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Der Israelit · 1894-04-02 · Heft 27 (2.4.1894) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 27 (2.4.1894)
Date
1894-04-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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485 WM MM«VWWWWWWMWWMs^M»W» zählte Jahrhunderte mit hinausgegeben hat, dar Haus, das jüdische Haus, dieses von Gottes Gnade uns gereichte Kleinod feiert in diesen Gedächtnißstunden unserer einstigen Erlösung seine herrlichste Triumphe. — Da möchte doch keiner an der Familien-Tafel-Runde fehlen und wie weit auch Geschick und eigne Wahl die Glieder der Familie auseinander gerissen und von einander entfernt hat, der Peßach führt die fernen Fremdgewordenen wieder zusammen und festigt das im Laufe des Jahres gelockerte Band wieder in abv mnw nun« mjm, in Liebe und Brudersinn, in Frieden und Freundschaft. Wie beim einstigen Peßach-Opfer zählt noch heute der Hausvater m»wn noaDa die Häupter seiner Lieben und möchte keines missen in dieser Stunde, die das Herz der Eltern den Kindern und das Herz der Kinder den Eltern zuwendet. Und wenn unter diesen Kindern sich selbst ein solches fände, das im Weltgetriebe den Faden verloren hätte, der es mit seinen heiligsten Anliegen und ihrem Ausdruck im Elternhause verbindet, der Gedanke an das Peßachopfer hat die Kraft alle wieder zurück zu gewinnen. oa^K tidk» »a rrm dd^> nwn mayn no carsa. Wenn euere Kinder je zu euch sprechen könnten, was soll euch dieser Dienst •rb «in rtDB nat umow, so braucht ihr nur auf das Peßach-Opfer-Mahl hinzuweisen, es zeugt für Gott in so lauter, eindringlicher Weise, daß es kein blastrter Zweifel hinwegzufragen vermag. Das Peßachopfer, welches die Väter aßen, während. draußen die Götter Egyptens wankten und die Befreiung sich vollzog, war gewiß ein ‘rb nos na? ein Peßach- Mahl, welches für Gottes-Allmacht zeugte. Aber noch größer vielleicht ist die Proklamirung der Gottes-Allmacht, welche unser das Gedächtnitz jener Stunde alljährlich neu belebender Peßach bedeutet. Die letzte Nacht, welche nach Jahrhunderte langer Sklaverei unsere Väter und Mütter in Mizrajtm verbrachten, vereinigte sie zu einem großen Festmahle. Durch alle jüdischen Häuser war der Tisch gedeckt. Als Sklaven und Sklavinnen hatten sie sich noch zum Festmahle niedergesetzt, und als freie Menschen waren sie aufgestanden und in die Freiheit gezogen. Keiner der Befreiten durfte bis zur festgesetzten Stunde das Haus verlassen. Keiner wußte, was sich draußen im Kreise der egypttschen Zwingherren vollzogen und einen so raschen Wechsel herbeigeführt hatte. Wie groß auch das Wunder der Befreiung aus Mizrajim an und für sich erscheint, am größten mußte es den Befreiten selbst erscheinen. Generationen hindurch in einem Elend sonder Gleichen schmachtend, war erfolglos ein Moscheh und Aharon zu ihrer Befreiung gesandt worden, hat neunmal ohne Erfolg die ganze sie umgebende Natur die gewohnten Geleise verlassen, um für die geächteten Sklaven in die Schranken zu treten. Da rüsten die machtlosen Unglücklichen sich zu einem Feste, und während sie es in mitternächtigen Stunde feiern, wird ihnen ohne ihr Wissen, ohne ihr Zuthun die ersehnte Freiheit! Gott war hindurchgezogen und hatte den Schlag gegen Mizrajim geführt, warschonend, rettend, befreiend über die jüdischen Häuser htnwegeschritten, als er an ihnen die Symbole der Unterordnung unter seinen Willen gewahrte, und hatte dem Verderben keinen Zutritt in die Häuser gestattet. .otoy -iy pnb ron nann m omoan „Bewahrt auch diese Thatsache, damit sie dir und deinen Kindern Gesetz werde auf ewig." Und sie ist Gesetz geworden. Israel hat die von seinem Führer an die Aeltesten der Nation gerichtete Mahnung aufgegriffen und durch die Sedernächte verewigt. Wie vor Jahrtausenden die Erlösungsnacht, so ladet noch heute ihre alljährlich wiederkehrende Gedächtnißfeier die späten Enkel der Erlösten zu einem großen Feste. Der Kreis der Festgenossen hat sich erweitert, er reicht über das weite Erdenrund. Aber das Festprogramm, die Tischordnung und die ganze Festesstimmung sind dieselben geblieben. Bet den Mitgliedern dieser großen Tafelrunde lebt das Gedächtniß des Festes, das sie feiern in so klarer Frische, als seien sie selber aus Mizrajim gezogen. Die Freiheit kam, die Freiheit schwand, ist nun Jahrtausende wieder geschwunden. Ihre Verkünder leben machtlos, wehrlos, zerstreut über die ganze Erde, abhängig von der Gnade der Staaten und Völker, die oft kargten mit ihrer Liebe, die sie höhnten, quälten, verfolgten und — duldeten, aber als ob nichts in den Jahrtausenden vorgefallen wäre, sitzen, wie damals, die Festgenoffen an der großen Tafelrunde, essen dasselbe Brod, das ihre Väter im Lande Mizrajim aßen, mit denselben bitteren Kräutern, füllen die Pokale und leeren sie zur Verherrlichung der Freiheit, die in jener Nacht einst Gott den Vätern schenkte. Wohl haben die Enkel diese Freiheit eingebüßt, aber nicht die Zuversicht auf ihre Wiedererlangung. Tagtäglich knüpfen sie an die Erinnerung jener Erlösung aus Mizrajim die Bitte um die ersehnte, letzte Erlösung von allem socialen, politischen und religiösen Druck und Leid und die unerschütterliche Ueberzeugung, daß dieser Bitte vom Vater der Menschheit sicher die Erfüllung wird, macht jedes jüdische Haus alljährlich zur Festhalle, jede Familie bis zu ihrem jüngsten Gliede zum Festgenoffen, läßt alle als begeisterte Herolde der Freiheit die Kelche erheben zum Preise Gottes, der mit der Erlösung der Väter die der Enkel für alle Zeit sichergestellt hat.

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