Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 24-25 (22.3.1894)
- Date
- 1894-03-22
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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monialgesetz und einzelnen Vorschriften rabbinischer Casuistik gebrochen hatten. Die Bliithe der modernen europäischen Civilisation stellte sich mit ihrer geistigen Macht und Schaffenskraft in den Dienst der Zionsfreunde. Bis dahin hatte sie abseits gestanden von der grossen Masse der russischen -Juden, ja ihnen gegenüber sich vielleicht feindselig verhalten, und war wohl auch ebenso von der anderen Seite behandelt worden, und wenn sie nicht zum Christenthum übergetreten war, so war es nur geschehen, entweder ihres Atheismus wegen, oder weil sie aus einem gewissen Grunde das Renegatenthum scheuten. Bis dahin aber war ein Theil dieser Intelligenz thöricht genug gewesen, in dem russischen Bauern den Ausbund und die Verkörperung aller Tugend zu erblicken, in ihm den toleranten, edlen Menschenfreund zu verehren, dessen Bruderliebe auch den jüdischen Nebenmenschen umfasse, und die auch ihm in Russland die Theilnahme an allen politischen Rechten, an allen nationalen Gütern gern einräumen würden, hätten sie nur die Macht hierzu, stände ihnen nur die Regierung nicht im Wege. Hauptsächlich aus diesen Gründen hatten sich zahlreiche jüdische junge Leute, und gerade-die besten und intelligentesten unter ihnen, der Strömung angeschlossen, welche ihre christlichen Altersgenossen erfasst hatte; sie hatten sich kopfüber in den Strudel der nihilistischen Bewegung gestürzt, in einen wüthenden Kampf gegen die Regierung, um ihr zu gleicher Zeit für Iwan und Israel Recht und Freiheit abzuringen Den Erfolg keimt man, unter ihm leiden jetzt unzählige Tausende im tiefsten Elend. Die Regierung nahm die nihilistische Bewegung zum Vorwände, um eine allgemeine JudenbedrückuDg und Judenverfolgung zu insceniren; die grosse Masse der jüdischen Bevölkerung, die in politischen Dingen der Stellungnahme entbehrte oder hochkonservativ gesinnt war, musste biissen, was einige Heissj sporne ihrer Glaubensgemeinschaft gesündigt hatten, obwohl dieselben nur noch ganz ausseri lieh mit ihr zusammenhingen und Wege wandelten, welche völlig abseits lagen von den Pfaden, welche! das Juden thum einzuschlagen vorschreibt. Dieses zuletzt charakterisirte Element in der jüdischen Volksmasse möchten wir das kosmopolitische nennen. Es gab aber daneben noch eine zweite Richtung innerhalb des jüdischen Volkes in Ost-Europa. Die Anhänger derselben konnte man, gleich den Bekennern der Orthodoxie, überall in den Synagogen und Lehrhäusern treffen, sie besuchten dieselben aber nicht, um religiösen Gefühlen^oder wissenschaftlichen Neigungen zu entsprechen, sondern sie traten hier auf als „der Geist, der stets verneint“, und ihr Wirken war von den verheerendsten Folgen begleitet. Sie verlegten sich darauf, die Orthodoxie zu bekämpfen, religiöse Reformen anzustreben und damit zugleich in den grossen Massen das Gefühl der Autorität zu erschüttern, welches diese bisher ihren legitimen Führern, den Rabbinern, entgegen gebracht hatten. Allenthalben in Westeuropa mag man über die Reformbedürftigkeit des jüdischen Ceremonials und der jüdischen Synagoge discutiren können, für Russland aber ist dieses Thema indiscutabel; macht man hier den einfachen Mann aus dem Volke seinem Rabbiner abspenstig, dann beraubt man ihn zugleich seines äusseren und inneren Haltes. Wie mit einem Schlage aber änderte sich dies Alles, als die „Judenkrawalle“ von 1892 ausbrachen! Wie wenn sie einer Zauberformel gehorchten, traten nun jene beiden Parteien der mit moderner Bildung vertrauten und erfüllten Juden ihren orthodoxen Stammesgenossen zur Seite. Jetzt mussten die jüdischen Kosmopoliten, die für den russischen Bauer und dessen Freiheit gekämpft und gestritten hatten, erfahren, dass der russische „Barfüssler“, der niedrigste Pöbel in ihnen nur freche und lästige Eindringlinge erblickte, deren Hilfe man gern entbehrte, j Mit einem Fusstritte wurden sie Alle zusammen gelohnt und heimgeschickt. (Fortsetz, folgt.- Das Land G-ilead. (Aus dem Werke „The Land of Gilead“ von Laurence Oliphant. In’s Deutsche übertragen von 8. Glaser in Jungbunzlau.) (II. Fortsetzung.*) Reichthum des todten Meeres. Gilead insbesondere ist vorzüglich ein Wein- und Oelland; auch ist es wohl zur Seidenzucht geeignet, und in seinen Wäldern gedeihen wild Johannisbrodbäume, Mandel-, *) Siehe Xr. 500. Brustbeer-, Balsam-, Pistazienbäume u. a. in grosser Menge. Alle Früchte Südeuropas, wie Aprikosen, Pfirsiche etc. gedeihen wohl auf den bedeutenderen Anhöhen, wo Englands Obst und Gemüse gezogen werden könnten, während der schnellwachsende Gummibaum mit Vortheil auf