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Der Israelit · 1894-03-12 · Heft 21 (12.3.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 21 (12.3.1894)
Date
1894-03-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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877 sagte sie und machte geltend, daß die trauliche Heimlichkeit in ihrer Liebe dieser einen besonderen Reiz verleihe, und daß sie sich noch nicht entschließen könnte, diese Süßigkeiten zu missen. Was auch der Professor dagegen anführen wollte, Feodora blieb bet ihrem Widerstande und wenn er zürnte, da brauchte sie ihn nur anzublicken und sie hatte ihn vollständig in der Gewalt; er that, was auch immer sie von ihm verlangte. So also hatte sie es durchgesetzt, daß man bis auf Weiteres das tiefste Schweigen über diese Sache bewahrte. Der wahre Grund, der Feodora bewegte, war selbstverständlich nicht der, den sie vorgab; wenn sie behauptete, daß das Geheimniß ihrer Liebe so süß und wonnig sei, so war das nicht mehr als eine Romanphrase, denn Feodora verstand wohl überhaupt nicht wahrhaft zu lieben. Was sie veranlaßte die Oeffentlichkeit noch zu vermeiden, war lediglich der Antrag, den ihr Lilienthal gemacht. Immer wieder und wieder kam es ihr in den Sinn, welches Glück sie doch verscherzen würde, wenn sie die Hand dieses, mit so ungeheuren Reichthümern gesegneten jungen Mannes zurückwiese. Hatte sich Lilienthal vollständig verrechnet, wenn er meinte, daß der Geruch der Millionen berauschend auf Bankier Berkheim etnwirkte, so war dies um so treffender bei dessen jüngster Tochter. Sie konnte förmlich träumen in dem Gedanken, daß sie die Herrin vieler Millionen sei, und daß es nichts auf der Welt gäbe, das sie sich versagen mußte, wenn sie es wünschte, denn sie schloß von ihrem eignen Charakter auf alle übrigen Menschen und Dinge und war überzeugt, daß es nichts auf der Welt gäbe, das nicht käuflich wäre. Das schöne Mädchen befand sich in einem eigenthümlichen Dilemma. Das eine wollte sie gerne haben, ohne das andere zu lassen; am liebsten hätte sie noch Jahre vergehen lassen, eh' sie eine endgiltige Entscheidung getroffen. Bon beiden Seiten aber wurde sie gedrängt. Lilienthal, den man in Freundeskreisen damit neckte, daß er sich um die heimliche Braut eines Anderen bewerbe, verlangte, daß sich Feodora baldigst für ihn öffentlich entscheiden solle, während andererseits der Professor jeden Tag energischer darauf bestand, daß die Verlobung gefeiert werde. Schon hatte sie alle gangbaren Ausflüchte verbraucht, schon wußte sie nicht mehr, wodurch sie am nächsten Tage die beiden Freier Hinhalten sollte, als ihr Hilfe von einer Seite her kam, von der sie es am wenigsten erwartet hätte. Wie wir bereits früher erfuhren, war Onkel Daniel erkrankt und mußte das Bett hüten; wenn auch die Krankheit keine schwere war, so wird bet einem so alten Mann jedes Unwohlsein schon zur Gefahr, denn es bedarf nur eines Windhauches, die schon erlöschende Lebensflamme hinweg zu blasen. Die Krankheit des alten Herrn wurde immer ernster und bot dadurch Feodora eine willkommene Gelegenheit, weiter auf ihren Willen zu beharren. Der Professor fand die Begründung des Wunsches Feodoras nicht allein seiner Anerkennung werth, sondern er nannte sie gut und edel, daß sie im Hause kein freudiges Ereigniß feiern wollte, so lange der edle Oheim krank darniederlag. Professor Südländer hatte den Oheim, mit dem er ja fast täglich stundenlang zusammen dem Studium der heilt zen Gotteslehre oblag, nach kurzer Zeit sehr lieb gewonnen und der sanfte und geistvolle, alte Mann hatte ebenfalls eine herzliche Zuneigung zu Professor Südländer gefaßt. So bat er ihn denn oft, er möchte doch jede Stunde, die er erübrigen könnte, an seinem Bette verbringen, denn es sei ihm ein wahrer Trost und ein Labsal, sich mit ihm zu unterhalten. Der Professor kam sehr gerne dem Wunsche des Kranken nach, denn auch ihm gewährte es Freude mit Onkel Daniel zusammen zu sein. Der alte Mann hat'e viele eigenartige Ideen. Er hatte manche neue Erklärung schwieriger Thora- und Talmudstellen gefunden und es beglückte ihn, an dem Professor einen so aufmerksamen und verständnißreichen Zuhörer zu haben. Ein wenig verstimmte es Südländer, daß seine Braut so gar selten das Krankenlager des Oheims aufsuchte; doch sie wußte auch hierfür einen sehr einleuchtenden Grund anzugeben. Sie sagte, daß es einen so heftigen Zwiespalt in ihrer Brust errege, wenn sie, die so ganz erfüllt sei von dem hohen Glück, das ihr die Liebe gewähre, den armen Kranken seufzen und schwer leiden sehe. Sie sei so glücklich, daß sie überhaupt nur Glückliche um sich sehen möchte. Südländer konnte es natürlich nicht ahnen, daß Feodora während der Stunden, die er selbst bei dem Oheim verbrachte, trauliche Zwiegespräche mit Lilienthal führte. Diesem machte sie immer mehr Hoffnung und sie sann ernstlich darüber nach, wie es ihr möglich sein würde, das Berhältniß mit Professor Südländer zu lösen, um die Gattin des Millionenmannes zu werden. Desto häufiger aber verweilte Helene bei dem Schwerkranken; sie duldete es nicht, daß ein Fremder ihn pflegte und wollte sich ganz und vollständig ihm widmen. In ihrem Herzen war ja alles zerstört, was sie beglücken konnte, und so fand sie Trost und

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