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Der Israelit · 1894-03-22 · Heft 24-25 (22.3.1894) · page 36

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 24-25 (22.3.1894)
Date
1894-03-22
Page
– (sequence 36)
Language
German
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72 " :’ ' ' '' ’ " den fruchtbaren, doch baumleeren Ebenen ge- { pflanzt werden könnte. Es ist nicht nur die Verschiedenheit des Bodens und Klimas, die auf dieser kleinen Fläche gedrängt Vorkommen, die in landwirtschaftlicher Beziehung ungemein günstig sich erweisen, sondern selbst die Beschränkung des todlen Meeres auf seine Grenzen würde eine reiche Quelle des Wohlstandes gewähren durch Ausbeutung seiner chemischen und mineralischen Ablagerungen. Das Erträgniss an Kaliumchlorsalz, wovon 200,000 Tonnen jährlich in England verbraucht werden, ist in der That unerschöpflich. (Eine Concession wurde einst von einer französischen Gesellschaft zur Ausbeutung des todten Meeres erlangt, doch ist sie seitdem verfallen.) An seinen Ufern können Petroleum, Asphalt und andere Brennstoffe in grosser Menge gewonnen werden. Es unterliegt in der That keinem Zweifel, dass das Todte Meer ein Schacht unentdeckter Schätze ist, die nur Kapital und Unternehmungsgeist erfordern, um den grössten Wohlstand zu sichern. Die beiden Hauptbedingungen zur Entwickelung der landwirtschaftlichen und mineralischen Ergebnisse in jenem Landstrich, den ich zur Kolonisation vorschlage, sind genügende und billige Arbeitskraft und bequemer Transport zur Seeküste. Was das erste betrifft, könnte Arbeitskraft auf vierfache Weise gewonnen werden. Erstens durch die sesshaften arabischen Stämme, die das Land bisher für die Beni Sukhr bebauten, und die bereit wären, dieselbe Arbeit unter günstigeren Bedingungen für ausgewanderte Farmer und Kapitalisten zu leisten. Zweitens durch die Fellahs in Palästina, östlich vom Jordan, die schaarenweise herüberkämen, um Beschäftigung zu finden, und unter einer gerechten und milden Regierung zu leben. Bauern könnten die Kolonie in einem, zwei oder höchstens drei Tagen aus Palästina erreichen. Diejenigen, die diese Klasse der Bevölkerung am besten kennen, ergehen sich in den höchsten Lobsprüchen über ihre Leistungsfähigkeit in der Landwirtschaft. Mrs. Finn sagt in einem unlängst vom Palästina-Erforschungsfond veröffentlichten Schreiben: „Der Fellah ist im Stande, sowohl als Soldat, als auch als Bebauer oder Erbauer gute Dienste zu leisten; wir fanden, dass sie sehr gute Landwirte und Baumeister waren“. Kapitän Warren spricht sehr begeistert von den Fellahs, die unter seinem Befehl beim Schachtengraben, Strassenbau und Ausgrabungen in Jerusalem tätig waren. Lieut. Conder, zuletzt im Palästina-Erforschungsdienst, empfiehlt in einer Serie interessanter Artikel, die er dem „Jewish Chronicle“ einverleibt, aufs Wärmste die Einrichtung einer jüdischen Ansiedelung in Palästina und die Benützung der Fellah-Arbeit. Da ihn seine Pflichten nicht nach dem Osten des Jordans führten, hatte er keine Gelegenheit, die unbestreitbaren Vorzüge dieser Gegend über die von ihm vorgeschlagenen Anhöhen jenseits des Berges Karmel anzuerkennen. Ich besuchte später diese Nachbarschaft und fand, dass hier zu viel ansässige Bevölkerung und zu wenig unbebautes Land war. Sogar von Westpalästina, wo sowohl Boden als Klima weit ungünstiger sind als in G i 1 e a d und Mo ab, sagt er: „Die Hügel könnten mit Wein bedeckt sein, die Thäler von Oel überfliessen, die Ebenen könnten gelb von Getreide und die Hafen voll Schiffe sein, wenn der gierige Pascha und die Gesetzlosigkeit nicht wären. Bei der Aufstellung des Kolonisationsprincips“, so fährt er fort, „handelt es sich nicht um Aufhebung der heimischen Arbeit, sondern um ihre Unterordnung einer veredelnden Aufsicht. Die Landbevölkerung ist energisch und stark, von ungemeiner Ausdauer, dem Klima angepasst, mässig, gutmüthig und gelehrig. Sie sind gewohnt, ihren Häuptlingen und Aeltesten zu gehorchen, und wenn sie welche Aussicht auf gute Behandlung und gerechtes Steuerausmass haben, sind sie im Stande, sehr schwer zu arbeiten, wie häufige Beispiele beweisen. Sie sind ein sehr bildungsfähiges Volk, ihre Fehler sind nur jene eines unterdrückten Volkes, und ihre natürliche Behändigkeit und Auffassung würde sie in den Stand setzen, die verbesserte europäische landwirtschaftliche Methode zu begreifen, wenn sie ihnen allmählich und nicht gewaltsam beigebracht werden würde.“ Mr. Conder bemerkt ferner: „Durch den Umgang mit den Fellah’s hätten die jüdischen Ansiedler einen grossen Vortheil, sie würden wahrscheinlich leicht ihre Sprache erlernen, denn ihr jetziger Dialekt ist dem Aramäischen und Chaldäischen nahe verwandt, welches bekanntlich bis zum vierten Jahrhundert in Palästina gesprochen wurde, und welches der Talmud die Sprache der Ignoranten nennt.“ (Fortsetzung folgt.) An die wohllöbl. Vorstände der israelitischen Cnltusgemeinden! Ist der Üothstand unserer Brüder im heiligen Lande das ganze Jahr hindurch ein sehr beklagenswerther, so steigert sich derselbe noch bedeutend beim Herannahen des P essach-Fes tes. Um Veranstalten von besonderen Sammlungen zum Beschaffen von niäD und anderer Lebensmittel zur unnn pilfür die Nothleidenden im Lande der Vater bittet darum innigst Dr, A. Salvendi. Druck der ,Toh. Wirt buchen Hofbuchdruftkerei, A ct.i en-Gesel 1 schaff, Mainz.

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