Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 21 (12.3.1894)
- Date
- 1894-03-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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373! - den Gottesbegriff, den Jisroelberuf nicht mehr ernst genommen. Man hat lange ungestraft und mit beispiellosem Leichtsinn über das, was uns heilig sein soll, gespottet, unser Gottesgesetz herabzudrücken gesucht von seiner Höhe und Erhabenheit; hat über den Ernst unserer mir, und ihre Lehren gelacht und ihr, der Lehre der höchsten Vernunft, Unvernunft vorgeworfen—so daß man wirklich glaubte, Jisroel dürfe ungestraft an seinem eigenen Lebensbaume die Axt anlegen, dürfe ungestraft seine Jtsroelaufgabe vergeffen. Wir sind nur allzu unsanft in unseren Tagen an Amalek erinnert worden! Ob wohl heute der mp -o nicht doch so Manchen, der wohl mitgeholfen die Axtjzu schwingen gegen das jüdische Gesetz, aber dennoch mitletdet unter Amaleks Bosheit und Feindschaft, erinnern wird an die alte Geschichte!? Vielleicht, da er sich ja selbst vertheidigen muß, stößt er beim Suchen nach Vertheidigungsmitteln auf so manches Beherzigungswerthe in der vergessenen mm; vielleicht erwacht wieder einiges Interesse für sein altes Volk, für Jisroel; vielleicht sucht er wieder Schutz und Hilfe, Kraft und Muth und Vertrauen in seinem Jisroelthume. Und würde er Sieger sein über sich und sich wieder erinnern, was er nicht hätte vergessen dürfen, der Sieg über seine Feinde, die ihn als Jisroel bekämpfen, würde ihm sicher sein; — deßhalb: Gedenke, — damit Du nicht ermattest in der Hingebung an Gott — Lösch aus — die Ursachen wegen welcher man Dir Böses zufügte und — Vergiß nicht — daß Du ein Jisroel, ein Gottesstreiter bist. Zeiturrgsuachrichteu und Correfpoudeuzen. Deutschland. Berlin. Der „Centralveretn deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" hat seine papierne Thaten um eine neue vermehrt. Dieselbe ist in Form einer Broschüre von Dr. M. M e n d e l s o h n in die Oeffentlichkeit getreten, welche den Titel „Die Pflicht der Selbstvertheidigung" führt und welche außer dem „Israelit", der eine dementsprechende Aufforderung ablehnte, sämmtlichen jüd. Blättern Deutschlands beigelegen hatte. Herr Dr. M e n d e l s o h n ist aber den Lesern des „Israelit" trotzdem, wenn auch nicht dem Namen nach, so doch durch seine Leistungen bereits bekannt. Der Herr hat nämlich, wie man uns mittheilt, vor Jahresfrist ein Schreiben an die Redaction des „Israelit" gerichtet, welches Sie in Nr. 3 des vorigen Jahrgangs unter der Aufschrift: „Aus unserer Briefmappe" einer überaus zutreffenden, vernichtenden Kritik unterzogen. Herr Dr. Mendelsohn hat sich dort zu der wunderlichen Sorte von Juden bekannt, welchen die Beschneidung, die Speise-Borschrift e n ssund der Sabbat nichts als orthodoxe Raceeigenthümlichkeiten sind, die man abstreifen müsse, um allen Judenhaß zu entwaffnen. Gewitzigt durch die mannigfache Abweisung, welche diese Anschauung seitdem wiederholt öffentlich erfahren hat, ist Herr Dr. Mendelsohn jetzt etwas vorsichtiger geworden. Sein uns vorliegendes Elaborat verräth die religiöse resp. irrreligiöse Gesinnung des Autors mit keinem Sterbenswörtchen. Es ist ihm nur um Vereinigung und Sammlung aller Juden unter einem Hut zu thun. Dieser Hut soll der Central-Veretn sein. Er greift zu diesem Zweck aus der Schrift „Schutzjuden oder Staatsbürger" einige Thesen heraus und glaubt, jetzt sei der Boden gefunden, auf dem sich alle Juden zusammenfinden können und finden müssen. Herr Dr. Mendelsohn geht mit seiner Vorsicht so weit, diejenigen Thesen aus jener Broschüre zu unterdrücken, welche von der Redaction des „Israelit" in dem Aufsatz: „Gott schütze uns vor unseren Freunden" in Nr. 5 des v. Jahrgangs einer besonders scharfen Kritik unterzogen wurden. Aber was will das alles sagen? Ob die Thesen, welche Herr Dr. Mendelsohn Herrn Dr. Löwenfeld nachbetet, wirklich von allen Juden derart anerkannt werden, wie er glaubt, wollen wir hier gar nicht zum Austrag bringen. Beiläufig gesagt, ist ein Theil derselben in hohem Grade discutirbar, aber das möge für heute einmal dahingestellt bleiben. Es gibt ja ohne Zweifel Axiomata, denen alle Juden unbedingt zustimmen, z. B. das kleine Einmaleins, der pythagoräische Lehrsatz, die Wahrheit, daß die gerade Linie die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist und noch viele andere mehr. Sie haben den Vorzug, daß sich sogar die Bekenner des Christenthums, des Islam und des Heidenthums zu diesen Fundamentalsätzen bekennen. Aber kann man auf diese gemeinsame Anerkennung hin einen Central-Veretn gründen? Gerade so gut und gerade so schlecht wie auf die Löwenfeld-Mendelsohn'schen Thesen. Die Herren dieser Richtung sind dem wahren, wirklichen Judenthum bereits so fern und fremd geworden, daß sie thalsächlich keine Ahnung von dem jähen Rtß und der tiefen Kluft haben, dte zwischen den Bekennern des überlieferten Judenthums und zwischen seinen Verächtern besteht. Eher könnte man ein leck gewordenes Schiff mit Heftpflaster repariren, als diesen Bruch durch Thesen. Davon haben diese Herren wie gesagt keine Ahnung, können sie nicht haben und deshalb verfallen sie auf den Gedanken unsere Mtssre durch solche Quaksalbereien zu heilen. Was uns zu Juden macht, das ist unser Judenthum, unser