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Der Israelit · 1894-03-22 · Heft 24-25 (22.3.1894) · page 34

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 24-25 (22.3.1894)
Date
1894-03-22
Page
– (sequence 34)
Language
German
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Die Kolonisation Palästinas. Ackerbau in Palästina. (VI. Fortsetzung.*) -of4—O« Es ist eine Art Gegenleistung sogar; denn gerade der bei den Einzelnen unserer Glaubensgenossen angeliäufte Reichthum, die ..jüdische Kapitalsherrschaft'4 ist es ja, welche den Antisemitismus zu seinen wüthenden Angriffen aufreizt, und unter diesen Angriffen eben haben die Armen nicht minder, ja erheblich mehr zu leiden, als Jene, die doch eigentlich die Ursache davon sind. Hier, wie überall, bewährt sich der Ausspruch der alten Rabbiner, dass in Israel Einer solidarisch für den Anderen hafte. Die That des Einzelnen lässt sich nicht, und wenn er auch ein Millionär ist, loslösen von dem Gesammt-Judenthume, sie ist eineaRegung des jüdischen Volkskörpers, ganz so, wie sich etwa in einer Handbewegung das j Leben^i des ^ganzen Menschenkörpers äussert. Diese Vorstellung von solidarischer, gegenseitiger Haftung war! ja auch das leitende Princip, auf dem di % ^Alliance Isr achte sich aufgebaut hat, indem sie den Spruch selbst zu ihrem Motto erhob. Und so wollen auch wir die mächtige Förderung, welche ein jüdischer Millionär der Kolonisation Palästinas hat zu Theil werden lassen, eben als eine That des gesammten Judenthums ansehen, an welcher Jener selbst als prwms int er parcs Theil nimmt, als erster und bedeutendster Zionsfreund. Doch kehren wir nun zu den russischen Juden zurück, so begegnen wir hier einer grossen geistigen Bewegung, deren Resultat die Entstehung des Vereins zur Unterstützung der jüdischen Kolonisten in Palästina ist. Die Mitglieder dieses Vereins nannten sich selbst „Chowawe-Zion“, d. h. Zi onsfreunde. Sie beschränkten sich nicht auf die nächstliegen de, praktische Aufgabe, Beiträge zu sammeln, sie erkannten vielmehr, dass es unerlässlich sei, dauernde Organisationen zu schaffen. Und so riefen sie;im Wege der regsten Agitation eine wohlgeordnete, mächtige Partei im Judenthume selbst in’s Heben, eine Partei mit einem vollständigen politischen und socialen Programm von einer Präcision, wie andere Parteiprogramme sie nur selten aufzuweisen haben. Doch wolle man uns nicht missverstehen! Nur in Bezug auf das Verhältnis zu den Juden Westeuropas *) 8. Nr. 506. können wir zum besseren Verständnis von einer Partei sprechen. In Westeuropa ist ja die Idee der Kolonisation Palästinas, soweit sie überhaupt gekannt ist, Gegenstand der zahlreichsten Angriffe, sie ist angefeindet gerade von den einflussreichsten, von den gesellschaftlich am höchsten stehenden Juden. Anders ist es eben unter den sieben Millionen Juden Russlands, Galiziens und Rumänien s der Fall. Wenn wir hier von geringen Ausnahmen absehen, welche eine Handvoll unverbesserlicher Nihilisten und ein paar allen Idealen unzugänglicher, philiströser Geldprotzen bilden, wenn wir von diesen Wenigen absehen, so kann man von einer Gegnerschaft, auf welche die Zionsfreunde in Russland stossen könnten, überhaupt nicht mehr sprechen. Und in diesem Sinne Hesse sich auch von einer Partei nicht reden, da der Begriff Partei immer das Dasein einer Gegenpartei voraussetzt; der Ausdruck ist nur berechtigt, wenn man das gesummte Judenthum vor Augen hat. In Ras sland aber ging die Palästina - Bewegung in immer höheren Wogen und erlangte allmählich die Bedeutung einer national-jüdischen Bewegung. Männer der verschiedenartigsten Lebensstellung, Männer, die sich sonst mit ihrer ganzen Weltanschauung auf das Schroffste gegenüber standen, wurden von dieser Bewegung unterschiedslos ergriffen und mit fortgerissen. Nicht Arm, nicht Reich, nicht Jung, nicht Alt, nicht Hoch, nicht Niedrig konnte dem mächtigen Wellenschläge Widerstand leisten. Ob in der Brust des Einzelnen noch der altväterliche Glaube sich erhalten, oder ob er dort schon längst erstorben war. ein Gefühl lebte mächtig in eines Jeden Busen, das war die Liebe zu Israel selbst und seinem Lande. Die gläubige Masse hatte bereits ihrer schwärmerischen Anhänglichkeit an die alten Traditionen und das Land, an welches sich diese knüpfen, Ausdruck gegeben durch regellose Spenden zu Gunsten der jüdischen Bevölkerung der vier palästinischen Städte. Nun gesellte sich hierzu noch als werthvoller Bundesgenosse die Intelligenz und Weltertahrung der dem orthodoxen Judenthume bereits abtrünnig Gewordenen, unterschiedslos, ob sie schon zum Atheismus übergegangen waren, oder nur mit dem Gere- I

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