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Der Israelit · 1894-03-22 · Heft 24-25 (22.3.1894) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 24-25 (22.3.1894)
Date
1894-03-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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MWWWW 435 die Absicht, den Saal m verlassen und deshalb den Kopf bedeckt) darauf aufmerksam machte, er befände sich nicht in der Synagoge. Das war das letzte Wort, welches er an die Versammlung richten konnte, denn der Skandal wurde so allgemein, daß der Vorsitzende sich dazu verstehen mußte, die Versammlung zu schließen. Mit dem Gesänge „Deutschland, Deutschland über Alles" verließen die Anwesenden den Saal. Nach diesem Verlauf der Versammlung wird man kaum noch der Ansicht sein können, daß hier in Halberstadt eine Stätte für die Lehre des Antisemitismus vorhanden ist. Schwabach. Dem Rechenschafts-Bericht über die Talmud-Thora Schule (Präparandenschule) in Schwabach von Distrikts-Rabbiner L. Witzmann daselbst pro Januar i8§2 bis Januar 1894, entnehmen wir: Der Gedanke, welcher den Gründern der Anstalt bei deren Entstehung vorgeschwebt, zur Verbreitung von Thorakenntnis verbunden mit anderem Wissen — Thora im Derech Erez — nach Möglichkeit beizutragen, weil nur auf diese Weise gute Charaktere gebildet werden können, die im stände sind, den besonders in unserer Zeit so gefährlichen Lockungen mit Festigkeit zu widerstehen, hat sich zu erfreulicher Wirklichkeit gestaltet. Ist aber eine solche Bildung überhaupt für jeden nicht hoch genug anzuschlagen, um wieviel mehr erst für diejenigen, welche sich dem hohen Beruf der Jugenderziehung widmen, denen wir unser Kostbarstes, unsere Kinder, anvertrauen und von deren Wirken das Gedeihen ganzer Generationen wesentlich beeinflußt wird. Wir haben die Genugthuung, daß die meisten unserer Zöglinge in den verschiedensten Gemeinden als tüchtige Lehrer wirken und daselbst eine ersprießliche Thätigkeit entfalten. Auch bei denjenigen unserer Schüler, die sich einem anderen Berufe zuwandten, hat der Same, der dahier ausgestreut wurde, gute Früchte gezeitigt und wissen auch sie in ihrem Berufe ihrer Religion Rechnung zu tragen. Auch in materieller Beziehung können wir auf befriedigenden Erfolg zurückblicken. Denn es konnten nicht nur allein die bedeutenden laufenden Ausgaben gedeckt, viele Unterstützungen an unbemittelte Zöglinge ertheilt werden, sondern es wurde auch noch das Grundkapital um einige tausend Mark vermehrt. Wohl sind die Zuwendungen und Stiftungen während der verflossenen zwei Jahre geringer und infolge dessen die Einnahmeu gegen früher weniger gewesen, jedoch blieben die einzelnen Spenden gegen die der Vorjahre nicht zurück und in Anbetracht der ungünstigen Zeitverhältnisse ist das Resultat immerhin als ein günstiges zn bezeichnen. Unsere Anstalt wurde während der Zeit dieses Berichts von 24 Zöglingen aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands besucht. Alle haben Unterricht, Logis, Holz und Licht unentgeltlich erhalten und außerdem wurde fast allen eine bedeutende monatliche Unterstützung an Geld gewährt. Wie früher, so hat auch in den letzten Jahren ein Theil der Zöglinge in den Lehrerseminarien zu Würzburg und Cöln, sowie in anderen Lehrerbildungsanstalten Aufnahme gefunden, während andere unserer Schüler nach guter Vorbildung sich verschiedenen Berufsarten zugewendet haben. Unseren Leistungen blieb auch die allgemeine Anerkennung nicht aus, indem uns aus den verschiedensten Gegenden Beiträge zugewendet wurden, nicht selten von sehr schmeichelhaften und ermunternden Schreiben begleitet. Mit schwerem Herzen müssen wir oft die dringendsten Gesuche armer Eltern zurückweisen, einzig aus dem Grund?, weil die Mittel nicht ausreichen, die nöthige Unterstützung zu gewähren. Gewiß würden viele unserer edlen Glaubensgenossen einen größeren Beitrag leisten, wenn sie sich durch einen Einblick in solche Briefe von der traurigen Lage mancher Eltern überzeugen könnten. Es ergeht daher an die ehrwürdigen Herren Rabbiner, an die verehrlichen Herren Cultusvorstände und Herren Lehrer und an alle, denen es mit der religiösen Erziehung unserer Jugend und der Ausbildung unserer Lehrer Ernst ist, die dringende und ergebene Bitte und Aufforderung, unsere Anstalt durch Beiträge, durch Summlungen in den Gemeinden, durch Zuwendung von Stiftungen und Legalen, insbesondere bei ernsten und freudigen Veranlassungen, zu unterstützen, auf daß die Anstalt über ein genügendes Kapital verfügen könne und nicht mehr auf die schwankenden Etnzelbeiträge, die mit Aufwand von unsäglicher Mühe und Zeit aufgebracht werden müssen, angewiesen sei. Eingegangen sind 15570 Mk. die bis auf 4,581 Mk. vorausgabt wurden. Schildberg. Herr Dr. M. L. Bamberger, Sohn des Herrn Distriktsrabbiner Bamberger in Afchaffenburg, wurde zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde und einiger Gemeinden in der Umgegend berufen. Derselbe bat in Darmftadt, Würzburg und Heidelberg studiert. Gelernt hat derselbe zunächst bei seinem Vater und n*nin mnn von den Rabbinen Dr. Breuer, Frankfurt, Marx, Darmstadt, Berlinger, Braunsbach und Wißmann, Schwabach erhalten. Metz, 15. März. In der vorgestrigen Gemeinderathssitzung wurde von dem Gemeinderaths - Mitglied Rechtsanwalt Heyder der Antrag gestellt, den Israeliten das Schächten im hiesigen Schlachthaus zu verbieten. Der Antrag dürfte, wie die

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