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Der Israelit · 1894-03-29 · Heft 26 (29.3.1894) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 26 (29.3.1894)
Date
1894-03-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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468 nt® stattfinden, was für die jüdischen Schankwirthe einen empfindlichen Verlust zur Folge gehabt hätte Den Vorstellungen des dortigen Rabbiners Herrn Dr. Pleßner gelang es jedoch, bei der zuständigen Behörde die Verlegung des Jahrmarktes auszuwirken. Diese Thattache beweist zweierlei. Zunächst die dankenswerthe Rücksicht der Behörde auf religiöse Jntereffen, ferner aber auch die Wirksamkeit ernstlicher Bemühungen wahrhaft religiöser Rabbinen, die sich dadurch als thatsächliche Seelsorger zu erkennen geben. Nach den soeben ausgegebenen Jahresberichten der hiesigen höheren Lehranstalten und der Mittelschule beträgt die Zahl der jüdischen Schüler am Mariengymnasium unter 59l Schülern 55 jüdische, am Friedr. Wilh. Gymnasium unter 486 Schülern 182 jüdische, an der Vorschule beider Gymnasium unter 162 Schülern 61 jüdische, am Real-Gymnasium unter 341 Schülern 107 jüdische, an der Vorschule deffelben unter 49 Schülern 13 jüdische, an der Mittelschule unter 987 Schülern 177 jüdische. Am Real-Gymnasium, welches eine Simultan-Anstalt ist, wirken auch zwei jüdische Lehrer. Da eben jetzt viel von dem greisen Kossuth die Rede ist, der sowohl als Publicist, als auch auf seiner Höhe als Führer der nationalen Bewegung stets judenfreundlich gesinnt war, so dürfte eine Reminiscenz aus dessen Knabenzeit nicht ohne Jntereffe sein. Seine Mutter brachte ihn als Knaben zu einem im Rufe der Heiligkeit stehenden Rabbiner, um ihn von demselben segnen zu lassen. Da habe dieser, so wird erzählt, nachdem er ihn lange prüfend angesehen, ihm endlich die Hand aufs Haupt gelegt mit den Worten des Psalms: Dounrfc dj nn: nte üffip \®ö, wobei er das Wort — entsprechend der ungarischen Aussprache des Namens Kossuth — besonders hervorgehoben habe. Als später Koffuths Name viel genannt und gefeiert wurde, erinnerte man sich an diesen Ausspruch des heiligen Mannes und behauptete, derselbe habe Koffuths künftige hohe Bedeutung vorausgesehen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. (Ein Hunderttausend Gulden-Legat.) Der im Jahre 1892 in Wien verstorbene Fabrikant und Banguier Herr Wilhelm Nagel hat außer zahlreichen Wohlthättgkeits-Legaten sein einen beiläufigen Werth von fl. 100,000 repräsenttrendes Haus Nr. 6 in der Dreilaufergaffe im siebenten Bezirke dem Handwerkerverein und einem anderen vom Vorstand der israelitischen Cultusgemetnde zu bestimmenden humanitären Vereine testamentarisch vermacht. Sein Sohn und Universalerbe Herr Friedrich Nagel hat im Vereine mit dem Testamentsvollstecker Herrn Dr. Philipp Kallmus sämmtltche Legate noch vor der Fälligkeit ausbezahlt und die erförderlche grundbücherltche Anmerkung soeben vollziehen lassen. Lemberg. Die alte jüdische Garde hat einen herben Verlust erlitten; eines ihrer besten Mitglieder ist ihr in Herrn Saul Bernstein durch den Tod entrissen worden. Daß Mensch sein Kämpfer sein heißt, die Wahrheit dieses Wortes hat der Dahingegangene durch sein ganzes Leben bethättgt. Dieser edle Mann mit seinem milden, allen irdischen Strebungen und Irrungen abgekehrten Sinne, hat nie an sich und stets an die Anderen und für Andere gedacht und gesorgt, dafür sind Zeugen nicht nur die Seintgen, sondern alle Diejenigen, die ihm näher traten und sein geflissentlich die Oeffentlichkeit und Ehrenstellen meidendes Streben kennen lernen durften. Saul Bernstein war Vorsteher der Talmud- Thora, Obmann vieler Wohlthätigkeits-Vereine, durch dessen Hand viele Spenden für die israelitischen Armen Lembergs gingen. Bei aller Frömmigkeit war er von humaner, toleranter Gesinnung getragen und erfüllt von humanitären Bestrebungen, für welche er viel Zeit opferte; er besaß bedeutende talmudische Kenntnisse, auch profanes Wissen und widmete seine Mußestunden dem Talmud und der hebräischen Literatur. Die Anerkennung trat auch bei der Beerdigung zum Vorschein, bei welcher in selten gesehener Einmütbigkeit Angehörige aller Stände, Parteien und Classen sich zu einer überwältigend großen Trauergemeinde zusammenfanden. An der Bahre sprach vor der Synagoge Se. Ehrwürden unser Rabbiner Isaak Schmelkes. In einem zu Thränen rührenden Hesped schilderte Rabbiner Schmelkes den Lebenslauf des Dahingeschiedenen und hob hervor, daß in der Gegenwart der Verlust eines hingebenden Glaubensgenossen doppelt zu beklagen sei. Außer unserem Rabbiner Herrn Isaak Schmelkes sprach noch der Rabbinats-Asseffor Herr Halperen Worte der Trauer. (Fr. Bl.) > Vermischtes. 4 Ahrweiler Am HipD 's ro» schenkte der erste Vorsteher der hiesigen Gemeinde Herr Friedrich Wilhelm Hey mann aus Anlaß der mjfD "Q-Feier seines ältesten Sohnes dcr Synagoge eine neue, in jeder Hinsicht herrlich ausgestattete min "isD. Dem Wunsche des Spenders entsprechend sah man von jeder äußeren öffentlichen Feier ab; indeß beging man solche in würdigster und üblicher Weise in der Synagoge. Herr Lehrer und Cantor Stern sprach dem verehrten Spender in längerer Rede den Dank der Gemeinde aus. I. A. Die beiden Opfer des letzten AnarchistenattentatS in Paris sind Juden; der eine, ein Oesterreicher Namens Jakob Meyer, war zum Besuche seines Bruders nach Paris gekommen; der andere, Jost,^stammte, aus Stratchin (Russisch-

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