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Der Israelit · 1894-03-15 · Heft 22 (15.3.1894) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 22 (15.3.1894)
Date
1894-03-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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394 8. Kapitel. Einkehr. Professor Südländer war nicht gerne nach München gereist; die Trennung von Feodora, die er noch immer auf das Innigste liebte, die er in blinder Leidenschaft verehrte und anbetete, war ihm allzu schwer geworden und dennoch war es weniger die Liebessehnsucht, die ihn aus der langen Eisenbahnfahrt quälte, als einige störende Gedanken, die er vergebens los zu werden suchte. So lange er in dem Bannkreis dieses wunderbaren Wesens war, so lange er immer nur dachte bis wann er wieder in ihrer Nähe verweilen dürfte, so lange war es bei ihm ausgeschlossen, daß er über das Wesen seiner Braut nachgedacht und über ihren Charakter gegrübelt hätte. Warum nur hatte sie es durchaus vermeiden wollen, daß die Verlobung veröffentlicht wurde? Weshalb hatte sie es immer und immer wieder hinausgeschoben und jede Gelegenheit hierzu mit Freude ergriffen? Er konnte keine Antwort auf diese Frage finden, aber er war vollständig davon überzeugt, daß die Ursache, die Feodora vorschützte, nicht die wahre sein konnte, daß irgend ein geheimer Grund, den er nicht kannte, die Ursache für ihre Handlungsweise war. Jetzt, da ihn der schnelle Eisenbahnzug in die Ferne entführte, jetzt da er in den nächsten Tagen nicht in ihrer Nähe weilen konnte, jetzt kamen ihm so allerlei unbegreifliche und merkwürdige Gedanken, die ihm vormals nie aufgestiegen waren, oder doch, wenn sie kamen, sich schnell wieder verflüchteten, wenn er in ihrer Nähe weilen durfte. UGewaltsam unterdrückte Südländer alle Bedenken. War es nicht Thorheit, sich selbst auf diese Weise zu quälen? Sie war ja noch so jung und wenn irgend etwas in ihr nicht war wie er es gewünscht, so fühlte er sich Mannes genug, sie zu lenken und zu erziehen nach seinem Willen. Wenn er nur schon wieder bei ihr hätte sein können. Er berechnete im Stillen die Tage, bis wann dies ehestens möglich sein könnte; er fing sogar an zu bereuen, daß er sich persönlich nach München begeben hatte und nicht lieber seine Angelegenheiten dort auf schriftlichem Wege geordnet. Er hätte es ja gerne gewollt, aber er mußte einsehen, daß das unmöglich war; zu leicht wäre eines seiner werthvollen Manuscripte, die Arbeiten von Wochen und Monaten enthielten, verloren gegangen. Er hatte die Eigenschaft, seine Forschungen auf kleine Zettel zu notiren und diese lagen da und dort in seinem Zimmer umher; sie bildeten die Grundlage für sein nächstes, großes, wissenschaftliches Werk. Wie leicht konnte eines dieser Blättchen verloren gehen, wenn eine fremde, uneingeweihte Hand sich mit dem Verpacken seines Eigenthumes befaßte. Deshalb war es unbedingt nothwendig, daß er selbst in seine frühere Hetmath reisen mußte. Aber möglichst bald würde er wieder in Frankfurt sein: er wollte niemanden aufsuchen, sich nur ganz den nothwendigften Geschäften widmen. In zwei Tagen hoffte er zurück zu sein. Von der Bahn aus fuhr er direkt in seine Wohnung; Staunen ergriff ihn, als er sein Zimmer betrat. (Fortsetzung folgt.) Der „I 8 r a e l i t" erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis de- Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel zu beziehen bei <£. $. Strtnacker, Leipzig, ZLsßplatz 16. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'8 Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redaktion eiugefandte« Manuscripte« findet nicht statt, mau bittet deshalb fich von allen Einsendungen eine Copie zurükkzubchalteu. Inhalt <Hanptblatt): Leitender Artikel: Wie Rabbi Akiba die Schläfer wcckte. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. München. Graudenz. Görlitz. — Oesterr.-Ungar.Monarchie: Lemberg. Budapest. — Rußland : Petersburg. — Amerika: Newyork. — Vermischtes. — Feuilleton: Im Wahne des Glücks (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Marco Mortara. — Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Berlin. Breslau. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Literarische Berichte. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Aus Bayern. — Schweiz: Zürich. — Vermischtes.' Inhalt der Extra-Beilagen: Spenden-Verzeichnisse. — Circular des Deutsch-Israelitischen Kinderheims in Diez an der Lahn._ Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition deS „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Dnick und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu vier Beilage«.

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