Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 26 (29.3.1894)
- Date
- 1894-03-29
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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460 tretung anderer Berufsinterefsen, die Pflege der Kollegialität n. s. w., wollen wir heute nur vorüberehend erwähnen. Bemerken wollen wir nur noch, daß eine solche Versicherung auch im Interesse der Prinzipale liegt. Bisher pflegte der Prinzipal beim Geschäftsrückgang den Gehilfen mit Rücksicht auf dessen treu geleistete Dienste oft gegen seinen Vortheil länger zu behalten, in Zukunft könnte er diese Sorge auf die Verstcherungskasse abladen.*) Vor Allem gilt es, auf das Genaueste festzustellen, wie hoch der Prozentsatz der wegen mna» mp Stellenlosen unter den Kaufleuten ist, ferner wie lange die Stellenlosigkeit der Einzelnen durchschnittlich andauert; je nach den hier gewonnenen Resultaten richtet sich die Höhe des Beitrags, der zwischen 2 und 5°/g des Gehalts variiren kann. Der in jüngster Zeit sehr rührige Hamburger Jüd. Stellen-Vermittlungsverein (Vorstand Jacobsen) ist vielleicht mit Hilfe der jüdischen Blätter, sowie durch Versandt von Fragebogen in der Lage, hierüber eine Enquete zu veranstalten. Auch unser sehr verehrter Mitarbeiter, der im Versicherungswesen als Kapazität geltende Herr M. L. in Frankfurt a. M., dem wir für das uns freundlichst überlassene Material hiermit unseren Dank abstatten, wird, wie wir überzeugt sind, seine bewährte Kraft freudig in den Dienst der von uns heute angeregten guten Sache stellen. Die soziale Frage hat viele neue Wohlfahrtseinrichtungen zu Tage gefördert, sollten die Anhänger des wahren Judentums die Elfahrungen der Neuzeit sich nicht auch zu Nutze machen? Freilich bedarf es dazu der angestrengten Thättgkeit einer Reihe tüchtiger Männer, aber die Arbeit darf man sich nicht verdrießen lasten. Von Joseph heißt es: nid ">itw ipn 't ntwo rr?XD ", wy. „Der Ewige war mit ihm; und was er t h a t, ließ der Ewige gelingen." Hätte Joseph nichts gethan, hätte er seine Hände müßig in den Schoß gelegt, so hätte ihm der Ewige auch seinen Beistand nicht verliehen. Ja, der Ewige halte ihm bereits geholfen, indem er ihm die Fähigkeit gegeben, etwas zu thun; nur mußte Joseph diese Fähigkeiten auch benutzen, auf daß die Hilfe eine vollkommene wurde. Wohlan, wir besitzen ein Mittel, um ein Grundgesetz unserer heiligen Religion zu wahren, und wir sollten es nicht benutzen wollen? Wir gründen Schulen, in welchen wir die Kinder zur Thora und Gottesfurcht zu erziehen uns bemühen und stoßen sie dann hinaus ins feindliche Leben, ohne ihnen eine weitere Stütze mitzugeben! In Berlin hatte die jüdische Gemeinde die Stirn, eine Prämie auf die Entweihung des Sab- *) Vergl. Die Versicherung gegen Stellenlosigkeit im Handelsgetverbe von Hans Hall. München 1893. bats zu setzen. Setzen wir eine Prämie auf die Heiligung des Sabbats: Errichten wir eine Versicherungskasse für stellenlose, sabbatheiltgende Handlungsgehilfen. xnyy qb*>._ Zeitungsnachrichten mtb Correspondenzeu. Deutschland. Berlin. Eine der Hauptforderungen der Hetzantisemiten ist die, daß Namensänderungen nur den Christen, nicht auch den Juden gestattet sein sollten. Wir nehmen an, daß ein zufälliges Zu» sammentreffen, nicht ein beabsichtigtes Entgegenkommen auf die Forderungen des Radau-Anttsemittsmus vorlag, als der preußische Minister des Innern aus Anlaß eines Spezialfalles kürzlich eine Verfügung erließ, worin er die Regierungspräsidenten darauf hingewiesen hat, daß Anträgen auf Abänderung von Familiennamen nicht ohne hinreichende Gründe stattzugeben ist, und daß derartige Anträge in der Regel als hinreichend begründet nicht anzusehen sein werden, wenn es sich z. B. wesentlich darum handelt, zum Zwecke des leichteren Fortkommens oder mit Rücksicht auf die antisemitische Bewegung einen die jüdische Abstammung kennzeichnenden Namen mit einem anderen zu vertauschen. Aus der Theorie des Ministers in die Praxis unserer Verwaltungsbehörden übersetzt, heißt das, Namensänderungen von Juden werden überhaupt nicht mehr gestattet. An und für sich ist dagegen nichts einzuwenden. Denn Leute, die sich ihrer Väter schämen, verdienen keine Rücksicht, am wenigsten eine amtliche Unterstützung derartiger Bestrebungen. Anders liegt die Sache allerdings, soweit es sich um lächerliche oder unästhetische Namen handelt. Soweit dagegen die Verfügung des Ministers bei den Antisemiten den Glauben erwecken könnte, als habe der Minister einer Pression des Radauantisemitismus nachgegeben, ist diese Verfügung allerdings vom Standpunkt aller Nichtantisemiten recht inopportun und darum zu bedauern. Berlin, 21. März. Heute starb eines der angesehensten und geachtesten Mitglieder der hiesigen Gemeinde, dessen Name in den weitesten Kreisen des besten Rufes sich erfreute. Herr Commerztenrath Jacob Israel ist ttefbetrauert von dem großen Kreis seiner Bekannten und Freunde im Alter von 71 Jahren in ein bksteres Jenseits abberufen worden. Ein pflichttreuer und gewissenhafter Mensch und Jude, ein überzeugungsvoller Anhänger der väterlichen Religion übte er im großen Maße Wohlthätigkeit; davon zeugen die vielen Stiftungen, die seinen Namen tragen und in deren Verwaltungen er eine außergewöhnliche Thättgkeit entfaltete. Das von seinem Vater vor 90 Jahren gegründete Geschäft entwickelte sich unter seiner Leitung zu einer Weltfirma und zählt zu den größten Handelshäusern Berlins. 1858 verheiratete er sich mit