Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1894-03-29 · Heft 26 (29.3.1894) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 26 (29.3.1894)
Date
1894-03-29
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448412-2448436--38253-2486354
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

HWWWWMWWWWWWWM ■j.. A"1 -l ■11!-4»- 477 die Zustimmung der Bundesregierungen nicht zu rechnen habe. Hannover. Dem vierzehnten Jahresbericht des Vereins zur Unterstützung der Schüler der Bildungs-Anstalt für jüdische Lehrer zu Hannover entnehmen wir: Der Verein hat auch im abgelaufenen Jahre dem vorgesteckten Ziele nach Kräften zugestrebt. Wir haben die Freude, konstatiren zu können, daß trotz der hohen Anforderungen, welche gerade in jetziger Zeit an den Wohlthätigkeitssinn jedes einzelnen unserer Glaubensgenossen mehr als je gestellt werden, der Bestand unserer Mitglieder und unsere Vereinsverhältnisse keine wesentliche Veränderung erfahren haben. Wir erblicken darin den zu weiterem Streben ermuthigenden Beweis, daß die Aufgabe unseres Vereins, jungen Leuten in ihrer Ausbildung zum jüdischen Lehrerberuf die Sorge um des Lebens Unterhalt während ihrer 5jährigen Studienzeit auf der hiesigen jüdischen Lehrerbildungsanstalt zu erleichtern, allseitig gewürdigt wird. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß immer weitere Kreise zu gemeinsamen Wirken mit uns gewonnen werden mögen. Leider haben wir im abgelaufenen Jahre in der Leitung unseres Vereins einen sehr schmerzlichen Verlust zu beklagen. Am 5. Juni 1893 ist der Vorsitzende unseres Vereinsvorstandes Herr Louis Kann in seiner vollen Manneskraft im Alter von 45 Jahren uns durch den Tod entrissen worden. Der Heimgegangene, welcher im Jahre 1879 unfern Verein mit begründen half, gehörte demselben seit dieser Zeit als erster Vorsitzender an. Durch unermüdliche Hingabe an die Sache des Vereins und dauernde opferbereite Thätigkeit für dieselbe hat der Verblichene wesentlich zur Erreichung der bisher erzielten Erfolge beigetragen. Sein Hinscheiden wird von uns Allen tief beklagt. Sein Andenken wird von uns stets in Dankbarkeit und Ehren bewahrt werden. In Folge dieses herben Verlustes ist der stellvertretende Vorsitzende Herr Jsaac Hirsch zum Vorsitzenden des Volstandes gewählt worden, während Herr Adolf Kann, der Bruder des Entschlafenen, in den Vorstand als stellvertretender Vorsitzender ausgenommen wurde. — Zum Frühjahr 1893 verließen die Lehrerbildungsanstalt und unser Internat Herr Julius Höxter und Herr Gabriel Levy. Elfterer nahm eine Lehrerstelle in Ahlem b. Hannover in der Moritz Simon'schen Erziehungsanstalt, letzterer eine solche in Stolp i. Pommern an. Während des ganzen Jahres sind dauernd 30 Schüler der hiesigen jüdischen Lehrerbildungsanstalt in unserer Verpflegungsanstalt unterhalten worden. An Beiträgen und Geschenken gingen von 302 hiesigen und 498 auswärtigen Mitgliedern im Ganzen M.6887.50 ein. An Zuschüssen für die Unterhaltung der Schüler und aus Stipendien erhielten wir M. 6989.80. In liebervoller Erinnerung an unfern so früh dahin gegangenen Vorsitzenden, Hern Louis Kann, überwies die Gattin desselben, Frau Charlotte Kann, geb. Lust, unserm Vereinsmögen den Betrag von M. 1000. — um damit eine Louis Kann-Stiftung für dauernde Zeiten innerhalb unseres Vereins zu begründen. An Jahrzeitsstiftungen gingen 1660 M. ein. Die jüngst verstorbene Frau Georgine Jacobsohn, geb. Cohn aus Steyerberg in Stolzenau hat unserm Verein letztwillig die Summe von Dreitausend Mark zugewandt zur Begründung einer Stiftung, über welche wir im nächsten Jahresberichte weitere Mittheilungen machen zu können hoffen. Die Professor Frensdorff - Stiftung erhielt 1141 M. Zum Schluß richten wir an alle Freunde und Gönner unserer Sache die innige herzliche Bitte, nicht allein uns für die Folge treu zur Seite zu stehen, sondern auch in ihren Freundeskreisen neue Mitglieder für unfern Verein zu werben und auf die Zuführung von neuen Jahrzeit-Stistungen und Geschenken ihr Augenmerk zu richten. Wir sind zu unserm lebhaften Bedauern bei Weitem nicht im Stands den an uns herantretenden Unterstützungsgesuchen auch nur annähernd entsprechen zu können und sehen uns daher auf die kräftigste Unterstützung seitens unserer Freunde angewiesen. Rußland. Petersburg. (Zweierlei Maß.) Manschreibt dem „Fr. Bl." von hier: Gegen Mitte Februar, an einem durch besonders strenge Kälte und reichen Schneefall denkwürdigen Tage, wurden in einer der Straßen Petersburgs von der Polizei zwei junge Bursche angehalten, die vor Kälte ohnmächtig waren. Beide waren Lehrlinge bei verschiedenen Meistern und mit der Ablieferung von Arbeit an Kunden beauftragt. Einer der Angehaltenen war bei einem orthodoxen Tischler in der Lehre und wurde von diesem ohne jedwede warme Bekleidung und sogar ohne Schuh während der grimmigen Kälte zu Kunden geschickt; der Andere befand sich in der Lehre bet einem jüdischen Hutmacher und trug bei seiner Anhaltung ganze Schuhe und einen Herbstüberzieher, der ihn vor der Kälte nicht genügend schützen konnte. Da das russische Gesetz mit Recht vorschreibt, daß die Meister ihre Lehrlinge zur kalten Jahreszeit mit warmen Kleidern versehen sollen, so war es gewiß anerkennenswerth, daß die Polizei die Meister der angehaltenen, dürftig gekleideten Burschen bestrafte. Aber der Stadthauptmann von Petersburg, General v. Wahl, hat auch in dieser Angelegenheit bewiesen, wie die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.