Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 23 (19.3.1894)
- Date
- 1894-03-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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419 gesiedelten wenigen Israeliten zu einer Gemeinde, die nun ihr eigenes Betlokal und einen Schächter besitzt, gibt es jetzt in Hinterindien und zwar im englischen Theile desselben, vier kleine jüdische Gemeinden und zwar: Rangun, Mulmein, Singapore und Mandalay, von denen die drei ersten Städte an der Meeresküste, letztere dagegen am Jravaddistrome liegt. Rangun, Mulmetn und Mandalay bekennen sich zum sephardischen, Singapore dagegen zum englischen Ritus. In Mandalay und Mulmein gibt es Vereine, welche das Talmudstudium Pflegen, da die Israeliten daselbst fast insgesammt aus Bagdad dorthin eingewandert sind, und daher in All und Jedem sich nach dem Vorbtlde ihrer großen Mutlergcmeinde richten. Ihre Mazzes, Gebet- und Lehrbücher beziehen dieselben von hier aus, da ChachamTweina, der Herausgeber des jüdischarabischen Tao" hier in seiner Wohnung einen Geschäftsladen mit jüdischen Büchern, Tefilin, Mesusoth und Zizith errichtet hat. Kalkutta ist so das religiöse Centrum für die Juden Hinter- und Vorderindiens gewordeit. > Vermischtes < Mannheim. Einen Beweis rührender Dankbarkeit haben die Juden Badens bewiesen. Der so lange als Ministerpräsident wirkende Geh. Hosrath Lamey, sowie später als Präsident der II. badischen Kammer, trat am Ende vorigen Jahres von seinem politischen L eben zurück, ausgezeichnet mit außerordentlichen Ehren für seine hervorragenden Verdienste. Da Minister Lamey es gewesen, der die Juden-Emancipation auf sein Programm gesetzt, auch durchgeführt hat, überreichte ihm heute eine Deputation von isr. Gemeinden eine künstlerisch ausgestattete Adresse. Herr Geheimrath Dr. Lamey erwiederte auf die Adresse in längerer Rede, in welcher er seiner Freude über die ihm entgegengebrachien Gesinnungen Ausdruck gab, und unter interessanter Darlegung der politischen Situation zur Zeit der Erlassung des EmancipationsgefetzeS seine Genugthuung darüber bekundete, daß das Gesetz die von ihm erwartete Annäherung zwischen der christlichen und jüdischen Bevölkerung, so weit es in einem verhältnißmäßig doch sehr kurzen Zeitraum möglich war, zur Folge gehabt habe. Die neueste Zeit, welche sich in allerhand radikalen und extremen wirtschaftlichen und politischen Parteischöpfungen gefallen, habe allerdings auch den Antisemitismus gezeitigt. Er betrachte alle diese Strömungen als vorübergehende Erscheinungen des Volkslebens, und wenn die Israeliten auch weiterhin ruhig, besonnen und einsichtig vorgingen und namentlich den Verlockungen des politischen Radikalismus gegenüber sich ablehnend verhalten, so sei mit Sicherheit zu erwarten, daß die Ausgleichung der Gegensätze, trotz einer zwar lauten, aber doch nur von Wenigen ausgehenden Gegenagitation im Stillen immer weitere Fortschritte machen werde. Romrod, (Oberhesien.) Am 25. v. M. starb eines unserer bewährtesten Gemeindemitglieder, Herr M. Stern, nach kurzem Krankenlager im 67. Lebensjahre. Derselbe war weit und breit als ein mustergiltiger Wohlthäter in des Wortes edelster und schönster Bedeutung bekannt Er verpflegte Arme, spendete viel und gern, Hungrige nahm er gastfreundlich in sein Haus auf, speiste sie nach Hülle und Fülle, da NON nft’DJ ihm ein teures Gut war. Aber auch seine Frömmigkeit stand ihm um nichts nach, aus vollkommener Gottesüberzeugung, aus dem tiefsten Grunde seines Innern diente n Gott sein ganzes Leben lang mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele. Dresden, 6. März. Ein hiesiger jüdischer Schneidermeister versendet an seine Glaubensgenossen folgenden Aufruf: „Sehr geehrter Herr! Angesichts der herrschenden antisemitischen Strömung, durch die unleugbar die jüdischen Professionisten besonders fühlbar geschädigt werden, ist es wohl angebracht, sich an die hiesigen Israeliten mit der Bitte zu wenden, bei Ertheilung von Aufträgen in erster Reihe ihre Glaubensgenossen berücksichtigen zu wollen. Unzweifelhaft giebt es unter ihnen ebenso tüchtige, reelle Fachmänner, wie bei der christlichen Konkurrenz. Ich nehme mir nun die Freiheit, Ihre Aufmerksamkeit auf einliegende Beilage zu lenken, und richte an Sie die höfliche Bitte, mich bei eintretendem Bedarf mit einem Versuch zu beehren. Sie dürfen fest versichert sein, daß ich Sie in jeder Beziehung aufs Beste und Billigste bedienen werde und empfehle mich mit größter Hochachtung E. W., Prager Straße." Stuttgart. Gelegentlich des Geburtstages Sr. Majestät des Königs erhielt SanitätSrath Dr. K 5 n i g S h 5 f e r das Ritterkreuz I. Klaffe des Friedrichsordens und Hofrath Eduard Pfeiffer wurde zum Geh. Hofrath ernannt. Feuilleton. Im Mahne des Glücks. (23. Fortsetzung.) Fast erkannte er die Gemächer nicht wieder, so sehr war ihr Aeußeres verändert durch hunderterlei fremde- und doch ihm nicht unbekannte Gegenstände. Antique Vasen, Waffen, Teppiche und eine große Gliederpuppe. Ach ja! Er hatte vor seiner Abreise das Atelier von Max gekündigt und angeordnet, daß die geringe Hinterlassenschaft seines Freundes in seine eigene Behausung gebracht wurde. Da standen und lagen nun überall die Malerutensilien umher. Unwillkürlich griff Südländer nach einem der Skizzenhefte seines armen Freundes. Welch mächtige Erinnerungen durchzogen seine Brust! Da fesselte etwas sofort seinen Blick. Es war Feodoras Bild; und noch eines, und noch eines; eine ganze Reihe von Skizzen hatte der Verstorbene von ihr entworfen. Südländer mußte sich unwillkürlich niedersctzen. Mit den Blicken verschlang er schier die Bilder der Geliebten. Also so hatte sie dem Freunde zugelächelt. Sonderbar! Es lag etwas Fremdes in diesem Blick! Man sah es den Bildern an, daß ste nicht nach der Natur gezeichnet, daß sie vielmehr aus der Erinnerung hingeworfen worden waren.