Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 24-25 (22.3.1894)
- Date
- 1894-03-22
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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457 Er tadelt in dieser Beziehung den verhältnißmäßig schwachen Besuch der Versammlung. Marx-Alsheim schließt sich diesen Ausführungen an. Als Zeichen, wie nothwendig es fei, daß die Lehrer unablässig für eine Verbesserung ihrer Lage kämpften, bringt er einen Vertrag, den ein Lehrer mit einer Gemeinde abgeschlossen habe und der entwürdigend für beide Theile sei, zur Vorlesung. Es müsse dahinkommen, daß kein Mitglied bei der Conferenz fehle. Der Cassier Salomon-Svrendlingen erstattet hierauf über den Stand der Casse Bericht. Derselbe sei zwar verhältnißmäßig günstig, doch sei zu bedauern, daß die Mitgltederbetträge nicht pünktlicher eingehen. Seitens der Versammlung wird ihm Decharge ertheilt. Der Vorsitzende ertheilt hierauf das Wort Scheuer - Groß - Umstadt zu seinem Referate: „Wie soll der Unterricht im Gebetübersetzen beschaffen sein." Referent führt zunächst aus, daß im Gegensatz zu früheren Zetten die hebräische Sprache dem Juden fremd geworden; dadurch sei der Unterricht im Gebetübersetzen bedeutend erschwert, so daß man sogar an manchen Orten dazu übergegangen sei, das hebr. Gebet theilweise durch deutsche Gebete zu ersetzen. Ref. hält es demgegenüber wohl für möglich, während der Schulzeit die ganze n^sn unverkürzt dem Kinde beizubrtngen. Was die Methode anbelangt, so redete er einem ziemlich mechanischen Verfahren das Wort, doch solle der Unterricht durch Verbindung mit Grammatik und systematischer Religionslehre interessant gemacht werden. Der Lehrer müsse das Kind auf die Schönheit und Erhabenheit der hebr. Sprache aufmerksam machen, dadurch werde Liebe zu derselben und zu der jüd. Religion überhaupt erzielt. Bei der nun entstehenden Debatte stellt es sich heraus, daß die Ansichten über die Methode des hebr. Unterrichts weit ausetnandergehen. Weinberg-Odernheim und Marx-Alsheim tadeln zunächst die Ausfälle des Ref. gegen Orgelklanq und Chorgesang; letzterer tadelt ferner die Verfrühung des hebr. Unterrichts, welcher Ref. das Wort rede. Ehrmann-Friedberg wendet sich gegen das allzu mechanische Verfahren, welches der Ref. im Gebetübersetzen angewendet wissen will; dasselbe verdiene nicht den Namen einer Methode. Ebensowenig fei er einverstanden mit der Empfehlung der Japhet'schen rfcen und mit der hohen Bedeutung, die in dem Referate der sogenannten jüdisch-deutschen Schrift beigelegt werde. Direktor Dr. Barnaß-Pfungstadt hält im Gegensatz zu dem Referenten den Unterricht im Pentateuch für wichtiger, als den im Gebetübersetzen; der Inhalt des Pentateuch stehe dem kindlichen Geiste näher als die Gebete und er sei ja die Grundlage der ganzen jüd. Religion. Ebenso erklärt er sich gegen eine Verbindung des Gebetübersetzens mit der systematischen Religionslehre. Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt Offenbach verlangt vor allem, daß das Kind so geläufig lesen lerne, daß es dem Gottesdienst folgen könne, das sei keine geringe Leistung. Was die Methode des Gebetübersetzens anbelangt, so müsse man sich vor allem der Schwierigkeiten bewußt werden, die dieselbe bietet. Unsere r6en sei kein Schulbuch, sie biete sowohl in Bezug auf den Inhalt, als auch in Bezug auf die Sprachformen der Schwierigkeiten zu viele. Besonders seien die Grundsätze: Nichts verfrühen, von Leichtem zum Schweren nicht berücksichtigt, die vielen Wiederholungen ermüden außerdem das Kind. Er habe deßhalb versucht, in einem Lehrbuch. Trons genannt, die sprachlichen Schwierigkeiten der nben zu vermeiden, den Inhalt derselben kurz wiederzugeben. Er legt das Werkchen der Versammlung in mehreren Exemplaren zur Einsicht vor. Oppenheimer-Gimbsheim und Oppenheimer-Darmstadt halten es beide für unmöglich, selbst beim besten Willen den Inhalt der ganzen nVen durchzunehmen; letzterer schlägt deßhalb Einführung von Jugendgottesdiensten vor. Marx-Alsheim beantragt, da eine Einigung über die Methode des Gebetübersetzens doch nicht zu erzielen sei, den Schluß der Debatte. Die Thesen des Referenten werden abgelehnt. Es erhielt hierauf das Wort Salomon-Sprendlingen zu seinem Referate: „Die soziale Stellung des Lehrers und wie kann er in derselben zur sittlichen Hebung seiner Gemeinde beitragen." Ref. unterzieht das Verhältniß des jüd. Lehrers zu seiner Gemeinde, zu dem Vorstande, dem Rabbiner und zu den Kollegen einer sehr eingehenden Betrachtung. Er fordert, daß der Lehrer sich durch große Pflichttreue auszeichne, daß er mehr leiste, als das, wozu er cvntractmäßig verpflichtet sei. Er sei vorsichtig im Benehmen, nehme sich mit warmer Liebe der Armen und Hilflosen an, sei stets bestrebt, den Frieden in seiner Gemeinde zu erhalten. In seiner Schule gestatte er sich keine Etgenthümltchkeiten und nehme dort keine fremde Thätigkeit vor; er lehre nicht blos Religion, sondern er lebe sie auch vor. Am traurigsten sei das Verhältniß des Lehrers zu dem Vorstand, da er hilflos der Willkür deffelben preisgegeben sei. Der Lehrer könne dann bestehen, wenn er seine Selbstständigkeit zu wahren wiffe und keine Unterstützung annehme. Referent verlangt ferner Fachaufsicht; er erkennt zwar den Rabb. als die geetgneste Persönlichkeit, den Religionsunterricht zu überwachen an, bedauert aber dabei, daß nur so wenige jüd. Geistliche durch ihre