Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 28 (5.4.1894)
- Date
- 1894-04-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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503 daS Centrum gegen dasselbe stimmen, wie cs sich dem Verbot des Sakramentsspendens widersetzt habe. „Gleiches Recht für Alle" sei die Losung des Centrums.*) Schweiz. Zürich. Das Schächtverbot ist nunmehr in der ganzen deutschen Schweiz in Kraft mit Ausnahme in den Kantonen Luzern und Aargau. — In Luzern wird das Verbot bis zum 12. April erwartet, im Aargau ist's noch ungewiß. Die jüdischen Gemeinden beider Kantone zählen zu dem Bezirks-Rabbinate des Herrn Dr. Ehrmann, und dieser Umstand ist es, der ein recht interessantes Streiflicht auf verschiedene Vorkommnisse wirft. Wenn die Zeiten trüb sind und die Geschäfte schlecht gehen, ohne daß man Jemanden dafür verantwortlich machen kann und sich selber jedenfalls nicht verantwortlich machen will, so sucht die Masse der Unzufriedenen nach irgend einem Prügelknaben, und das müssen dann gewöhnlich die Juden sein. Das ist dann die äußere Veranlassung der wüsten Agitation, die sich Antisemitismus nennt. — Wenn bei uns Juden nicht alles so geht, wie cs die Meisten möchten, dann machen sie es genau ebenso. Dann suchen sie auch nach einem Prügelknaben, und das sind dann die Orthodoxen. Die sind an allem Unglück schuld. Als Ausbund der pechrabenschwarzesten Orthodoxie gilt nun hierzulande der bitterböse Dr. Ehrmann, er ist also natürlich Schuld an dem Schächtverbot, an dem Resultat der Volksabstimmung vom 20. August, daß der Rhein nicht bergauf fließt, und noch an einigem mehr. Kurz nach der Volksabstimmung am 20. August hat dies ein Leitartikel in der „Neuen Züricher Zeitung" ganz klipp und klar nachgewiesen. Es war dies ein freisinniger Fühler, auf den aber Niemand weiter reagirt hat. Nun machen die Thatsachen dieser ganzen Machenschaft, einen dicken Strich durch die Rechnung durch den Umstand, daß gerade in dem Rabbinatsbezirke des Dr. Ehrmann noch geschachtet werden darf, während es, wie gesagt, in der ganzen übrigen deutschen Schweiz schon seit Wochen verboten ist. — Ich will nun nicht in den entgegengesetzten Fehler verfallen und z. B. behaupten, daß d:e Licenz in Luzern zu schächten ein Verdienst des Dr. Ehrmann sei, obwohl dies nach meinen zuverlässigen Informationen im Kanton Aargau sein soll. Aber was hätten unsere freisinnigen Gevattern nicht alles zu zischeln gehabt, wenn es umgekehrt gewesen wäre! Vor circa einem Jahre hatte der große Theil *) Die große Centrumspartei ist seit dem Tode Windthorst'S und Frankenstein'S zerklüftet und in einzelnen Theilen leider nicht frei von Antisemitismus. Red. einer jüdischen Notabel« - Versammlung, die zur Berathung wegen der Schechita zusammen getreten war, die Stirn bei dieser Gelegenheit öffentlich ne*« zu essen. — Seitdem Herr Dr. Ehrmann damals den Zechern das Unerhörte ihres Gebahrens öffentlich vorgehalten hat, hat er dem Faß den Boden ausgeschlagen und es gründlich mit ihnen verdorben. — Zur Strafe dafür wurde er auch nicht in die Commission gewählt, welche die Propaganda für ein günstiges Resultat der Abstimmung entfalten sollte. — Die Herren gönnten ihm keinen Theil an ihrem Fiasko, das der 20 August für ihre Thätigkeit bedeutete. Hoffentlich wird sich Herr Dr. Ehrmann deshalb zu trösten wissen. B. England. London. 30. März. Dr. Lerner wird seine Stelle als Oberrabbiner zu Altona bereits zu -iDijn antreten. Vor seiner Abreise wird ihm Seitens der Federation mit einer Dankadresse eine silberne muo verehrt werden — Dle Stelle wird vorerst unbesetzt bleiben. Als provisorischer Prediger fungirt Rabbi Makkobi —, bekannt als Kamnitzer-Maggtd. London, 31. März, nuff ’nxid. Die in Deutschland rühmlichst bekannte Sängerin, Fräulein Rosa Olitzka aus Berlin (Tochter des Vorsängers der toov my in Berlin), welche seit einiger Zeit an der Harritz'schen Oper als Prima Donna angestellt ist, trat heute Abend in der Oper: „Carm e n" in der Titelrolle auf und erntete stürmischen Beifall. Fräul. Olitzka lebt streng orthodox, was in ihrem Berufe und bei ihrer großen Bekanntschaft in nichtjüd'.schen feinsten Kreisen Londons besonders anerkennenswerth ist. London, 2. April. Seit einiger Zeit machen Correspondenzen, die in „Jewtsh Chronicle" erscheinen, berechtigtes Aufsehen. Es handelt sich um antisemitische Tendenzen und Missions-Bestrebungen im hiesigen „Deutschen Hospital" (Dalston). Da hier kein jüdisches Spital existirt, sondern nur in den verschiedenen Krankenhäusern Abtheilungen für jüdische Patienten unterhalten werden, so unterstützen die hiesigen Juden die Hospitäler im weitgehendsten Maaße. Seit einigen Jahren sind Klagen laut geworden, daß den jüd. Patienten Missions- Traktätchen ausgetheilt werden und daß sie beim christlichen Gottesdienst zugegen sein müssen. Der Hausarzt des Hospitals Dr. Ludwig, ein Christ, (aus Darmstadt gebürtig) versuchte diese Bestrebungen zu unterdrücken und hat seinen Abschied genommen, weil ihm dieses nicht gelungen ist. — In einem Briefe in der jüngsten Nummer des „Jewish Chronicle" befürwortet Dr. Ludwig die Errichtung eines jüdischen Hospitals. Die Vorsteher der. hiesigen Gemeinde sind dem jedoch