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Der Israelit · 1894-04-05 · Heft 28 (5.4.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 28 (5.4.1894)
Date
1894-04-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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505 darniederliege. — Das sollte mich auf das Schreckliche erst vorbereiten. Als ich in seine Wohnung eilte, fand ich schon die Mitglieder der Chewra kadischa versammelt, aus denen Reb Salme Koref hervortrat, der in das Gemach mich geleitend, mir die grausige Wahrheit enthüllte „Memis azmo lodaas!" mein Vater war am heiligen Schabbos zum Selbstmörder geworden! „Wie betäubt wankte ich, von Koref geleitet, in das Trauergemach. Die Leiche des Vaters war schon zur Erde gebahrt; auf dem Tische lag aufgeschlagen die Lada Mezia Gemara und auf einem Blatte die goldene Taschenuhr meines Vaters. Reb Salme Koref hob sie weg und nach der Stelle deutend, woraus sie gelegen, las ich die Worte: Mizwe lekajem diwre Harnes“. (Es ist Pflicht, das Gebot der Dahingeschiedenen zu erfüllen). „Ich stürzte bewußtlos zusammen und wurde, ich weiß nicht wie, in meine Wohnung gebracht. Lange war ich nach dem Erlebten in Krankheit zwischen Leben und Tod schwebend — doch ich genas mit Gottes Hilfe. „Nach den Schloschim kam eine Deputation der Gemeinde zu mir, Reb Salme Koref an der Spitze, die mich bat, die durch den Heimgang meines Vaters erledigte Primatorenstelle in der Gemeinde anzunehmen. Ich wollte entschieden es ablehnen, aber Reb Salme hob den Finger in die Höhe und sagte nur das eine: „Mizwe lekajem diwre hames"! und ich fügte mich. Seither bin ich Primator, und Gott ist mein Zeuge, daß ich redlich und nach Kräften bemüht war, das verfallene Gemeindewesen wieder in früherem Glanze herzustellen: Ich will und darf mich nicht loben — der Rebbe wird mich zu beurtheilen wissen; ich habe auch die Anerkennung des Oberstburggrafen und ein belobendes Rescript Ihrer Majestät der Kaiserin erhalten — doch mein ganzes Dasein ist durch den Gedanken verbittert — meine damalige Unterredung habe meinen Vater in den Tod getrieben und daß es in meiner Kraft gewesen, wenn ich mich kindlich und gehorsam gezeigt hätte, ihn von einem so verzweifelten Schritte zurück zu halten!" — Frankl wischte sich den perlenden Schweiß von der Stirne und blickte prüfend auf den Rabbi, der aus dem Lehnstuhle sich erhebend, in seiner ganzen hoheitsvollen Gestalt vor ihm stand. Mit durchdringendem Blicke auf den Primator frug der Raw, die entstandene Pause brechend: „Mekaß Reb Jtsroel, glaubt Ihr an ein göttliches Walten, gegen welches der schwache Erdensohn nicht anzukämpfen vermag?" „Gewiß Rebbe, mit voller Seele glaube ich daran und welcher ehrliche Jude würde dies nicht glauben?" „Dann wißt", sagte Rabbi Landau in sanftem wohlklingenden Tone, „Euer Vater sichrono liwrocho, war schon für das Loos des Todes bestimmt und so wie Ihr Euch wegen Euerer früheren Weigerung Vorwürfe macht, so hättet Ihr auch, wenn derselbe es erlebt hätte, Euch als Primator zu sehen, um dann in seiner Geistesverwirrung ebenso grauenvoll zu enden, Euch angeklagt, daß Euer Vater es nicht zu verwinden gemocht seinen Sohn an seiner Ehrenstelle und sich herabgewürdtgt zu sehen. Mekaß Reb Jisroel! Euere Weigerung damals war ebenso gerechtfertigt als euere seitherigen Selbstanklagen ungerechtfertigt sind!" „Dank, habt tausendfachen Dank, goldiger Rebbe," rief erfreut Frankl und schüttelte die Rechte des Raw. „die weisen Worte des Raw wälzen einen Fels von meiner Brust; ach! warum habe ich sie nicht früher gehört die tröstenden Worte eines Weisen! Wie viele bittere Stunden wären mir dadurch erspart worden!" „Ist das die „Ezoh“ (Rath), um welche Ihr mich gebeten?" frug Rabbi Landau. „Nein, Rebbe, Ihr habt noch nicht alles vernommen", erwiederte aufseufzend der Primator, und das Schreiben des Statthalters aus der Tasche ziehend, las er dessen Inhalt vor. Er schilderte dann dem Raw die Befürchtungen, die er von einem Besuche des Kaisers hege und daß insbesondere der Umstand, daß der Monarch inkognito komme, ihm erst recht Besorgnisse einflöße, vor den schlimmen Folgen, die eine ungünstige Beurtheilung, oder irgend eine Denunziation seitens eines Judenfeindes haben könnte, und es sei von übler Vorbedeutung — so schloß er seine Rede, daß schon die Geburtsfeier dieses Monarchen der Prager Gemeinde so viel Unglück gebracht habe." Der Raw hörte ruhig die Auseinandersetzungen des Primators an, dabei spielte ein mtldeS Lächeln um feine Züge, das sehr gegen den besorgten Ernst den Sprechers kontrastirte. — Der Raw nahm dann das Wort: „Mekaß, Ihr wißt, was Schlome Melech sagt, „das Herz des Königs ist gleich Wafferquellen in Gottes Hand." Warum vergleicht der weise Salomon es mit Wasserquellen? — Nun seht, das Wasser ist in seinem natürlichen Laufe die Ursache des Segens und der Wohlfahrt des Menschen, es kann aber auch durch Gottes Walten zum verheerenden Alles zerstörenden Elemente werden. So wie es von Gott bestimmt war, daß unter Eures Vaters Verwaltung das Herz der Kaiserin den Prager Juden übelwollend und verheerend sich zeigte, so kann auch das Herz des Kaisers Joseph wohlwollend und segensreich für uns Juden von Gott geleitet werden. Hätten nicht durch Verletzungen der Moral, des^Rechtes,und der Sitte die Prager

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