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Der Israelit · 1894-04-02 · Heft 27 (2.4.1894) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 27 (2.4.1894)
Date
1894-04-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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l'l,:.. Wl .WWWWMMWWHWWMWM 492 rumänischen Bürgern sind verpflichtet, Kinder im Alter von 7—14 Jahren in die öffentliche Elementarschule zu sch cken. — Die Fremden, mit Ausnahme der in der Dobrudscha wohnenden, werden ein Schulgeld, dessen Höhe durch ein besonderes Reglement festgesetzt werden wird, entrichten. — In außerordentlichen Fällen kann der Minister von diesem Schulgeld Dispens ertheilen. — Im Falle der Unzulänglichkeit der verfügbaren Plätze werden die Kmder der Rumänen vorgezogen." Art. 32. „Die Zahl der Schüler in einer Klasse darf nicht größer als 80 sein." Art. 35. „Nur Rumänen werden zu den Normalschulen (Lehrerbildungsanstalten) zugelassen." Wir haben oben gesagt, daß dieses Gesetz implicite eine völlige Ausschließung der jüdischen Schüler von den öffentlichen Elementarschulen bewirken wird. Wir wollen dies durch einige statistische Daten, welche offiziellen Quellen entnommen sind, erhärten. In den städtischen Gemeinden gibt es 105,739 Kinder im schulpflichtigen Alter, davon besuchen thatsächlich nur 75,902 Kinder die Elementarschulen — theils öffentliche, theils private — so daß 29,837 Kinder ohne Schulunterricht aufwachsen. Nach Konfessionen gibt es 51,786 rumänische Schüler (d. h. griech.-oriental. Religion) 19,577 jüdische 2,513 katholische 1,003 protestantische „ 1,023 verschied. Konfess. 75,902 Schüler aller Religionen. Die öffentlichen Stadt-Schulen besuchen 58,177 Schüler. Nach Konfessionen geordnet gibt es: 47,224 rumän., d. h. griechisch-orientalische Schüler 8,924 jüdische 882 katholische 270 protestantische 877 verschiedener Konfessionen 58,177 zusammen. In sämmtlichen Dorfgemeinden des Landes gibt es 550,000 Kinder im schulpflichtigen Alter, von welchen blos etwa 180,000 die öffentlichen Elementarschulen besuchen, der Rcst, 370,000, genießt keinen Schulunterricht. Aus dem Vorstehenden ergibt sich, daß der rumänische Staat, um die allgemeine Schule durchzuführen, noch für etwa 400,000 Kinder Schulen und Lehrer inftalliren muß — was für sehr lange eine baare Unmöglichkeit ist — und Angesichts der fehlenden 5000 Lehrer und Klaffen — zu 80 Schüler — ist es klar, daß in absehbarer Zeit für jüdische Kmder in den öffentlichen Elementarschulen kein Platz sein wird.* *) Die 8924 jüd. Schüler, welche heute noch die öffentlichen Schulen besuchen, werden von jetzt ab sicherlich keine Aufnahme mehr finden. Es ging eine tiefe Bewegung durch alle Schichten der jüdischen Landesbevölkeruna. als sie sah, daß ihre Kinder sogar von den öffentlichen Elementarschulen ausgeschlossen werden sollen. Kein gegen die Juden gerichtetes restriktives Gesetz hat eine größere Erbitterung hervorgerufen, als das Schulgesetz. Der ärmste und ungebildetste Jude fühlt es, daß ihm durch dieses bildungsfeindltche Gesetz der Todesstoß versetzt wird, und wenn er alle anderen restriktiven Gesetze ohne Murren hinuahm, so erregte dieses Gesetz den größten Unwillen bei ihm. Der rumänische Jude ist ein warmer Freund moderner Bildung und es kann nicht rühmend genug hervorgehoben werden, wie er sich bereitwilligst die größten Opfer auflegt, um seinem i Krnde eine gute Erziehung anqedeihen zu lassen. i Viele öffentliche Schulen in Jassy, Foltitscheni und anderen Städten, die zumeist von frommen Israeliten bewohnt werden, zählen mehr jüdische als christliche Schüler und die ersteren zeichnen sich meist durch regen Fleiß und große Gewecktheit aus, eine Thalsache, die durch Rumänen schon öfter öffentlich anerkannt wurde. (Schluß folgt.) Zeitnngsuachrichteir und Correspondenzen Deutschland. Berlin, 29. März. Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hatte am 27. März nach dem prächtigen Saale der Freunde eine Versammlung einberufen, die recht stark besucht war. Hauptgegenstand der Tagesordnung war ein Vortrag des Gymnasial-Oberlehrers Prof. I)r. Pohlmalnl-Neuwied über das Thema: „Die Juden und die körperliche Arbeit". Prof. Pohlmann ist Christ und Germane, entstammt einem evangelischen Pfarrhause und ist zu seinem Vorträge und die demselben vorangehenden Studien und Broschüren durch die Gerichtsverhandlung über den Lantener Mord und die darail geknüpften Aeußerungen gekommen. Seine Broschüren über die Judenfrage haben ihn in jüdischen Kreisen vortheilhaft bekannt gemacht. Den Vorsitz führte Herr Mendelssohn. Seit zwei Jahrzehnten, so begann Pr. Pohlmann, habe sich in Deutschland die antisemitische Bewegung gezeigt und aus kleine» Anfängen zu einer bedeutenden Macht entwickelt. Zwar seien die Juden seit fast zwei Jahrtausenden häufig die Opfer der Glaubenswuth und Verfolgung geworden, aber die früheren *) Die Regierung schützt aber den Raummangel nur vor; in Wahrheit will sie durch den Ausschluß der Israeliten vom Elementarunterricht bewirken, daß diese, des Lesens und Schreibens nicht kundig, sich ihrer Lage nicht bewußt werden und die ihnen zugesagten Rechte sich nicht sollen erkämpfen können; auch sollen die Israeliten nachher als nicht bildungsfähig und nicht bildungswillig hingestellt werden. Dr. Corman.

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