Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 26 (29.3.1894)
- Date
- 1894-03-29
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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; -- ' - .- ->r«r--y-Ty ^ULW^WMMWWWSWWWW»«^D^«MWW 478 Lage der Juden in Rußland beschaffen ist; er hat nämlich angeordnet, über den orthodoxen Tischler eine Geldstrafe von 15 Rubeln zu verhängen, den jüdischen Hutmacher aber mit Ausweisung zu bestrafen. Das nennt man hier die ausgleichende Gerechtigkeit. Die Stadt Saratow hat dem Finanzminifter Witte für seine Verdienste um die Förderung des Eisenbahnwesens und speziell um die Entwicklung Saratows das Ehrenbürgerrecht dieser Stadt verliehen. Dieser Beschluß wird um so mehr bemerkt, als noch vor 2 Jahren die Stabt Saratow in der Frage der Koslow-Saratower Bahn zu den heftigsten Gegnern Witte's gehörte. Bei dieser Gelegenheit sei auch mitgetheilt, daß die Kaufleute der Städte Astrachan und Zarizyn Eingaben an die Aftrachaner Handelskammer gerichtet haben, in denen darauf htngewiefen wurde, wie die Juden als Vermittler im örtlichen Handel und der Industrie nicht nur mit den entfernteren Theilen des Reiches, sondern auch mit dem Auslande wie z. B. mit Rumänien, Bulgarien und Deutschland derart durch ihre Geschäfte mit der örtlichen Bevölkerung verbunden seien, daß nach deren Entfernung Industrie und Handel unfehlbar zurückgehen müßten und große Verluste entstehen würden. Aus diesen Gründen werde die Handelkammer ersucht, bet den Gouverneuren von Astrachan und Saratow zu petitioniren um Belassung der Juden in den beidm genannten Städten bis auf Weiteres. Die Kammer nahm dieses Gesuch sympathisch auf und beschloß bei den Gouverneuren von Saratow und Astrachan um Belassung der Juden in Astrachan und Zarizyn bis auf Weiteres zu petitioniren. England. London, 25. März. Aus Odessa wird Folgendes über Russisch-Jüdische Auswanderer nach Argentinien unterm 13. März berichtet: Am Sonnabend den 10. d. M. schiffte sich eine Gesellschaft von Auswanderern an Bord des „Bosporus" von Odessa nach Argentinien ein. Es waren im Ganzen 46 Familien, 220 Köpfe zählend. Jede Familie erhielt hier 50—100 Rubel zum Einkauf von nothwendigen Sachen, die sie für ihre neue Heimstätten brauchen mögen, und vor der Abreise erhielt die Gruppe 1100 Francs in Gold, um kleine Ausgaben unterwegs zu bestreiten. Eine besondere Küche ist an Bord des Schiffes für die Auswanderer eingerichtet worden. Herr Moses Fischerowitsch, der dortige Vertreter des Petersburger Comitös, schickte an Bord 30 Pud (1,080 Pfund) koscheres Fleisch, sowie die nöthigen Utensilien und vertheilte auch Süßigkeiten an die Kinder. Außer Herrn Feinberg und Herrn Fischerowitsch waren an Bord des Schiffes Baron Günzburg jun., Herr Aschkenasi und andere der dortigen jüdischen Gemeinde anwesend, um den scheidenden Auswanderern „glückliche Reise" zu wünschen. Diese ihrerseits dankten den Vertretern der „Colonisations. Gesellschaft" hetzlich. Eine andere kleine Gruppe von Auswanderern reift Ende dieser Woche ab, und es sollen ihr wöchentlich kleine Abtheilungen von Auswanderern folgen. Gegen Ende April werden 3 Gruppen von 150 Familien von hier nach Argentinien abreisen. P a l ä ft i n a. Jerusalem. Außer den in unserm letzten Bericht genannten Spenden hat Herr Baron Hirsch wettere L 2,500 (= M. 50,000) an 5 verschiedene Wohlthäligkeits-Jnftitute gesandt. Zu der am vergangenen Freitag stattgehabten Beerdtgnng des Herrn Commerztenrath Jakob Israel in Berlin sind außer dessen Schwager, Herrn Marcus N. Adler, auch seine beiden Neffen, die Herren James und Arthur Salomon, gereist, welche letztere durch ein neu zu schließendes Famtltenbündnitz dem Verblichenen nahe standen. Vermischtes. AuSbach. Der Tod hat am 2. ds. einen edlen Menschen hinweggerafft. Der isr. Lehrer Herr H. Hofmann, ein Mann, geschmückt mit seltenen Tugenden, ausgezeichnet durch einen unerschütterlichen festen Charakter, bekannt durch unermüdliches, redliches Streben und Schaffen in und außer dem Berufe, ist in der Fülle seiner Kraft, im 54. Lebensjahre, von der Erde abberufen worden. Wer dem Leichenbegängniffe anwohnte, und es waren wahrlich nicht Wenige, der konnte einen Schluß ziehen, welcher Liebe und Anerkennung sich der selig Entschlafene in weiten Kreisen zu erfreuen hatte. Am Grabe sprach vor einer tief gerührten Versammlnng Herr RabbinerDr. Neubürger aus Fürth, Herr Kultusvorstand Selling aus Ansbach und der Schwiegersohn des Verblichenen Herr Lehrer Maier aus Förth. Möge dem Verblichenen reicher Lohn werden für die verdienstvollen Werke, die er geschaffen, möge ihm die Erde leicht sein! Pretzburg, 4. März. Zufolge des jüngsten Erlaffes des hohen königlichen Honvöd-Ministeriums wurde für die hier garnisonirenden israel. Soldaten ein separater Gottesd-enst eingeführt. Se. Ehrwürden Herr Oberrabbiner Schreiber delegirte zur Abhaltung der diesbezüglichen Predigt seinen Schüler, den Rabbinats-Candidaten Herrn Michael Duschinsky, Sohn des rühmlichst bekannten gelehrten Rabbiners Hern B. Duschinsky aus NLmesto. Herr Candidat Michael Duschinsky hielt gestern vor einem zahlreichen Publikum, bestehend aus Soldaten, Honoratioren der Gemeinde und den Hörern der Rabbinerschule, eine Rede. Die oratorische Leistung des jugendlichen Redners hatte einen großen ^Erfolg. Der schöne, formvollendete Vortrag, die reine, chwungvolle Sprache, sowie der gediegene, ideenreiche Inhalt, mit tiefdurchdachten agadischen Erklärungen durchwoben, erregten allgemeinen, enthusiastischen Beifall.