Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 24-25 (22.3.1894)
- Date
- 1894-03-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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486 Verhältnisse liegen, kaum Aussicht auf Erfolg haben. Schweiz. Dietzeuhofe«. Durch das Schächtverbot sind die hiesigen Metzger beträchtlich in ihren Jntereffen geschädigt, indem die Israeliten Gailingens und von auswärts gern ein paar Rappen mehr für das Kllo Fleisch, das hier in befferer Qualität zu haben war. bezahlten, als dasselbe von den israelitischen Metzgern in Gailingen zu beziehen. Ein Gesuch der hiesigen Metzger, nun in Gailingen schächten zu dürfen und das Fleisch zurückzunehmen, ist, wie wir vernehmen, in der Gemeinde auf heftigen Widerstand gestoßen und wird voraussichtlich höhern Orts entschieden werden müssen. Aber nicht nur für den Metzger, sondern auch für die Landwirthschaft der Umgegend wird die Neuerung erheblichen Nachthetl bringen, indem der Fleischverbrauch hier bisher ein sehr erheblicher war. Rußland. Petersburg, 16. März. Aus den Darlegungen der russischen Konsuln im Auslande und den Klagen vieler ausländischen Juden hat das Ministerium des Innern ersehen, daß die lokalen Polizeibehörden die nach Rußland kommenden ausländischen Juden trotz ihrer von den russischen diplomatischen Behörden im Auslande vistrten Pässen ausweisen, falls auf dem Dokumente nicht die Genehmigung des Ministers des Innern für die Reise nach Rußland vermerkt ist. Der Minister des Innern hat nun die Gouverneure durch Rundschreiben aufgesordert, den Polizeibehörden zu eröffnen, daß den Gesandten, Missionen und Konsulaten Rußlands anyeimgestellt ist, einer bestimmten Kategorie von Juden die Pässe nach Rußland nach eigenem Ermessen ohne die Genehmigung des Ministers des Innern zu visiren; überhaupt sei die Forderung der Polizeibehörden, daß auf dem vistrten Paß die Genehmigung des Ministeriums des Innern zu verzeichnen sei, unbegründet, da das Ministerium des Innern in den nöthigen Fällen den Konsulaten die Genehmigung zum Visiren des Passes direkt mitthetle und die Konsulate wohl über jedes derartige Visum dem Ministerium des Innern Mtttheilung machten, jedoch nicht verpflichtet wären, auf dem Paß zu vermerken, ob das Visum nach eigenem Ermessen der Konsulate oder mit Genehmigung des Ministeriums des Innern erfolgt sei. > Vermischtes. -4- London, 23. Febr. Hiesige jüdische Menschenfreunde beabsichtigen, für ihre armen GlaubenSgenosien eine Anstalt im Ostende der Stadt zur geistigen und sittlichen Hebung derselben zu gründen. Da- Muster soll die „ll'vMbee Hall“ geben, welche mit ihren Vorlesungen, Konzerten, Lesesälen rc. viel dazu beigetragen hat, den englischen Arbeiter aus verwildernder Umgebung zu reißen. Nur darin wird das tunt Institut von seinem Vorbilde abweichen, daß die Leitung Laien und nicht der Geistlichkeit anvertraut werden soll. ES soll in erster Linie das Streben sein, die vom Osten Europas eingewanderten Juden zu guten englischen Bürgern zu machen. Die jüngere Generation soll angehalten werden, sich anstatt des „Jüddiseh“ der Landessprache zu bedienen. Feuilleton. Im Mahne des Glücks. (Schluß.) Als Südländer von München nicht zurückkehrte, als auch keine Briefe und keine Nachricht von ihm eintrafen, da war Berkheim ängstlich geworden; er depeschirte ein über das andere Mal an den Professor. Er telegraphirte an einen Bekannten in München, er möchte sich umsehen, was mit dem Professor geschehen sei. Von diesem erhielt er die Nachricht von der plötzlich eingetretenen, schweren Erkrankung Südländers, und sofort eilte Berkheim nach München, um sich selbst von dem Zustande seines künftigen Schwiegersohns zu überzeugen. Er fand Südländer noch nicht bet Bewußtsein; derselbe erkannte ihn nicht einmal. So war denn der Bankier vollständig auf das angewiesen, was ihm die Wirthin des Professors zu sagen vermochte. Und diese erzählte dann, er habe einen Brief bekommen, der ihn so sehr erregt hätte, daß er krank geworden sei. Ob sie den Brief noch habe, fragte der Bankier. Er sei ein sehr naher Verwandter des Professors, er müsse wissen, was hier vorgegangen wäre. Sie übergab das Schreiben und nachdem er das gelesen, sank der Mann schluchzend und weinend an dem Bette des Professors nieder. Das hatte er ja immer befürchtet, daß etwas Derartiges eintreten müsse. Das war die Strafe dafür gewesen, daß er dem Professor all diese Dinge verheimlicht hatte; durch seine Schuld war dieser edle, herrliche Mensch bis in das Innerste seine» Lebensmarkes getroffen worden; seine Schuld war es nun, wenn er- Ach, der Arzt hatte ja ein so bedenkliches Gesicht gemacht und sich nicht darüber ausgesprochen, was zu erwarten wäre. Bankier Berkheim schickte jenen Brief Feodoras an diese zurück; er schrieb kein Wort dazu; seiner Frau aber theilte er mit, in welch gefährlicher Lage sich Südländer befand und wie es Feodoras Schuld sei, daß dies eingetreten. Einen Tag später erhielt er ein Telegramm, worin ihn Helene bat, ob er ihr erlaubte, an das