gönnen? das hieße doch daS Kind mit dem Bade ausschütten. **) Dazu müßten eben, wie in unserem jüngsten Leitartikel vorgeschlagen, statistische Erhebungen gemacht werden; Zahlen beweisen und der Herr Einsender würde sich ein großes Verdienst erwerben, wenn er dieses Material beschaffen würde. Nichtjüdische Vereine sind nicht von der Sache zurr'ickgekommen, vielmehr wird, wie wir hören, diesen Sommer dieselbe auf verschiedenen Versammlungen zur Sprache kommen. von Mk. 300 bis höchsten» Mk. 600 p. a. beziehen. Welche Prämie sollte ein solcher junger Mann befahlen? Ein Prozentsatz nur von dem baaren Gehalte wäre zu gering als Prämie, da die Kasse, im Falle der Stellenlosigkeit, bei der Entschädigung die gewährte freie Station zu berücksichtigen hätte. Sollte wiederum die freie Station zu einem gewissen Gehalte veranschlagt werden, so müßte z. B. ein junger Mann, welcher außerdem nur Mk. 300 baar bezieht, die freie Station mit Mk. 600 p. a. veranschlagt, (bei 5°/0) eine Prämie von Mk. 45 p. a. zahlen, was ihm doch gewiß eine zu große Last sein würde. Endlich gibt es viele Prinzipäle, welche Lehrlinge nach beendeter Lehrzeit sofort entlassen. Der betreffende junge Mann müßte, um bei seinem Austritte nicht ohne Verdienst zu sein, sich schon während der Lehrzeit versichern. Welche Prämie sollte dieses Mitglied zahlen? Alle angeführten und noch weitere Bedenken, deren Ausführung zu weit führen würde, könnten wohl kaum durch gut ausgearbeitete Statuten beseitigt werden. Wenn etwas geschehen sollte, um der Sabbatentweihung Einhalt zu gebieten, so müßte die» daher auf dem Wege der Wohlthätigkeit geschehen. So ist es der Wunsch des Einsenders, die bestehenden israel. Stellenvermittlungsvereine mögen Capitalien sammeln, um mit den Zinsen jungen Leuten, welche ihre Stellenlosigkeit nicht selbst verschuldeten, und welchen i n d e r Thal an Heilighaltung des Sabbats und der jüdischen Feiertage gelegen, während der Dauer der Stellenlosigkeit durch Gewährung von Darlehen oder Beschäftigung zu helfen und sie vor einem rottf plp'kl zu bewahren. Dieses Ziel liegt jedoch noch in sehr weiter Ferne, so lange unsere nothwendigsten Vereine zur Erhaltung der Religiösität so geringe pecuniäre und thatkrästige Unterstützung finden, wie es bei den israel. Stellenvermittlungs-Vereinen der Fall zu sein scheint. Der Hamburger Verein wenigstens ist fast ausschließlich auf die Stellungen suchenden jungen Leute angewiesen und zählt nur wenige Mitglieder aus den Kreisen hiesiger und auswärtiger Geschäftsinhaber, so daß die Bilanz im ersten Geschäftsjahr ein Deficit, diejenige des am 1. April d. I. ablaufenden 2. Geschäftsjahres nur einen kleinen Ueberschuß aufweist. Einem solchen Projekte der Unterstützung stellenloser junger Leute kann also dieser Verein noch lange nicht nähertreten, wenn nicht die Mittel desselben durch größere Geschenke und zahlreichere Mitglieder gebessert werden. Vielleicht ließe sich auch die Unterstützung stellenloser junger Leute noch besser erreichen, wenn sich die Herren Rabbinen für die Sache warm interesstrten und, wie für andere Zwecke, auch für diesen so sehr nothwendigen Gelder sammelten und mit diesen eine derartige UnterftützungSkasse gründeten. I. R. . Wir hoffen, auf diese so hochwichtige Sache noch eingehend zurückkommen zu können. Red. d. „JSraelit". Briefkasten der Redaction. Wegen Mangel an Raum mußten eine Reihe größerer und kleinerer Berich e für spätere Nummern zurückgestellt werden und bitten wir unsere geehrten Herren Korrespondenten dieserhalb um Entschuldigung. Für den folgende« Theil ist die Redaction nicht verantwortlich. 8. & D. LÖWENTHAL. Silberwaaren, I75) Frankfurt a. M., Zeil 25, Israel. Cultusgegenstande.