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Der Israelit · 1894-03-29 · Heft 26 (29.3.1894) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 26 (29.3.1894)
Date
1894-03-29
Page
– (sequence 1)
Language
German
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C^"' f h J^- XXXV. Jahrgang. fMS«. Der Israelit. Ein Aentrat-Hrgan für das orthodoxe Iudenlhum. Begründet von Dr. Seemann in Mainz. Donnerstag, den 29. März 5654 (1894). Da mit dem 1. April 1894 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die geehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu machen, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1894 eingetragen unter Nr. 3304. Leitender Artikel. Wie Kann der überhandnehmenden SavbatentweihMg Ginhall geboten werden? Mainz, 26. März. Es ist wohl kaum Einer unter den Lesern dieser Blätter, der nicht schon auf die vorwurfsvolle Frage, die er an einen oder den anderen Bekannten richtete, warum er seine Söhne am heiligen Sabbat arbeiten laste, die trostlose Antwort erhielt: „Was soll ich machen, ich habe mich Jahre lang für meine Kinder nach Stellen umgesehen, in denen sie den Sabbat halten könnten, und als ich, trotz aller Mühe, keine finden konnte, mußte ich, wenn auch mit größtem Herzeleid, mich in das Unvermeidliche fügen." Der wahrhaft fromme Mann, der eine derartige Antwort erhält, entgegnet meistens nicht, sondern bricht mit einem Achselzucken das Gespräch ab. Was könnte er ihm auch sagen? Weiß er doch nur zu gut. daß auch die schönste und eindringlichste Rede über die Heiligkeit und Unverletzlichkeit des Sabbats auf den durch den Kampf um's Dasein gegen die ersten Religtonsvorschriften so gleichgiltig gewordenen Geschäftsmann nicht den allergeringsten Eindruck machen würde; weiß er doch, daß die Sorge um die Nothdurft des Lebens das Herz des Menschen besticht und daß Bestechung die Sehenden blendet und die gerechten Worte verkehrt. Etwas Anderes ist es, wenn man einem solchem Manne in knappen Worten eine Antwort geben kann, die auch vom rein materiellen Standpunkte nicht unbefriedigt läßt. Wir glauben ein Mittel gefunden zu haben, das dem entsetzlichen Zustande einen kräftigen Damm entgegensetzen dürfte und zwar durch die Errichtung einer Versicherungskirffe für stellenlose, Saööat feiernde Kandlnngsgestilfen. Man entgegne uns nicht, daß solche Kasten Mißbräuchen aller Art auSgesetzt find, da man diesen durch sorgfältig ausgearbeitete Statuten leicht entgegentreten könnte. Man sage uns auch nicht, daß wir ein neues Attentat auf den ohnedies schon so sehr geschröpften Geldbeutel des gesetzestreuen Juden planen. Wir möchten im Gegenthetl von vornherein jede Betheiligung der Wohlthätigkett ausschließen. Soll die Sache in sich gesund werden und von dauerndem Bestände sein, so muß sie unabhängig von sporadischen, willkürlichen Gaben, aus den Beiträgen der Mitglieder existiren können. Damit soll selbstredend nicht gesagt sein, daß hochherzige, thorabegeisterte Männer, die auf den Höhen des Lebens stehen, nicht zu einem Fond größere Summen dedtciren mögen, damit die Reservekaffen für die Zeit der Krisen genügend gefüllt sind, aber Pressionen auf die mittleren Stände und die Organisation von regelmäßigen Beitelreisen müssen vermieden werden. Jeder in Stellung befindliche Commis, dem die Furcht über dem Haupte schwebt, einmal außer Stellung zu gerathen, wird schon von selbst seine Beiträge in die Kaste pünktlich zahlen; denn zu den Kosten, welche durch den Gehalt gedeckt werden müssen, gehört auch der Unterhalt bei Arbeitslosigkeit. Die anderen guten Folgen, die die Begründung einer derartigen Kasse haben dürste, wie die Der-

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