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Der Israelit · 1894-03-15 · Heft 22 (15.3.1894) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 22 (15.3.1894)
Date
1894-03-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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391 den Reisenden christlicher Confession ein Paß auf die Dauer eines Jahres ausgestellt wird, wohingegen die Reisenden jüdischer Confession nur einen Paß für die Dauer eines Vierteljahres erhalten, jedoch kann auf Antrag dieser der Paß stets auf ein weiteres Vierteljahr verlängert werden. Diejenigen Geschäftsreisenden, welche Rußland besuchen wollen, haben sich in Rußland eine Gewerbe- Legitimattonskarte zu verschaffen; diese wird nur ausgestellt, wenn das betreffende Haus, für welches gereist wird, an seinem Domizilorte handelsgerichtlich eingetragen ist, worüber eine Bescheinigung betgebracht werden muß. Berlin. Das Stöcker'sche „Volk" wird in der „Konserv. Korr.", dem offiziellen Organ der konservativen Partei in folgender Weise abgeschüttelt: „In der Reichstagssitzung vom 2. d. M. erklärte der Führer der konservativen Partei, Herr Freiherr v. Manteuffel: „Die konservative Partei hat mit der Zeitung „Das Volk" absolut nichts zu thun. Wenn die konservative Partei irgend einen Einfluß auf „Das Volk" ausüben wollte, so würde sich dessen Redaktion wahrscheinlich höchlichst wundern, wie wir dazu kämen, sie beeinflussen zu wollen. „Das Volk" ist ein deutsch-soziales Blatt, soviel ich weiß, und hat mit der konservativen Partei nichts zu thun." Daß diese Aeußerung begründet ist und den in der konservativen Partei herrschenden Ansichten entspricht, beweist die laute Zustimmung zu derselben seitens der konservativen Abgeordneten. Die Verbreitung von Klatschgeschichten, die „Das Volk" mit Vorliebe kultivirt, sowie die oft wiederholten Angriffe des genannten Blattes auf konservative Beamte und Adelige haben eine Auseinandersetzung der konservativen Partei mit der Zeitung „Das Volk" schon lange herausgefordert. In hervorragendem Maße bestätigen nunmehr Tonart und Inhalt der in Nr. 53 des „Volk" veröffentlichten Erwiederung das Vorgehen des Führers der konservativen Partei und zeigen, wie recht derselbe damit that, „Das Volk" als das zu charakterisiren, was es ist, nämlich als ein christlichsoziales Organ mit dem die konservative Partei nichts zu thun hat." Das ist hart für Herrn Stöcker. München, 7. März. Der Finanzausschuß der Abgeordnetenkammer berieth in seiner heutigen Sitzung im Anschluß an den Etat der Präparandenschulen auch über eine Petition des Vorstandes der israelitischen Präparand ensch ul e in Burpprepach um Bewilligung der Mittel für einen vierten Präparandenkurs und beschloß, daß aus formalen Gründen sowohl, sowie mit Rücksicht darauf, daß nach dem vorangegangenen Beschlüsse des Ausschusses die Einführung einer vierten Classe an den Präparandenschulen einstweilen zurückgestellt worden, dem Petitum nicht stattgegeben werden könne. E. Graudeuz, 7. März. Von einem „peinlichen" Vorfall im hiesigen Gymnasium hat die gesammte konservative und antisemitische Preffe einen Bericht veröffentlicht, nach welchem bei der Feier an Kaisers Geburtstage der israelitische Sekundaner H. beim Hoch auf den Kaiser sitzen geblieben sei und sich auf wiederholte Aufforderung seiner Mitschüler geweigert habe, aufzustehen. Auch soll H. sozialdemokratische Flug- und Druckschriften unter seinen Mitschülern vertheilt haben. Verschiedene Berliner Zeitungen berichten nun, daß der Sekundaner H. nicht sitzen geblieben, sondern aufgestanden sei, auch niemals sozialdemokratische Druckschriften unter seinen Mitschülern vertheilt habe. Also wieder einmal eine „teutsche" Flunkerei. Görlitz, 7. März. Die hiesige Strafkammer verurtheilte den Antisemitenführer Lieutenant a. D. Winter wegen fortgesetzten unsittlichen Verkehrs mit sieben Schulmädchen zu Zuchthaus und Ehrverlust. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Lemberg, 1. März. Mit wahrem Seelenvergnügen habe ich heute einer herzerhebenden Feierlichkeit beigewohnt. Unser neuerwählter Rabbiner, Herr Rabbiner Schmelkes '"j hielt seinen Einzug in sein neues Amt unter fast fürstlichem Pompe. Eine Menschenmenge von mehreren Tausenden Leuten, darunter die löbl. Cultusrepräsentanz, sowie allejüd. Koriphäen erwarteten den Rabbiner am Bahnhöfe, und war es für jeden wahrhaften Juden eine Genugthuung mit anzusehen, wie in diesem fin de siöcle, dessen Signatur der Materialismus ist, ein mwn i», eine Leuchte der echt jüdischen Wissenschaft öffentlich geehrt wurde. Das sehr zahlreiche Publikum bildete einige Kilometer, vom Bahnhofe bis in die Stadt Spalier und jeder harrte aus, um den im Galawagen in Begleitung eines der Vorsteher fahrenden Rabbiner zu begrüßen und ihm Ovationen darzubringen; die Rufe 217, um« >rv Dypbyov ertönte au§ aller Munde. Am vnp ns» darauf hielt der Herr Rabbiner seine Antritts-nw-,-» vor einem vollgepfropften Hause, in der größten Synagoge Lembergs und man merkte die Zufriedenheit der andächtigen Versammlung schon an dem Ausharren in der Synagoge in einem solchen Gedränge während 3 Stunden. Der geistreiche Redner übertraf alle Erwartungen, sowohl auf dem Gebiete des bis!?s als auch in .iian. Sonntag darauf hielt der Rabbiner in einer andern Synagoge am Jahrzeitstage des Rab. Nathansohn b"^ eine Gedenkrede, die ebenfalls volle Begeisterung hervorrtef. Möge nun sowohl die Gemeinde Lemberg, als auch

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