Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 28 (5.4.1894)
- Date
- 1894-04-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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506 Juden sich versündigt; nie und nimmer hätte Gottes Strafgericht sie so furchtbar heimgesucht. Ihr habt gelernt, wie die Tradition uns erzählt, um welcher Vergehen die Verwüstungen unserer heiligen Stätten verschuldet wurden. Ich als Seelenhirte der Gemeinde kann sagen, daß Prag jetzt eine „Jr weem bejisroel“ geworden, mehr wie je zuvor; Ihr als Primator, könnt redlich vor Gott Euere Hände emporheben, die rechtlich und bieder des Amtes gewaltet, die den Armen unterstützt, Wittwen und Waisen Beistand geleistet haben! — Was soll also Euer Bangen und Sorgen! — Nur eine Versündigung — nicht durch Euer Verschulden — ist mir bekannt, noch nicht ist sie zum himmelschreienden Frevel geworden und ich glaube, Ihr seid im Stande sie zu verhindern. — Wälzet auch diesen Stein fort, und der „Ankläger" hat keinen Boden mehr, worauf er fußen kann!" Die Augen des Primators blitzten hell auf, sein energisch geformtes Kinn schien noch mehr hervorzutreten und mit kräftiger Stimme rief er: „Ich gebe dem Rebbe das Wort, daß ich Alles, was er mißbilligt, zu verhindern trachten werde — wenn es noch möglich ist." „So vernehmt — Naftoli Chasen ist ein bescheidener, biederer Mensch, er fungirt mehr denn zwanzig Jahre in der Alt- und Meiselschule und mit seinen kärglichen Einkünften unterstützt er noch die völlig verarmte Familie seiner Schwester. Dies alles nicht beachtend wollen die Gabboim der Altschul ihm die Anstellung kündigen und einen neuen Chasen aufnehmen. Naftoli ist ein Lamden, ein gottergebener Mensch — aber tief muß es ihn schmerzen in seinen alten Tagen sein Brod zu verlieren und von der Stätte, wo er so viele Jahre vorgebetet, verdrängt zu werden." Gestehet selbst ein, Reb Jtsroel, daß an dem Manne ein schreiendes Unrecht, eine wahre Versündigung verübt wird — trachtet es zu verhindern — ich bitte Euch darum!" Der Primator hielt nachdenkend den Kopf auf die Hand gestützt und erwiederte erst nach einer kleinen Weile. „Ich gestehe, Rebbe. daß hier mein Einfluß und meine Macht ihre Schranken gezogen findet; ja eher würde meine Verwendung das eigenmächtige Gebühren der Gabboim noch fördern. — Das ist es eben, was mein Vater siebrono liwrocho, oft beklagte, weil es dem „Klall" und auch dem Ansehen unserer Gemeinde schadet. So viele „Schulen", so viele Khilles mit unterschiedlichen „Mtnhagim" und so viele „Vorsteher und Rechthaber" in der Gemeinde, und gegen diese vielköpfige Körperschaft kann ich leider nichts ausrtchten. Ich werde aber trachten in irgend einer Weise das Unrecht zu verhüten oder gut machen." — „Und jetzt Rebbe" — wandte sich Frankl zum Raw aufblickend, und man merkte seinen Worten die Rührung an, die sein ga.izes Wesen bemeisterte — „danke ich tausendfach für die wohlthuenden trostspendenden Worte, die ich von euch empfangen, ich fühle es, der Rebbe ist wie ein göttlicher Engel des Erbarmens, in seinen Worten liegt Wahrheit — deshalb werde ich aber noch des Rebbes weisen Rath bedürfen. Ich fahre morgen zum Statthalter, um weitere Verhaltungsmaßregeln einzuholen und werde alles dem Rebbe berichten, um darüber ferner berathen zu können." Es war tief Nacht geworden, als die angesehensten Männer der Gemeinde, Primator und Rabbi, von einander schieden. (Schluß folgt.) Der „JSraelit" erscheint wöch-ntlich zweimal, Montag- und Donnerstag-, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis de- Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. 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