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Der Israelit · 1894-03-19 · Heft 23 (19.3.1894) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 23 (19.3.1894)
Date
1894-03-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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425 Dr. Frieda Blumenthal wurde als immerwährendes Mitglied des Vereins ausgenommen. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie«. Die isr. Cultusgemeinde hat den Oberrabbtner Dr. Güdemann zum Nachfolger des verstorbenen Dr. Adolf Jellinek ernannt. Zum Oberrabbiner im Tempel der Leopoldstadt wurde Dr. Schmied!, bisher in Fünfhaus, zum Rabbiner in Fünfhaus Dr. Jonathan Wolf, bisher substituirender Rabbiner im Tempel in der Seitenstettengasse ernannt. » Vermischtes. < Mainz, 18. Marz. Ein warmer Freund des Deutsch- Israelitischen Kinderheims zu Diez a. d.?ahn sendet uns zu Purim folgenden Aufruf für diese Anstalt, den wir im Interesse der guten Sache an dieser Stelle zum Abdruck bringen: cni'SN'? nuro. Die Verabreichung von Gaben an die Dürftigen haben unsere Altvorderen als ein wesentliches Moment für die Feier des PurimfesteS aufgefühit. Möge kein Geschlecht dieser Losung untreu werden. Niemals wird es ja, nach der biblischen Voraussage (Deuter. 15 11), an Veranlassung zu ihrer Belhätigung fehlen. Viel Elend herrscht auch in unseren Tagen, und viele Ansprüche werden an diejenigen gestellt, die geben können und geben sollen! Für wenn aber dürste ein größeres Maß von Mitgefühl zu et hoffen sein, alS für jene unglücklichen Kinder, denen die Liebe und Fürsorge des Elternhauses vom Schicksale nicht vergönnt gewesen, die der Noth, dem körperlichen und sittlichen Elende entrissen, die unserem Bekenntnisse erhalten werden konnten. Die Verwaltung hat ihnen unter Gottes Beistand, unter der Mitwirkung unserer edelgesinnten Glaubensgenossen ein gesundes, trautes Heim geschaffen, in dem sie, unberührt von äußerer Noth und innerer Gefährdung, ihre Kindheitstage in ungetrübter Heiterkeit verbringen sollen, in denen eine liebevolle, echtreligiöse Erziehung die segensreichen Einflüsse des Elternhauses in möglichstem Umfange ersetzen soll. 22 Zöglinge birgt die Anstalt. Es müßte das Herz eines jeden Menschen- und Kinderfreundes erheben, könnte er den heilsamen Einfluß dieses Hauses auf die Kinder gewahren. Alle haben ihre körperliche Gesundheit erlangt, sind froh und zufrieden, keines sehnt sich nach seinen früheren Verhältnissen, nach seiner einstigen Umgebung zurück. Alle sind in die Bahnen geleitet, die eine frohe Zukunft verheißen. Die Räumlichkeiten würden jetzt die Aufnahme einer dreifach größeren Kinderzahl ermöglichen. Welcher Segen könnte damit für so viele Kinder und Eltern gestiftet, welche Fülle gegenwärtigen und künftigen Elends könnte damit aus der Welt geschafft werden! Und doch reichen die Mittel kaum zum Umerhal e der vorhandenen Kinderschaar. Edelgesinnte Glaubensgenossen, sammelt, spendet auch diesmal recht reichlich. Jedesmal, wenn das heitere Purimfest wiedrrkehrt und uns als ein Gewähr erscheint, daß wir alle Bedrängnisse der Gegenwart und Zukunft in Gottes Schutz glücklich überdauern werden, möge eine immer größere Anzahl unglücklicher Kinder dem Elende entrückt werden, möge auch bei ihnen eingekehrt sein: “ip’i twtsn nnospi mw. Hamburg. In der letzten Versammlung des Israelitischen Kranken-Vereins wurde der Antrag gestellt, daß in Zukunft die Auszahlung des Sterbegeldes auch dann erfolgen soll, wenn das betreffende Mitglied nicht nach jüdischem Ritus beerdigt worden ist. Dieser Antrag wurde indeffen abgelehnt. A«S Thüringen. Der Rechenschaftsbericht der A ch a w a Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrerwittwen- und Waisen in Deutschland pro 1893 ist erschienen. Die Zahlen und Namen in demselben verkünden eine beredte Sprache und den Dank aus Lehrer- Herzen. Wenn alle Gemeinden dem Beispiele Frankfurts folgten — über 350 Ehrenmitglieder sind hier verzeichnet — dann könnte die Achawa noch viel Großartigeres leisten! DaS Vereinsvermögen beträgt z. Zt. 197,000 Mk. ES sind 941 Ehrenmitglieder (jährlich 6 Mk. Beitrag) und 318 active Mitglieder im Vereine. Gemeinden mit einer größeren Ehrenmitgliederzahl sind: Frankfurt, München, London, Mainz, Worms, Wiesbaden und noch wenig andere. Wie viel wäre hierin noch zu thun?! W Sprechsaal. (Für alle unter dieser Rubrik erscheinenden Artikel übernimmt die Redaction dem Leserkreise gegenüber keine andere als die preßgesetzliche Verantwortung.) Gestatten Sie dem Schreiber dieser Zeilen auf den in Nr. 16 befindlichen Artikel über die jüdischen Hotel-Verhältniffe der Schweiz einige Worte der Erwiederung. Zunächst eine sachliche Berichtigung: Man kann von einem Hotel- Wesen nicht sprechen, weil es in der ganzen Schweiz nur wenige — vielleicht 4—5 jüdische Hotels, 8 Pensionen — gtebt, davon 3 im Rabbinatssprengel streng orthodoxerRabbiner. Es hat wohl Ihr Correspondent diesen Herren einen schlechten Dienst mit seinem „Rothschrei" erwiesen, denn es ist Thatsache, daß dort ebenfalls neben -»rn-Wein auch dj* onD verschenkt wird. Die Verhältniffe, welche der betr. Artikel schildert, existiren fast überall und es dürfte schwer sein, in ganz Deutschland mit seinen nahezu 500 jüdischen Hotels und Restaurationen bessere Verhältnisse als bei uns zu constatieren; ich wage sogar zu behaupten, daß an den schweizer Fremdenplätzen — also Basel, Luzern, Zürich, Baden und Jnterlaken — die jüdischen „Garküchen" jenen in Deutschland mindestens gleichwerthig sind. Das Hotelwesen der Schweiz ist weltberühmt, und auch die jüdischen Restaurationen in der Schweiz sorgen in ihrem eignen Interesse dafür, daß die leider sehr geringe Anzahl der Reisenden, die noch auf nmtn Wertb legen, befriedigt wird. Die Zahl der jüdischen Hotels wird sich auch mit den Jahren vergrößern und sie werden jenen in Deutschland rc. nicht nachstehen, man soll uns aber das Leben nicht zu sauer machen, mindestens nicht mehr verlangen als nach Lage der Dinge möglich ist zu thun. Sollte aber der Schreiber des betr. Artikels das nöthige Kapital zu einem streng orthodoxen jüdischen Hotel hergeben wollen — an einem Letter wird es nicht fehlen. Einer von der Sippe.

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