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Der Israelit · 1894-04-05 · Heft 28 (5.4.1894) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 28 (5.4.1894)
Date
1894-04-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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509 Beginn spricht: p'-ina „Gepriesen sei, der da erneuert die Monde." Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu Deutschland. Berlin, 2t. Adar II. Am 9. November 1893 wurde von etwa zwanzig jüdischen Studirenden der Berliner Universität ein „Akademischer Verein für das Studiuvl der hebräischen Bibel" gegründet. Der Verein will den jüdischen Studirenden aller religiösen Richtungen praktische Gelegenheit geben, sich mit dem hebräischen Text der Bibel bekannt zu machen. Demnach wird auf Lektüre das Hauptgewicht gelegt; Vortragsabende sollen nur alle sechs Wochen stattfinden. Im vergangenen Semester wurden zwei Vortragsabende abgehalten (1. Dr. Ackermann, „Ueber die biblische Accentuation"; 2. A. Nobel stuä. phil., „Das Hohelied"). An den wöchentlichen Lektürabenden wurde unter Leitung von Mitgliedern in einer Abtheilung das Deuteronomium fast vollständig gelesen, in der anderen mit besonderer Berücksichtigung der Elemengrammatik das Buch Ruth, ausgewählte Stücke aus Samuel I., Exodus Cap. 21—23 und das Buch Esther. Der Vorstand der jüdischen Gemeinde stellte in liberaler Weise zwei Klassenzimmer der Knabenschule Gr. Hamburgerstr. 27 zur Verfügung. Es ist lebhaft zu wünschen, daß der Verein sich ausbreite und an anderen Universitäten Nachahmung finde. J. F. Oesterr. Ungar. Monarchie. Wien, 3. April. Polnische Abgeordnete behaupten , die anläßlich der Kosctusko-Feier in Krakau vorgefallenen Exzesse, bei denen Juden mißhandelt und zahlreiche Fensterscheiben an den Wohnungen des Kardinals Dunajcwski und vieler Aristokraten und Offiziere eingeschlagen wurden, seien organisirt gewesen. Bei den Verhafteten, einige siebzig, sei russisches Geld gefunden worden. Die Verhafteten, zumeist zerlumpte Gestalten, behaupten, daß sie das Geld von unbekannten Leuten erhalten hätten, damit sie die Fenster einschlügen. Nach einer anderen Version waren die Exzesse gegen die Juden gerichtet gewesen, weil ein Jude während des Purimfestes eine Religionsstörung begangen habe. Dem widerspricht, daß auch dem Kardinal die Fenster eingeworsen wurden. Das Militär rückte bataillonsweise aus. Krakau, 3. April. Ueber die am Samstag stattgefundenen Exzesse ist noch zu melden: Der Pöbel warf aus Anlaß der Kosciuskofeier beleuchtete Fenster ein, ohne Unterschied von Christen oder Juden; wenn jedoch ein Jude sich aus der Straße sehen ließ, wurde er mit Faustschlägen traktirt. Auch vor den Kasernen rottete der Pöbel sich zusammen, bis er von Militär vertrieben wurde. Die Häuser der Grafen Potoki, Branicki und Wodzicki wurden mit Steinen bombardiert, weil sie nicht beleuchtet waren. Am Sonntag Morgen boten die genannten Palais ein Bild der Verwüstung. Trotz der Verwarnung des Polizeidirektors rottete sich am Sonntag eine ungeheure Menge zusammen, die dann von zwei Escadronen Ulanen entgiltig zerstreut wurde. Schweiz. Genf. (Internationaler Orientalistenkongreß.) Das Organisationskomitee des 10. internationalen Orientalistenkongreffes, der in der Zeit vom 3. zum 12. September dieses Jahres unter dem Vorsitze von Professor Ed. Naville dahier stattstnden wird, hat seine Einladungen versandt. Der Kongreß wird folgende Sektionen umfassen: 1. Indisch und arische Sprachen. 2. Semitische Sprachen. 3. Muselmanische Sprachen (arabisch, türkisch, persisch rc.). 4. Egyptisch und afrikanische Sprachen. 5. Aeußerster Orient. 6. Griechenland und Orient (Altgriechtsch, Kleinasiatisch, Hellenisch, Byzantisch). 7. Geographie und orientalische Ethnographie. In Karlsruhe wurde Herr Dr. Schwarzsteln, dessen Thätigkeit bereits auf dem Orientalisten-Kongreffe in Stockholm Anerkennung gefunden, auch jetzt wieder zur Mitarbeit aufgefordert. Rußland. Petersburg, 27. März. Dem Reichsrath ist ein von einer Sondercommisston ausgearbeiteter Gesetzentwurf über die Aufnahme von Ausländern in den russischen Unterthanenverband unterbreitet worden. Der Entwurf schließt unter Aufrechterhaltung der gegenwärtigen Einschränkungen von der Aufnahme in den Unterthanenverband die Juden (außer den Karaim) und Derwische aus, doch bezieht sich diese Einschränkung nicht auf die in Centralasien domicilirenden Juden. Dem Minister des Innern ist anhetmgestellt, über die Aufnahme von Ausländern zu verfügen. Ans Warschau wird der „Jsr. Wochsch." geschrieben: Unter dem 23. April v. I. wurde ein Mas erlassen, wonach Juden keine christlichen Vornamen mehr führen dürfen. Indessen haben die russischen Polizeibehörden durchweg dieses Gesetz äußerst selten angewandt. Jetzt hat nun auf einmal der Oberpolizeimeister von Warschau, Baron Kleigels, Hunderten von Juden anbefohlen, ihre Vornamen zu ändern und dafür die entsprechenden althcbrätschen zu nehmen. Zahlreiche jüdische Kaufleute in Warschau müssen in Folge dessen ihre Ftrmentafeln entsprechend umändern lassen. So muß Simon in Symsze, Moritz in Mordik, Eva in Ryfka u. s. w. umgeändert werden. Auch sst es den Israeliten

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