Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 21 (12.3.1894)
- Date
- 1894-03-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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372 seine Heimath zurückzukehren, aus der ihn die Nachstellungen und die Feindschaft seines Bruders Esau zwanzig Jahre lang fern gehalten, da, in der einsamen Nacht, als er ganz allein war, ringt der wy bv i» mit ihm. Wäre Jakob der hinterlistige gewesen, so hätte ihn sicher der wy bv bezwungen. Und weil er, ein Engel, das nicht vermochte, fragte er erstaunt: ■p» no „Was ist Dein Name?" npy tomm. Jakob nennt offen seinen Namen, der ja eine ganz andere Bedeutung hat, als sein Bruder Esau ihm unterschiebt, und den er aus einem anderen gewiß unschuldigen Vorgänge erhalten hatte, wohl auch mit der Bedeutung: „Zurückhalter." Da sagt der Engel Esau's selbst zu ihm, nachdem er umsonst mit ihm gerungen: Nein, nicht Jakob soll Dein Name ferner heißen, sondern Jisroel, Gottes streit er. Als Jakob nun ihn nach seinem Namen frägt, da sprach er: Warum srägst Du nach meinem Namen? Und er segnete ihn dort. Die Bosheit und der Haß kennt keinen Grund, hat keinen Namen. Sie sind das Böse, das aber schließlich doch zum Segen gereicht. Der Haß und die Bosheit haben auch ihr Gutes. Der Engel Esau's erkennt schließlich an, daß er mit Unrecht den Namen Jakob als Angriff benutzt, ihn in diesem Namen bekämpft, ihm alles Krumme, Tückevolle, alle Hinterlist und alles Schlechte unterstellt und deswegen sich das Recht nimmt, ihn anzufeinden und zu bekämpfen. Darin liegt zugleich der Segen. — Dieser Vorgang ist klassisch für alle späteren Feinde unseres Namens, unserer Rasse, unserer Religion. Noch niemals gelang es einem solchen Feinde bei allem Aufwand von Scharfsinn, bei aller Entstellung und Uebertreibung, unserem Namen, unserer Rasse, unserem Glauben nachzuweisen, daß darin etwas den übrigen Menschen Schädliches und Feindliches enthalten sei. Noch immer sind derartige Angriffe uns zum Segen geworden, haben die finstern Nebel schließlich zerstreut und Klarheit geschaffen. Daß sich aber von Zeit zu Zeit diese Feindseligkeiten, diese unbegründeten Anschuldigungen wiederholen, denen wir scheinbar machtlos gegenüberstehen, hat in uns seinen Grund. Wir selbst haben den Feind gerufen. In der Wüste war es die Ermattung von den Strapazen des Weges, die unser Volk kleinmüthig und verzagt machte, ja sogar zu dem Ausruf des Zweifels an Gottes Nähe verleitete. Nicht, daß es Gott leugnete, aber pn on impa 't tern, ob Gott noch in seiner Mitte weile, ob Gott sich um es kümmere! — Und wie hatte ihm das Gott Tag für Tag durch die Mannaspende klar gezeigt! Hatte es über die Mühseligkeiten der Wüstenwanderung und die mit einer solchen Reise verbundenen Entbehrungen vergessen, daß es btmtn war?! Unannehmlichkeiten des Lebens treten jedem Menschen entgegen; das sind äußere Dinge, die mit dem wahren Menschenberufe nichts zu schaffen haben. Wer da immer an Gottes Weilen in unserer Mitte zweifeln wollte, der müßte oft im Leben zweifeln; kaum ein Mensch würde da verschont bleiben. Haben wir aber nicht deßhalb den Namen Jisr o el, daß wir im Kampfe mit dem Leben immer für die höhere Menschenaufgabe einstehen, und daraus als Sieger hei Vorgehen sollen, so aller Welt den Beweis liefernd von dem hohen Menschenberufe?! Unser Volk hatte diesen Jisraelberuf für einen Moment ganz vergessen «an ^nte” Dy or6’i p^vy „da kam Amalek und führte Krieg mit Jisroel". Amalek hatte selbst nicht den geringsten Grund gegen unser Volk feindlich vorzugehen. Aber Jisroe! wollte als Gottesstreiter dastehen unter den Völkern und lehnte sich bei jedem irdischen Ungemach dagegen auf; was ist da natürlicher, als daß ihm andere Völker dieses Jisroelthum abstreiten? — Und nur durch Moschehs Eintreten für sein Volk, nur dadurch, daß Moscheh seine Hand gegen den Feind erhob, siegte schließlich Jisroel. Ham an hatte keinen Grund zu solch' tödtlichem Haffe gegen Jisroel. Er unterlag ebenso wie einst sein Volk. Schuld an diesen wiederholten großen Gefahren damals, sowie an all den Anfeindungen der späteren Tage und der neuesten Zeit ist aber immer, daß, was unser Volk nicht vergessen sollte, es doch immer wieder vergessen hat, nt yj’i ppy nnxi und daß es gleich - gtltig, matt, lässig und nicht gottesfürchtig war. In unseren Tagen, da hatte der tdi rot? keine Bedeutung mehr. Man hatte vergessen, daß es einen Amalek gibt; die zweifelnde und verneinende Frage px dn uaapa "i am „ob wohl ein Gott in unserer Mitte ist, oder nicht?" war an der Tagesordnung. Der Purim war für sehr Biele bedeutungslos. Die nnox rtuo, ob man sie hörte oder nicht, was lag daran? Man kannte ja ihren Inhalt; für unsere Tage war das ein Märchen aus alter Zeit. Und doch war der Zweck des na: na», uns ins Gedächtniß zu rufen, warum die Haman späterer Tage uns anfeinden, uns so gefährlich werden konnten; warum sie sogar unser Jisroelthum, unsere Race, unsere Religion zu bekämpfen wagten und uns unterdrücken wollten. Wir hatten das vergessen, wir waren nicht mehr Jisroel, wir hatten das Andenkn an Amalek, die Ursachen, warum es einen Erzfeind gibt, der uns anklagt, nicht ausgelöscht. Und weil wir Jisroel sind, müssen wir dafür streiten und kämpfen. — Man hat lange gefrevelt mit seiner Religion, mit sich selbst; hat