Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 21 (12.3.1894)
- Date
- 1894-03-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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378 Linderung in der harten und aufreibenden Arbeit der Krankenpflege. Der Oheim selbst mußte sie öfters bitten, sich nicht zu viel zuzumuthen und oftmals schaute das Auge des klugen und erfahrenen alten Mannes mit eigenthümlichem Ausdruck auf das junge Mädchen, das sich um ihn bemühte. Eines Tages saß Helene allein an dem Bett des Oheims. Der Alte lag ruhig da; Helene mochte wohl glauben, daß er schlafe. Da stiegen ihr wieder die Gedanken an Süd> länder und Feodora auf, und, ohne daß sie selbst es wußte, rann Thräne auf Thräne ihr langsam über die Wangen. Plötzlich fühlte sie die zitternde Hand des Alten auf ihrem Haupte. „Mein Kind," sprach er mit sanfter Stimme zu ihr, „vertraue mir an, was Dich quält. Schon lange habe ich es bemerkt, daß ein tiefer Gram an Deinem Herzen nagt und glaubst Du mir, mein Töchterchen, daß ich mir denken kann, was Dich so sehr beunruhigt?" Erschrocken sah Helene den Oheim an. „Woher weißt Du?" stammelte sie. „Nun, wenn man so lange gelebt hat, wie ich, da hat man Vieles gesehen und kennen gelernt, mein Töchterchen. Ich weiß, daß es Dir auf der Seele brennt, daß ein so edler und braver Mensch, wie Südländer, sich ewig ketten will an Deine Schwester, an deren Seite er niemals glücklich werden kann." „Oheim!" rief Helene aus. Ganz Aehnliches hatte sie soeben gedacht; sie war fast entsetzt, dieselben Worte aus dem Munde des Greises zu vernehmen. „Deine Schwester Rahel," sagte der Oheim, — er nannte sie noch immer Rahel, er war der Einzige, der von der durch Fräulein Pinne herbeigeführten Namensänderung keine Notiz genommen — „Deine Schwester Rahel ist nicht gottesfürchttg; ja, ich vermuthe sogar, daß sie die Gebote unserer heiligen Religion verletzt, daß sie heuchelt und ihren Vater ebensowohl betrügt, wie ihren Bräutigam." „Bei Gott, das ist wahr!" schrie Helene. Sie hatte alle Zurückhaltung verloren, da sie sah, wie tief der Oheim in die Seele ihrer Schwester geblickt hatte. „Rahel ist keine Frau für Südländer", fuhr der Alte fort. „Du aber, mein Kind, mit Dir würde er glücklich sein, so lange Euch Beiden Gott das Leben schenkt — doch er ist wie blind, blind!" Helene vermochte längst nicht mehr, sich zu beherrschen. Jetzt sank sie neben dem Bette des Greises nieder und fing an, herzbrechend zu weinen und zu schluchzen. Der Alte streichelte mit seiner zitternden Hand ihr sanft über das Haupt. „Beruhige Dich," mein Kind," sagte er, „Gottes Allwissenheit wird schon Alles zum Besten lenken und vielleicht hat er mich alten, schwachen Mann zum Werkzeug ausersehen für seinen Willen." „Nein, nein, Oheim," schrie Helene, „Du darfst ihm nichts sagen von alledem; er ist ja glücklich an ihrer Seite. — Lieber, lieber Onkel, versprich es mir, daß Du nicht mit ihm darüber reden willst." In diesem Augenblick betrat Südländer das Krankenzimmer. _(Fortsetzung folgt.)_ Wochen - Kalender. Freitag, 16. März, 8. Adar II. Sabbat-Anfang in Mainz 6 Uhr 15 Min. (Ll. 8. Z.) Samstag, 17. März, 9. Adar II. “O 'D ,tO pn Sabbat-Ausgang in Mainz 7 Uhr 15 Min. (LI. 8. Z.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal, MoutagS und Donnerstags, jedeSmal in mindestens zwei Bogen. Preis deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch Sen Buchhandel zu bestehen bei <S. F. Ktetnacker. Leipzig, B-ßplah 18. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut CourS. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 ReichS-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redaktion eingesaudteu Manuskripten findet nicht statt, man bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Copie zurükkzubehalteu. Inhalt (Hanptblatt): Leitender Artikel: Gedenke, lösch aus und vergiß nicht! Von Rabbiner Dr. H. Sänger. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Gollantsch. Saarbrücken. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Lemberg. — Schweiz: Bern. — Feuilleton: Im Wahne deS Glücks (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Deutscher Reichstag. (Zweite Berathung des Handelsvertrages zwischen dem Reich und Rußland.) — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. — Amerika: Newyork. — Türkei: Jaffa. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: OSear Lehmann in Mainz. — Expeditton des „JSraelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wtrth'schen Hofbuchdruckerei-Actten-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Bettage.