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Der Israelit · 1894-03-15 · Heft 22 (15.3.1894) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 22 (15.3.1894)
Date
1894-03-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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388 in ihm den D’p^>N n'iw, den Gottesfürsten verehrt. Aber die Fürstin mußte auf diese glänzende, menschliche Anerkennung, welche sie doch als Gattin mit dem Gatten theilte, verzichten. Vor der Welt durfte sie vielfach nicht einmal als Gattin des gefeiertesten Gatten gelten; das war die ungewöhnliche Selbstverleugnung wie sie Mutter Sara übte. Wir haben bereits früher darauf hingewiesen*), wie bet allen äußeren Ehren und Auszeichnungen, die Abraham genoß, wir niemals finden, daß derselbe je ein Amt ooer eine sonstige Ehrenstelle angenommen hat, während sein Neffe Lot nach kurzer Niederlassung in Sedom sich dort als Richter wählen ließ. Hätte Mutter Sara nur einen Zug jener Sucht nach außen zu prunken und zu glänzen gehabt, so hätte ihn dieser Hang seines Weibes in die Oeffentlichkeit gedrängt. Dann hätte er an ihrer Bahre nicht mehr zu den Söhnen Chets sprechen können: Ob ich als Fremdling oder als Vollbürger gelten soll, das steht ganz bei euch, aanm □ ddv — »33N, dann hätte er vielleicht nicht einmal ein Grab für die Genossin seines Lebens und Strebens erlangt, jedenfalls hätte er nicht im Sinne der selbverleugnenden Anspruchslosigkeit seiner Sara gehandelt, wenn er auf Grund seiner unbestrittenen Verdienste auf sein Bürgerrecht gepocht hätte. Durch dieses freiwillige Verzichten auf Anerkennung selbst unleugbarer Verdienste dadurch, daß Mutter Sara in dieser formellen äußeren Anerkennung nicht das Ziel ihres Lebens erblickte, bildete dieses Leben ein ungetrübtes, harmonisches Ganze. Diejenigen ihrer 127 Jahre, in welchen die berechtigsten Wünsche ihres Lebens noch der Verwirklichung harrten und diejenigen, in welchen sie dieselben bereits erfüllt sah piw alle galten ihr gleich gut. Sie hatte am Ende ihrer 127 Jahre keine Veranlassung einen einzigen ihrer Tage hinwegzuwünschen, und gewiß am wenigsten, diejenigen Tage, in welcher ihr die äußeren Ehren und Würden noch versagt waren, welche ihr an ihrem Lebens-Abend in so reichem Maße von der Mitwelt entgegen gebracht wurden» Wenn der Ruf des Propheten alle pix 'Enn, alle welche das jüdische Tugend-Ideal anftreben neben Vater Abraham auf Mutter Sara weist, dann stattet der Blick auf unsere Ahnmutter, die ihren lichten Spuren folgenden, mit dem herzerhebenden Bewußtsein aus, daß die treue Hingebung an dieses Ideal ohne jede Rücksicht auf den Beifall oder den Tadel unserer Umgebung, füglich doch zur ehrenden Anerkennung seitens der Menschheit führen werde. Der Abschluß des 127jährigen Lebens unserer Ahnmutter begleiten daher die *) In der Abhandlung „Fremd und Heimisch" im vorigen Jahrgang Nr. 87. Weisen mit der Bemerkung, daß wenn die einzelnen Tage solcher vollendeten Menschen auch ausschließlich auf Gott gerichtet seien und nur von ihm voll und ganz gewürdigt werden, dennoch die Errungenschaft, die sie aus solchem Leben davon tragen, der ganzen Welt angehöre. orfcrui onron w 'n snv rrnn. Daß dieser, Gott und nur Gott zugewandte Wandel füglich mit der höchsten menschlichen Anerkennung endigt, tritt vielleicht noch mehr als bet Sara, bei ihrer späten Enkelin Esther in ganz überwältigender W.ise zu Tage. Um die schrankenlose Königsmacht eines Ahasveros zu brechen, um die listig gesponnenen Ministerränke eines Haman zu durchkreuzen, bediente sich die göttliche Vorsehung eines verwaisten, schwachen, jüdischen Mädchens, Esther, der Heldin des Purimfestes. — Von ihrem Oheim Mordochat erzogen, hatte sich Esther nicht mit den Jungfrauen versammelt, aus welchen der König sich seine Gattin erküren wollte, obwohl sie in der Residenz selber wohnte und die Aufmerksamkeit Aller, die sie kannten, sicher in demselben Maße auf sich gezogen hatte, wie dies später von ihr berichtet wird, als sie die Königskrone schon auf dem Haupte trug. Esther wurde mit Gewalt in das königliche Palais genommen. Wie es von Esther heißt *|Vdh n*a ton np^>m (Esther II, 8), heißt es von Sara njne rv:i nffNn npni (I. B. M.. 12, 15.) Während alle Jungfrauen um die Ehre wetteiferten, die Mitbeherrscherin des Weltreichs zu werden, war ein Mädchen, das sich dieser Ehre gefliffentlich entzog, und möglichen Falls die Familie und das Volk, aus dem es hervorgegangen, in hohem Grade dem Verdacht ausgesetzt, als beruhe diese Weigerung in einer Geringschätzung des Königs, während sie doch lediglich in der Gewissenhaftigkeit gegen das Religionsgesetz wurzelte. Um die gefährlichen Folgen einer solchen Verdächtigung auf Esther allein zu beschränken, verbot Mordochat sogar die Familie und das Volk zu nennen, welchen sie entstammt war. — Hatte die erste Inhaberin der Krone ihr Schicksal erreicht, weil sie dem König nicht die ungeschmälerte Anerkennung entgegenbrachte, was hatte dann nicht die Bewerberin um die Krone erst zu gewärtigen, die durch ihr ganzes Verhalten von vornhinein es verschmähte, dem König die Hand zu reichen. Esther will dem König nicht gefallen. Sie verzichtet auf alle äußeren Mittel, welche den anderen Jungfrauen zur Erhöhung ihrer Reize gereicht werden. Der König liebte Esther mehr als alle Frauen, sie fand mehr als alle Jungfrauen Gunst und Gewogenheit vor ihm; er setzte ihr die Königskrone auf's Haupt und machte sie zur Königin an Wasch-

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