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Der Israelit · 1894-03-19 · Heft 23 (19.3.1894) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 23 (19.3.1894)
Date
1894-03-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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418 chen Staatsbürger jüdischen Glaubens" haben ihr Bürgerthum vorangestellt und ihr Judenthum degradirt, aber gerettet haben sie die Judenheit noch nicht und die Ehren sind bis jetzt auch noch ausgeblieben. Zeitungsnachrichten nnd Correspoudenzen. Deutschland. Frankfurt a. M., im März. Es ist sehr schwer fürNtchtjuden sich von dem Worte „koscher" den richtigen Begriff zu bilden. Gemeinhin versteht der Nichtisraelite unter diesem Worte etwas „gutes, reines, der Gesundheit nicht schädliches". Daß das Wort „koscher" für uns eine vielfach andere Bedeutung hat und haben kann, daß um eine Maare „koscher" herzustellen, oft eine unendlich große Vorbereitung, viele Vorbedingungen, die Aufsicht würdiger Personen erforderlich ist, daran denkt der Nichtjude nicht und es ist ihm auch dies nicht übel zu nehmen, wenn er das nicht weiß. Daß aber durch diese Unkenntniß des Begriffes „koscher" öfters gefährliche Mißverständnisse entstehen können, das beweisen Vorfälle, die sich hier vor Kurzem zugetragen haben, die ich bvso hiermit miltheilen will. In der Nähe des rühmlichst bekannten Koscherwaaren-Geschäfts des Herrn David Bau er, dessen Fabrikate ausschließlich unter Aufsicht des hies. orthodoxen Rabbinates stehen, befindet sich eine christliche Butter- und Käsehandlung mit ähnlicher Firma, bet der häufig die Boten und Mädchen der streng frommen Herrschaften ihre Einkäufe besorgen, in der Meinung, sie seien bei Herrn David Bauer. Als jüngst eine Dame, die ihren Jrrthum hinterher bemerkte, die Butter zurücksenden wollte, erhielt sie eine Karte, auf der geschrieben stand: „Essen Sie nur die Butter, die ist gerade so gut wie die andere, Sie werden wohl nicht daran sterben." Leute, die es genau mit den Vorschriften unserer Reliaion nehmen, seien hiermit zur Vorsicht gemahnt. X. Berlin, 13. März. Der Ansiedlunq russischer Juden in Brasilien stellen sich zur Zeit die in Brasilien herrschenden Verhältnisse entgegen. Die Frankfurter Zeitung erwähnt eine Bekanntmachung des russischen Polizeidrpartermnts. wonach die brasilianische Regierung bis aus Weiteres russischen Emigranten den Eintritt in Brasilien verboten hat. Breslau, 8. März. Eigenartige Zustände scheinen in der Gefängntßverwaltung zu Glogau zu herrschen. In einer Gerichtsverhandlung vor der dortigen Strafkammer wurde am 3. d. M. festgestellt, daß der Redakteur der antisemitisch agrarischen „Neuen Nlederschlcsischen Zeitung", Otto Balla (früher Redakteur des Stöckerschen „Volk") im Sommer vorigen Jahres während der Verbüßung einer dreimonatlichen Strafhaft die Redaktion des genannten Blattes vom Gefängniß aus geleitet hat. Es geschah dies, wie die „Freis. Ztg." mittheilt, in der Weise, daß er mit Genehmigung der Staatsanwaltschaft täglich den Besuch eines Abgesandten seiner Zeitung empfing, der die von ihm im Gefängniß geschriebenen Artikel abholte. Ein Zeuge bestätigte noch ausdrücklich, daß er zwei bis dreimal täglich ungehinderten Zutritt zu Balla gehabt habe. Das preußische Gefängnißreglement schreibt vor, daß jeder Gefangene in der Regel einmal im Monate Besuche annehmen dürfe und daß solche bei gutem Verhalten auch in kürzeren Zwischenräumen zugelassen werden können. Wenn also Herr Balla zwei- bis dreimal tätlich Besuche empfangen durfte, so hat er sich zweifellos einer ungewöhnlich günstigen Behandlungsweise erfreut. Diese Humanität ist um so bemerkenswerter, als der vielfach bestrafte Leiter des antisemitischen Hetzblättchens seine Strafe wegen Beleidigung preußischer Richter verbüßte und im Gefängniß selbst Artikel schrieb mit den gröblichsten Beschimpfungen des ReichstagsabgeordnetenDr. Müller-Sagan. Diese Artikel batten nicht die Kontrolle passiven dürfen, welche das Gefängniß-Rcglement für alle von den Gefangenen ausgehenden Schriftstücke vorschreibt. Es wäre dann nicht geschehen, daß ein Gefangener gewissermaßen unter dem Schutze der Strafvollstreckungsbehörde die ihm wegen einer strafbaren Handlung auferlegte unfreiwillige Muße zur Begehung neuer, gleichartiger Strafthaten mißbrauchen konnte. P a l ä st i n a. Jerusalem. Der Jahres Bericht der „Talmud- Thora Schule und der Etz Hülm-Hochschule" für das Jahr 5653 weist eine Ausgabe von 39099 P. aus, denen eine Einnahme von nur 37535 P. gegenüber stehen. Hocherfreut und mit Vergnügen werden die edlen Spender vernehmen, daß ihre milde Gaben zu heiligem Zwecke verwendet worden sind. 400 arme und Waffen-Kinder ^wurden von 33 geprüften Pädagogen in der heiligen rrnn unterrichtet. mit Kleidung versehen, und 90 Rabbinats- Candidaien in der Hochschule Etz Harm, die Tag und Nacht sich mit dem Studium der heiligen mm befassen, wurden St'pendren gewährt. Es bedarf wohl keiner weiteren Worte, um unfern Lesern diese segensreichen Anstalten ihrem ferneren Wohlwollen zu empfehlen und sie zu bitten, denselben eine reichlichen Unterstützung zu Theil werden zu lassen Indien. Kalkutta, 2. Febr. Nach der vor Kurzem erfolgten Constituirung der in Mandaloy, der ehemaligen Hauptstadt des Königreiches Birma, an-

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