Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 23 (19.3.1894)
- Date
- 1894-03-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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417 %YlJi*'***r***r^-:#/* der diSparate Gegensatz ist, was in solchen Verhältnissen unsere ersahreren und bewährten Weisen riethen und übten. — Sie mahnen der Purimfreude den Taanis-Esther vorangehen zu lassen, um das Beispiel der Ahnen uns in lebendiger Frische zu erhalten, die von ihrer körperlichen Kraft so wenig erwarteten, daß sie freiwillig dieselbe herabminderten, um damit zu bekunden: Von uns, unserem Wollen und Können erwarten wir nichts, von Gottes Gnade und Allmacht erhoffen wir alles. Sie glaubten des Purim-Wunders in jener Zeit und die Purim- Freude in jeder Zeit erst durch diese rückhaltlose Hingebung und Unterstellung unter den Willen Gottes würdig zu werden. Den Purim nähmen wir noch hin, aber ihn durch den Taanis-Esther zu verdienen, das mundet uns nicht. Die fürstlichen Ehren einer Esther bewundern wir und möchten wir, wenn auch in schwachem Abglanz auch bei uns verwirklicht sehen, aber den Ersatz dafür zu wagen, die ganze Persönlichkeit mit der Hingebung eines 3X24stündigen Fasttags Gott zu unterstellen, das hatten wir für eine — Zamuthung! Und doch war es dieses Verzichten. Entbehren, Versagen und Zurücktreten, das Esther von der ersten Ahnmutter ihres Volkes gelernt hatte, welches sie zur Regen - tiu des Weltreichs erhob. Wir glauben dagegen nicht durch Verzichten und Zurücktreten, sondern durch laute Geltendmachung unserer Forderungen, durch Betonung unseres Rechts in Vereinen, Schriften, Zeitungen, durch Anrufung der Staatsanwälte und Gerichte, werde unser bedrohtes und verkümmertes Recht wieder zu Anerkennung und zu Ehren gebracht! Die Zukunft wird entscheiden, ob unsere alten Weisen Recht hatten, oder unsere modernen, von heute und gestern. Für denjenigen, der Augen hat zu sehen und sie nicht gewaltsam verschließt, hat die Gegenwart es bereits entschieden. Dieses Zurückürängen alles spez fi sch Jüdischen und dieses Vordrängen und öffentliche Spreizen mit seinem Bürgerthum, führt durch die Abweisung, die es allenthalben gerade dort erfährt, wo man damit imponiren möchte, dazu, daß es sich in anderer Weise entladen muß. Bürger wollen die Herren ä tout prix sein, dann in zweiter und dritter Reihe vielleicht auch sich noch gefallen lassen für einen Juden gehalten zu werden. Die böse Welt machr's umgekehrt, ihr gilt der Jude in erster Rühe als Jude und auch in zweiter und dritter Reihe, aber selbst nachher möchte sie ihm sein Bürgerthum absprechen. Das ist für Leute dieses Schlags uncr uäglich. Da man ihnen hier ihr Bürgerthum abspricht, so suchen sie es wo anders, wo sie glauben, es könnten es gerade ihre Feinde nicht streitig machen — das ist der Weg der zum sogen. „Zionismus" führt, wie man diesen Chauvinismus nennt, der einige confuse jüdische Köpfe noch etwas confuser gemacht hat. Wir haben wiederholt und erst ganz kürzlich an dieser Stelle auf das Wahnwitzige und Gefährliche dieses ganzen Unterfangens aufmerksam gemacht. Es ist ein toller, wüster Traum, unter dessen Bann eine Anzahl Träumer so lange stehen, bis auch sie einmal aus demselben geweckt werden. Ob sie für den Weckruf eines Rabbi Akiba, aus welchem wir hier einige Laute herausgriffen, ein Ohr haben, ist bet ihrer Verachtung der Koryphäen des überlieferten, rabbinischen Judenthums mehr als zweifelhaft. Es wird auch auf diesen Traum ein Erwachen folgen, wenn nicht durch die Stimme Jakobs, so durch die Hände Esaws. Wir aber wollen uns von dem wüsten Treiben des Tages zu den erprobten Wahrheiten flüchten. welche die hehren Gestalten der Esther Rolle aus der fernen Vergangenheit in die frisch pulstrende Gegenwart rufen. Da steht er, der rm mrr r« ono loan nTQn ptnaa „der jüdische Mann in der Residenzstadt Schuschan Namens Mordechai", und durch die bloße Art seiner Einführung, wirft sie das ganze Kartenhaus von dem „deutschen Staatsbürgerthum jüdischen Glaubens über den Haufen. Hätten die Schreiber der Esther-Rolle schon etwas von der modernen staatsbürgerlichen Judenweisheit gekostet, sie hätten Mordechat nicht so als Jade 8au8 plirase exponirt, wie es hier geschieht, sondern etwa gesagt: ES war ein perstscher-medtscher Staatsbürger jüdlschen Glaubens Namens Mordechai u. s. w. Und Mordechai hätte dieses ftaatsbürgerltche Steckenpferd noch viel besser reiten können, ohne von den damaligen Antisemiten darin gestört zu werden. Indem es nämlich nicht wie sonst gewöhnlich heißt, o-no iö«n hit stk »m „es war ein Jude Namens Mordechai", sondern rrn mrr gtm, so will diese Form sagen: der jüdische Mann Mordechai war schon in Schuschan gewesen, als die Haman und Consorten auftraten. Ec war früher auf dem Platz. Ihm hätte kein Haman oder sonstiger Antisemit sein Bürgerthum auch nur mit einem dürftigen Schein von Recht in Abrede stellen können! Und Mordechai kehrt ostentativ den Juden vor! Ja selbst als er schon Reichskanzler geworden war, betont er in erster Reihe den Juden und läßt die Megilla sogar damit ausküngen. 'oi -jVob rwo »Y.rrn wo '3! Item, Mordechai hat sein Judenthum nicht nur nicht verleugnet, sondern es überall laut vor aller Welt betont. Damit hat er sein Volk gerettet und ihm selber wurden die höchsten menschlichen Ehren von seinem König zu Theil. Unsere „deut-