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Der Israelit · 1894-03-22 · Heft 24-25 (22.3.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 24-25 (22.3.1894)
Date
1894-03-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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437 Krankenlager Südländers zu eilen, um diesem die nöthige Pflege angedeihen zu laffen. Da der Vater beschlossen habe, selbst in München zu verweilen, bis das Schicksal des Professors entschieden sei, so dürfte er ihr gewiß gestatten unter seiner Aufsicht an der Pflege des Kranken theilzunehmen. Und Berkheim, der längst ahnte, wie es um das Herz seiner ältesten Tochter stand, ertheilte gerne die erbetene Erlaubniß, und Wochen lang waren Vater und Tochter gemeinsam bemüht, das Leben des Professors zu retten und die schwere Schuld zu sühnen, die Feodora auf sich geladen. Auch Frau Berkheim wäre gerne nach München gereist, wenn sie es gewagt hätte, Feodora allein zu laffen; diese aber begann von Neuem ihren Eltern schwere Sorge zu machen. Als Antwort auf den Brief, den ihr der Vater übersandte, schrieb sie diesem in kurzen und dürren Worten, ohne irgend einen Ausdruck des Mitleids oder der Reue, daß sie glücklich wäre, daß durch diesen Zufall ihr Berhältniß zu dem Professor gelöst sei. Längst schon hätte ihr Herz für Ltltenthal entschieden und sie werde keine Einrede ihres Vaters gelten laffen. Sie sei majorenn und habe ihren eignen Willen. Der schwer geprüfte Vater antwortete nicht auf dieses unkindliche und im höchsten Grade verwerfliche Schreiben; er theilte nur seiner Frau mit, daß er Feodora nicht mehr als sein Kind betrachte. Frau Berkheim schwach und thöricht wie sie war, vermochte selbstverständlich nicht, irgend welchen Einfluß auf ihre Tochter auszuüben und so geschah es denn, daß der Bankier nach einigen Tagen die gedruckte Verlobungsanzeige seiner Tochter und Lilienthals empfing. Mittlerer Weile war in dem Befinden Professor Südländers durch die aufopferungsvolle Pflege Helenens eine Wendung zum Besseren eingetreten. Er erkannte sie, er vermochte ihr schon manchmal in inniger Dankbarkeit die Hand zu drücken, aber noch war sein Gemüth verdüstert, noch vermochte er nicht, sich des Gedankens an die zu entledigen, die er einst geliebt. Als er so weit hergestellt war, daß er das Bett verlassen konnte, kehrten der Bankier und seine Tochter nach Hause zurück, denn die Nachricht, die sie von dort empfangen hatten, war wohl im Stande gewesen, die schleunige Rückkehr des Bankiers zu veranlassen. — Wochen vergingen, ehe Südländer erfuhr, was sich in Frankfurt in dem Hause Berkheims zugetragen. Als der Professor so weit hergestellt war, daß er ohne fremde Hilfe wieder sich bewegen konnte, hatte ihm der Arzt einen Aufenthalt im Süden verordnet. Dort war es. wo eines Tages ein deutsches Zeitungsblatt in seine Hände fiel, das eine gar etgenthümltche Nachricht enthielt. Es wurde darin erzählt, daß ein sehr reicher Börsenspekulant zum Erstaunen aller plötzlich verhaftet worden sei. Ein Postbeamter, der sich wegen der Unterschlagung einer Depesche in Untersuchungshaft befand, habe, in ein Kreuzverhör verwickelt, sich verrathen und sehr schwer belastende Dinge gegen den Spekulanten ausgesagt. Schließlich habe er, um seine Strafe zu verringern, ein offenes Geständniß abgelegt. Darnach hatte ihm der Spekulant ein an den russischen Konsul gerichtetes, sehr wichtiges Telegramm entwendet; er habe dies sehr bald bemerkt und dem Spekulanten gedroht, ihn bei der Behörde anzuzeigen. Aber durch Geld habe er sich bestechen laffen, Alles zu verheimlichen und sich so zum Mitschuldigen Lilienthals gemacht. Dieser habe in Folge der Nachricht durch ein gelungenes Börsenmannöver sich in den Besitz vieler Millionen gesetzt. Die interessante Frage, ob das auf diese Weise errungene Geld, Eigenthum des Spekulanten bleiben dürfe, habe das Gericht leider nicht zu entscheiden, da derselbe durch erneute Spekulationen sein ganzes Vermögen wieder verloren habe; zur Zeit, da man ihn verhaftete, sei auch der Bankrott über ihn verhängt worden. Besonders tragisch wäre die Geschichte dadurch, daß der Spekulant mit einem der schönsten Mädchen Frankfurts, Fräulein Feodora B. verlobt gewesen sei. Diese habe die hierdurch üb.r sie heretngebrochene Schmach nicht zu ertragen vermocht und sei plötzlich verschwunden; man vermuthe, daß sie sich ein Leid zugefügt. Sofort als Südländer diese Nachricht gelesen, reiste er nach Frankfurt, um, so weit es bei ihm stand, der so schwer betroffenen Familie Berkheim Trost zu spenden. Als er dort ankam, konnte ihm Berkheim sagen, daß die Dinge, wenn auch schlimm genug, doch nicht so schrecklich sich zugetragen, wie es das Zeitungsblatt dargestellt. Lilienthal war gegen eine hohe Kaution für einige Tage auf freien Fuß gesetzt worden, um, wie er nachgesucht, seine Verhältnisse zu ordnen. Er hatte die Zeit benutzt, um zu entfliehen — und Feodora war ihm gefolgt, das Paar war in Amerika gelandet und noch am Tage der Ankunft wurde die Trauung Beider vollzogen. Schon wenige Tage nach Südländers Ankunft

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