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Der Israelit · 1894-03-12 · Heft 21 (12.3.1894) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 21 (12.3.1894)
Date
1894-03-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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374 Gesetz, oder wie man gewöhnlich sagt, unsere Religion. Für das Judenthum wirken und religiösen Fragen dabei aus dem Wege gehen, ist gleichbedeutend, mit dem Ltchtenbergischen Messer ohne Stiel und Klinge. Freilich können sie nicht religiöse Fragen in ihren Kreis ziehen, ohne den offenen, Hellen Zwiespalt mit zu ziehen, sie sind faktisch lebensunfähig. So wenig man Tag und Nacht, Feuer und Wasser, Sein- und Nichtsein durch einen Centralverein vereinigen kann, so wenig kann man Juden auf einen und demselben Boden vereinigen, von welchen ein Theil seine religiösen Satzungen hochhält, während der andere Theil sie als überwundene Thorheit belächelt. Wenn man nun trotzdem einer solchen Vernunftehe das Wort redet, wenn Leute, die faktisch außerhalb des Judenthums mit ihrem ganzen Leben stehen, einen jüdischen Centralverein gründen, so kann dabei nur wenig Ersprießliches, aber viel Verkehrtes und Gefährliches herauskommen. Wenn in einem antisemitischen Wirthshause in der Kronenstraße judenfeindliche Lieder gesungen werden, so kann man sich, wenn man das zum Gegenstand einer gerichtlichen Beschwerde macht, auch ohne sich als Centralverein constituirt zu haben, einen Korb holen. Die Schlappe ist aber viel empfindloser, wenn sie ein Verein, als wenn sie ein Einzelner erhält. Das weiß auch jeder halbwegs Einsichtige. Deshalb fehlt es dem von dem Centralveretn gegründeten Rechts-Schutz-Bureau trotz seiner guten Juristen, und trotz aller Ermahnungen es fleißig zu freguentiren, an Clienten. Dagegen ist dieses an die Oeffentlichkeit sich drängende Gebühren dieser und ähnlicher Bestrebungen mit einer großen Gefahr verbunden. Unsere Feinde geben diesen an und für sich ja berechtigten, sehr harmlosen Bestrebungen einen Anstrich, der geeignet ist, die Judenheit zu discreditiren. So reproducirt die „Post" folgenden Artikel des Warschauer Duewnik: „Inmitten des Judenthums spielen sich neue und wichtige Vorgänge ab, die nicht nur für den gegenwärtigen Augenblick, sondern auch für die Zukunft die regste Aufmerksamkeit verdienen, denn die Häupter der westeuropäischen Juden, und gleichzeitig mit ihnen die Stimmführer der sogenannten „russischen Juden" haben den unter sich solidarischen Schaaren ihrer Glaubens-Genossen das Signal zum Angriff gegeben. Die gleichzeitige Verkündigung dieses neuen mot cV ordre in Rußland, Deutschland und Oesterreich weist erstens auf das Bestehen einer, von den Juden abgeleugneten Organisation hin, die vielleicht nicht das gesammte Judenthum, jedenfalls aber mindestens die jüdische Bevölkerung der genannten drei Staaten umfaßt, und zweitens darauf, daß der gegenwärtige Moment von den Führern der Juden als besonders geeignet anerkannt worden ist, um zum Angriffe überzugeben. In Deutschland ist es nicht beim Signal allein geblieben: dort wird die neue Form deS Vorgehens der Juden bereits in der Praxis geübt." — Das Blatt berichtet dann an der Hand der Mittheilungen eines russisch-jüdischen Blattes über den Centralen Bund der deutschen Staatsbürger jüdischer Konfession, über seine Absichten und das wesentlich offensive Vorgehen, das er sich zum Ziel gesetzt habe und bereits übe, und äußert sich dazu: „Man liest dies und traut seinen Augen nicht! Die deutschen Juden organisiren offen vor aller Welt einen Staat im Staate, indem sie ihre unerhörten Prätensionen durch die Flagge der Selbstvertheidigung gegen die Angriffe des Antisemitismus zu decken suchen. — Gleichfalls unter Berufung auf die Nothwendigkeit der Abwehr des Antisemitismus organistre sich in paralleser Richtung auf Initiative der „Oesterreichisch - israelitischen Union" das österreichische Judenthum für eben dieselben Zwecke, und die russisch-jüdische Zeitung Hamelitz ruft das russische Judenthum dazu auf „im Selbstbewußtsein zu erstarken und sich zu stählen zum Kampf für seine nationale Existenz." So verlogen und gehässig diese Insinuationen auch sind, so ruht doch auf denjenigen, welche den Vorwand dazu bieten eine große Verantwortung — Gollautsch (Prov. Posen.) Einer von den bewährten Stützen des orthodoxen Judenthums, die immer weniger werden, verließ uns, indem er zur ewigen Ruhe einkehrte. Rabbi Man Josel Heimann jn, selten groß an talmudischer Gelehrsamkeit, wie an echter, ungeheuchelter Frömmigkeit hauchte im fast vollendeten 93. Lebensjahre am 'n 'to seine reine Seele aus. In selbstlosester Weise versah der Verewigte fast ein Menschenalter hindurch das Amt eines Rgbbinats-Verwesers in unserer Gemeinde und wirkte als Korporationsvorsteher mit Eifer und Opferfreudigkeit circa 25 Jahre. Die Wohlhabenheit, deren er sich erfreute, benutzte er zur Unterstützung Hilfsbedürftiger von Nah und Fern, namentlich war er ein 'ipn '-nn hdiV p'inv. Vor etwa 33 Jahren gründete er in Gemeinschaft mit seiner verewigten Gattin n"y für ewige Zeiten eine Klaus, zu deren Unterhalt er ein Kapital von 12 Tausend Mark, sowie ein Hausgrundstück hergab. Für pN "Iy, deren eifrigster Verfechter er war, sandte er vor vielen Jahren drei Tausend Mark zum Erwerb eines Grundstücks in Jerusalem, dessen Reinertrag alljährlich dort zur Verkeilung gelangt. Soweit bekannt, hat er circa 30 Tausend Mark zu Wohlthätigkeitszw-cken vermacht. Am rührendsten aber war seine wahrhafte Liebe zu TTD-tfB ND15 j?DÖ th UTHin, Tag und Nacht studirte er ununterbrochen, Sommer und Winter konnte man ihn Morgens 3 Uhr schon lernen hören. Als war er gegen 70 Jahre lang thätig. In welch außerordentlichem Maße er sich allgemeiner Liebe und Verehrung erfreute, bekundete die ungewöhnlich große und warme Thetlnahme an seinem Leichenbegängnisse, unter anderen sah man die Vertreter der Stadt, evangelische Geistliche rc. Alle Ehren eines amtirenden Rabbiners wurden ihm zu Theil. Im Trauerhause sprach sein Klausrabbiner Herr M.

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