Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 24-25 (22.3.1894)
- Date
- 1894-03-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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440 ^»WWWWWYWWWWWW r (15,1 pro Mille) und Waldeck (13,2 pro Mille) übertroffen wird. Wenn die Israeliten in der städtischen Bevölkerung allein 26,25 pro Mille in der ländlichen dagegen nur 3,45 pro Mille bilden, so stebt dies in natürlichen Zusammenhang mit ihrer Vertheilung auf die verschiedenen Berufsclaffen und mit ihrer geringen Betheiligung bet der Landwirthfchaft. Eine starke Zunahme der Israeliten ist in vielen Großstädten zu bemerken, namentlich an wichtigeren Handelsplätzen, und zwar nicht sowohl durch den Ueberschuß der Geburten über die Sterbkfälle, sondern durch Zuzug aus den kleineren Landstädten und vom platten Lande her. So hatte Berlin t. I. 1871 36,021, i. I. 1890 79,286 Juden, Breslau i. I. 1871 13,916, i. I. 1890 17,754, Köln 3607 bezw. 6859, Frankfurt a. M. 10,009 bezw. 17,426, Hannover 1936 bezw. 3933 u. s. w. In jüngster Zeit, seit 1880, hat die Zahl der Israeliten langsamer zugenommen. DaS ist auch im Deutschen Reiche beobachtet worden: 1880 zählten die Israeliten noch 12,4 pro Mille der Gesammtbevölkerung, 1890 nur 11,5. Seit Anfang dieses Jahrhunderts stellte sich die Sache wie folgt: 1811 nur 7.30 pro MtÜe, 1821 schon 12,35 pro Mille, 1840 — 13.03 pro Mille, 1861 (die höchste Verhältnißzahl) 13,58 pro Mille, 1880 — 13.34 pro Mille, 1890 — 12.42 pro Mille. In absoluten Zahlen betrug das Wachsthum in den genannten Jahren 32.617 — 141,755 — 194,558 — 251,14» 363,790 — 372,059 Seelen. Der starke Wechsel in der israelitischen Bevölkerung in den einzelnen Regierungsbezirken läßt folgern, daß die Israeliten ihren Wohnsitz verhältnißmäßig oft verlegen. In den einen Bezirken ist die israelitische Bevölkerung zurückgegangen, in den anderen hat sie fortgesetzt zugenommen, und namentlich waren die in diesen Bezirken liegenden Großstädte das Ziel der aus den östlichen Landesthetlen fortgezogenen Elemente. Zeitrrngsnachrichteu und Corresporrderrzerr. Deutschland. Mainz, 21. März. Gelegentlich des soeben erfolgten Htnscheidens Kossuth's möchten wir an eine Unterredung erinnern, welche der Herausgeber dieser Zeitung kurz nach Beendigung des Tisza- Eszlar-Prozefses (1883) mit dem großen Ungaren zu pflegen die Ehre hatte. Koffuth sagte damals zu mir wörtlich: „Wenn die Herren nur von den Juden lernen möchten, aber dazu braucht es Zeit. In 24 Stunden geht das nicht. Ich glaubte, als ich von den ersten Excessen hörte, daß die weiteren Pläne der Hetzer an dem gesunden Sinn meiner Landsleute scheitern würden. Denn schon müssen sie die Folgen ihres thörtchten Beginnens tragen. Der Credit des Landes ist stark geschädigt und im Zalaer Comitat haben die Bauern, wie ich höre, ihre Waaren vergebens zu Markte gebracht, sie konnten keine Abnehmer finden. Die Juden haben sich um das Emporblühen Ungarns unendliche Verdienste erworben, und sie aus der Liste der^magyartschen Bürger streichen, hieße den Handel und die Industrie des Landes mit Gewalt vernichten." Königsdorff - Jastrzemb. Dem vierten Jahresbericht über die Israelitische Kinderheilstätte im Soolbade (Verwaltung zu Gleiwitz) für das Jahr 1893 entnehmen wir: Die israelitische Kinderheilstätte im Soolbade Königsdorff-Jastrzemb, die seit den vier Jahren ihres Bestehens in fortschreitender zielbewußter Weise eine immer erhöhte segensreiche Wirksamkeit entfaltet, kann auch auf das vergangene Jahr mit Genugthuung und Befriedigung zurückblicken. Die beiden festen Säulen, göttliche Hilfe und werkthätige Menschenliebe, haben das gemeinnützige Unternehmen in den Stürmen und Kämpfen der wechselvoüen Zeiten sicher getragen und es an Kraft und Segensfülle zunehmen lassen. Unsere Anstalt ist darum auch in dem zurückgelegten Jahre für die Nahen und die Fernen eine Quelle von Wohlthaten geworden. Am 14. Mat des vergangenen Frübjahrs wurde unser Haus zur Aufnahme der Pfleglinge geöffnet. Die erziehliche Aufsicht und Pflege der Kinder wurde einer dazu geeigneten jüdischen Dame, die mit leidenden Kindern umzugehen verstand, übergeben. Küche und Wirthschaft wurde in unserem Hause selbst von einer zuverläfftgen Persönlichkeit nach ärztlicher Vorschrift geführt. Außerdem verfügte die Anstalt über ausreichendes Wärter- und Hilfspersonal. Jnsgesammt hat die Anstalt in der zurückgeleqten Saison 72 Kinder aus den verschiedensten Ortschaften, und zwar 30 Knaben und 42 Mädchen, in vier auf einander folgenden Serien beherbergt. Nach ihrer Heimath entstammen die Kinder aus den Provinzen Schlesien, Posen, Brandenburg und dem Königreich Sachsen. 23 Kindern wurde ganz unentgeltliche Aufnahme (Freistellen) gewährt; 27 wurden gegen Zahlung der Selbstkosten (halbe Freistellen), und 22 gegen Entrichtung eines Satzes, der annäherungsweise den Selbstkosten gleich kam, ausgenommen. In diesen Zahlen spricht sich so recht die hervorragende Gemeinnützigkeit des Werkes aus. Nicht armen Kindern allein läßt die Anstalt ihre Wohlthaten zu Thetl werden, indem sie dieselben ganz unentgeldltch aufnimmt: ihre Segnungen erstrecken sich auch auf mehr oder weniger bemittelte Kinder, die gegen einen je nach den Verhältnissen bemessenen Zuschuß Aufnahme finden.