Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 23 (19.3.1894)
- Date
- 1894-03-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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424 weitig, wie er es stets gewohnt gewesen. Die Zeugnisse seiner praktischen Wirksamkeit, die der großen Menge in die Augen fallen, sind das Blinden-Jnstitut auf der Hohen Warte, das Schiller-Denkmal, die Hermen Lenau's und Anastasius Grün's. Was die Menge nicht kennt, das war seine stille, emsige Arbeit im Dienste der Schiller- Stiftung. Er Hai, soviel er vermochte, Noth und Elend gelindert; manche heimliche Thräne ist durch ihn getrocknet worden, denn er war ein echt humaner, hilfsbereiter Mensch, ein weicher Mensch. Sein Tod war leicht, wie er es sich selbst gewünscht, und leicht ist ihm auch — das mag denen, die um ihn trauern, ein Trost sein — das Leben gewesen. Kummer und Sorge sind ihm nur vorübergehend genaht, später allzeit fern geblieben. Als Poet hat er volle Anerkennung gefunden, er ist geliebt und geachtet und vom Kaiser durch die Erhebung in den Ritterftand ausgezeichnet worden. Seine zweite Ehe war glücklich; eine tüchtige, ihm trotz des Alterunterschiedes zärtlich ergebene Frau und wackere Söhne, an denen er Freude erlebte, zuletzt noch eine liebliche Schwiegertochter und ein reizendes Enkelkind, ein sorgenfreies gesundes Alter und allzeit aufrichtige Freunde — das Alles war ihm beschieden. Das ist viel, und wohl ihm, daß man sagen kann: Er hat es verdient. Dem Judenthum war Frankl stets ein treuergebener Sohn, und in zahlreichen Gesängen hat er es verherrlicht. Von ihm wurde auch das Familienbuch „Libanon" herausgegeben, welches in Dichter-Stimmen aller Zeiten und Völker den Preis des Judenthums verkünden. Sein Leichenbegängniß gestaltete sich nach Mittheilung der „Neuzeit", der wir diese Schilderung entnehmen, zu einem im höchsten Grade imposanten. Generäle, Kapitäne, Hofräthe, berühmte Professoren, höhere Staatsbeamte, Journalisten, Schriftsteller, Schauspieler, Alles vereinigte sich, um einem jüdischen Dichter die Letzte Ehre zu erweisen. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen Deutschland. Mainz. Die Schrift des Herrn Hofrarh Dr. Dembo ist in unserem Blatte wiederholt so eingehend besprochen worden, daß der einem Theil der Auflage dieser Nummer beiliegende Prospekt keines weiteren empfehlenden Wortes bedarf. Angesichts des mit wachsender Heftigkeit tobenden Sturmlaufes gegen die Schechita sollte Jeder bemüht sein, sich mit den Kenntnissen zu rüsten, welche die Abwehr der thierschützlerischanttsemttischen Angriffe erfordert. DaS vorliegende Buch ist eine vortreffliche Wehr und Waffe, wir bezweifeln nicht, daß jeder unserer Leser dasselbe erwerben und nach dem Maaße seines Könnens dazu beitragen wird, dasselbe in nichtjüdischen Kreisen verbreiten zu helfen. R. Worms. Sie haben in einer der jüngsten Nummern des „Israelit" der Auslassung des Herrn Dr. Hilty, Professor des Bundesstaatsrechts an der Berner Universität über die Schweizerischen Israeliten und über die Israeliten im Allgemeinen Erwähnung gethau. Diese prächtigen, bedeutungsvollen Worte werden noch hübsch illustrirt durch folgende Sätze, welche ich einem Werke des genannten Professors, betitelt das „Glück", entnommen habe. Dort heißt es: „Das Judenthum nennen wir nicht, weil wir es als die natürliche, historische Wurzel des C h rtste nthums mit Ehrfurcht und Zuneigung betrachten und glauben, daß es seine gewaltsam unterbrochene Entwickelung noch nachholen wird. Der schöne Vers des Grafen Zinzandorf: „Doch Sem, wir haben dich auch lieb und säh'n dich gerne leben," drückt diesen Gedanken aus, der jetztmitunter einer sonderbaren, namentlich vom christlichen Standpunkte unmotivierten Fein dsch astPlatz gemacht h a t." An einer anderen Stelle genannten Werkes macht der gelehrte, tolerante Verfasser die Bemerkung: „Wir können hierbei nicht umhin, auch auf den israel. Commentar von Samson Raphael Hirsch zu den 5 Büchern Moses zu verweisen, der noch besser ist, als die unsrigen." Jetzt wirds auch Ihren Lesern klar sein, woher Prof. Dr. Hilty seine umfangreichen Bibelkenntnisse hat. Berlin, 17. März. In dem großen Beleidigungsprozeß der Antisemiten Plack und Genossen, dessen Verhandlungen seit beinahe 14 Tagen andauerten und bei welchem Finanz-Mtnister.'Miquel, Minister G. D. Maybach, die Dtrectoren der Dlscontogesellschaft und viele andere hochgestellte Personen vernommen wurden, lautet das Urtheil des Gerichts gegen Plack auf 1 Jahr 9 Monate, gegen Dewald auf 3 Monate, gegen Schwennhagen auf 1 Jahr Gefängniß. Bei Plack und Schwennhagen kommen je 6 Monate Untersuchungshaft in Anrechnung. Die verschiedenen Schandthaten, die die Verurtheilten den Genannten andichteten, sind natürlich alle im Auftrag und im Interesse des Judenthums geschehen. Ratibor, 11. März. Der innerhalb der hiesigen israelitischen Gemeinde bestehende Watsenunter ft ützungsve re in beging heute sein fünfzigstes Stiftungsfest. Vormittags fand in ber Synagoge ein Gottesdienst, Abends in Brucks Hotel eine größere Festlichkeit statt. Fabrikbesitzer Zender überwies dem Verein aus Nizza eine Spende von 2000 Mark. Die verklärte Rabbinerin, Frau