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Der Israelit · 1894-04-05 · Heft 28 (5.4.1894) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 28 (5.4.1894)
Date
1894-04-05
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXY, Jahrgang. Erste Beilage M M 28 des „Israelit“. Leitender Artikel. „Kuch fei dieser Monat." Von Rabb. Dr. H. Sänger. Dieses Wort unseres Gottes, das mit Beginn des Frühlings, der erwachenden Natur, die Zeit unserer einstigen Befreiung aus Egyptens Knechtschaft uns wieder nahe legt und in Erinnerung bringt, gibt den Erklärer« vielfach Veranlassung zu tiefsinnigen Bemerkungen. Greifen wir heute eine derselben heraus. ■pa^ 7-0 pn ruato pn rwnn : mn ff-nnn pDK pal ID ff’? ffTm PK 1’ffipD ^K"lff’ 1’Pff ]DT2 ff 1p D ina D’-IDW QHD ff'1 ,D’ffin ff 11I v ^112 ^JN-Iffi P DKff ^Klff’ ff 1 pD D'IDIK DPD ff’l D’ffin . d^d ffnp iro« vN l’ffipo „Wenn man den Mond sieht, wie muß man P2ia sagen zur Zeit, wo Jisrael den Mond heiligt? Einige der Gelehrten sagen: Gepriesen sei, der die Monate erneuert. Andere sagen: Gepriesen sei, der die Monate heiligt. Und wieder Andere sagen: Der Israel heiligt. Denn, wenn ihn (den Monat) Israel nicht heiligt, hat er überhaupt keine Heiligkeit." „Gepriesen sei, der die Monde erneuert." Für uns beginnt der Kreislauf der Zeit mit dem Monat }d>j. Zeitabschnitte haben nur den Werth, den wir Menschen durch wichtige für uns sehr bedeutungsvolle Ereignisse ihnen beilegen. Aber wenn ein Vorgang in der Natur, in der Schöpfung daran erinnert, uns gleichsam ein Vorbild, ein ewiges Zeugniß ist für jenes bedeutungsvolle Moment in unserer Geschichte, dann gewinnt dasselbe für uns erhöhten, gesteigerten Werth. Die Erneuerung des Mondes ist uns ein stetes Bild der Schöpfung. Aus dem Dunkel und der Verborgenheit heraus entsteht ein Lichtstreifen, nimmt von Tag zu Tag an Lichtfülle, an Umfang zu bis zur vollendeten Kugelform, nimmt dann wieder langsam und stetig ab und kehrt zurück in das frühere Dunkel, um dann aufs Neue den alten Wechsel durchzumachen, das Bild des ewigen Werdens und Vergehens und Wiederentstehens. Zugleich ist der Mond vom Schöpfer als Ltchtkörper geschaffen, um bei Nacht zu leuchten, das Dunkel zu erhellen, so recht ein Bild des Menschenlebens. Auch in den trübsten und finstersten Tagen darf der Mensch sicher hoffen auf wiederkehrendes Licht. Denn wie der Mond nicht für die Finsterniß geschaffen, auch wenn er einem Thetl der Menschen aus Zetten nicht leuchtet, sondern stets um das Dunkel zu erhellen, die Finsterniß zu verscheuchen; ebenso ist das Menschenleben nicht der Finsterniß bestimmt, sondern soll dem Lichte geweiht sein, soll dem Lichte zustreben, immer von Licht umstrahlt und umflossen sein und immer wieder, auch wenn Tage des Kummers und des Leids ihre düsteren Schatten auf es werfen, wenn es scheinbar dem Lichte gänzlich entzogen, sich dem Lichte zuwenden, weil das auch seine wahre, ihm vom Schöpfer zugewiesene Bestimmung ist: pVrv pv Twa ", O, Ewiger, im Lichte Deines Angesichtes werden sie wandeln! Und wahrlich, wie der Mond in ewigem Wechsel uns bald seine Lichtbald seine Schattenseite zuwendet, dasselbe Bild zeigt unser Volk in seiner vieltausendjährigen Bahn. Wie tief dunkel, wie verborgen, wie finster war in Egypten, war später noch in jüngeren Zeiten sein Loos, sein Leben. Aber wie der Monatp'i zum Erstenmal unS zu Hellem Lichte führte, zu wahrem Licht und Leben unter den Menschen erstehen ließ, uns zu einer Gottesschöpfung stempelte, so haben wir uns durch der Zeiten Wandel stes erneuert, find zu unserer Schöpferbesttmmung immer wieder zurückgekehrt, find immer wieder aus dem Dunkel ins Helle Licht getreten, haben uns stets verjüngt, find wir vollkommen geworden. Deß freuen wir uns und danken unserem Schöpfer, der uns diese Bahn angewiesen, daß wir uns immer gleich dem Monde erneuern und doch das alte Volk bleiben, das mit dem Monat P’i seinen Lauf als Volk begann. onenn «nno -jna „Gepriesen sei, der die Monate erneut!" Andere sagen, wir sollen bei Erneuerung des Mondes sprechen: „Gepriesen sei, der die Monde heiligt." Nicht bloße Naturerscheinung soll uns des Mondes Wechsel sein, ein Bild, ein uns ermutigendes Bild unseres eigenen Lebens, nicht blos geschaffen, um in seinem Wechsel uns selbst zu zeichnen, sondern als ein von Gott mit bestimmtem Zweck hervorgerufene Schöpfung, als Glied, das Er eingereiht in die große Reihe, in den Kreis Seiner Schöpfungen, um zu zeugen für Ihn, den Erhabenen und Gewaltigen. So wie des Mondes Bestimmung ist, die Nacht zu erhellen, die Einteilung der Zeiten zu ermöglichen und wie er stets diesen Willen Seines Schöpfers vollzieht, seinen Kreislauf vollendet und wieder beginnt ohne die ihm gesteckte Grenze jemals zu überschreiten; wie er im Dienste seines Schöpfers steht: so auch lehrt er uns, uns als Gottes Geschöpfe betrachten. Der

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