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Der Israelit · 1894-03-08 · Heft 20 (8.3.1894) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 20 (8.3.1894)
Date
1894-03-08
Page
– (sequence 26)
Language
German
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62 Die Kolonisation Palästinas. - Ackerbau in Palästina. (V. Fortsetzung.*) Die Aufgabe, welche durch diese Bewegung gelöst werden sollte, war zunächst die, die bereits bestehenden sechs Kolonien so lange mit allem Nöthigen zu unterstützen, bis sie auf eigenen Füssen zu stehen vermöchten, und diese Unterstützung ist ihnen denn auch , was wohl kaum des Hervorhebens bedarf, in den letzten sechs Jahren ausreichend zu 1heil geworden. Wir wollen es unseren jüdischen Glaubensgenossen nicht zum besonderen Verdienst an rechnen, dass sie es vermochten, in diesen sechs Jahren ein paar Millionen Mark dafür auszugeben, um jene sechs Ansiedelungen lebensfähig zu erhalten und vier neue in Palästina zu begründen. Wir können auf die pekuniäre Seite dieser so wichtigen Frage umsoweniger stolz sein, als ja auch die Christen in England, Russland, Deutschland und Frankreich jahrein, jahraus grosse Summen für Palästina aufwenden, ohne dass ihre dortigen Interessen an Wichtigkeit mit den unserigen auch nur entfernt sich vergleichen lassen. Auf diese Geldfrage vermögen wir endlich um so weniger zu pochen, als ja der grösste Theil dessen, was an materiellen Mitteln zur Unterstützung der Kolonisten und zur Reorganisation palästinensischer Kolonien aufgewendet wurde, von dem grossen hochherzigen Protector, dem „NadiV' herrührte, jenem edlen Spross eines hundertjährigen Hauses, dessen einzelne Linien trotz Reichthum und Glanz ihre jüdische Abstammung niemals verleugnet haben, sondern die sich in Leid und Freud stets eins fühlten mit ihren armen verfolgten Glaubensgenossen. Wenn aber gerade diesen letzterwähnten Umstand die Gegner des jüdischen Kolonisationswerkes als Ausgangspunkt zu erneuten Angriffen nehmen, und darauf hinweisen, dass ja die ganze Angelegenheit hauptsächlich gestellt ist auf die zwei Augen eines jüdischen Millionärs, der allein mehr zur Konsolidirung der ersten Ansiedelungen in Palästina gethan hat, als sämmtliche Juden der ganzen Welt zusammen, können wir zur Entgegnung nur das Beispiel verhalten, weiches die jüdischen Kolonien in Nordamerika gewähren. Ueber- ~ *) S. Nr7502. reichlich flössen ihnen von allen Seiten die Unterstützungen zu, und dennoch konnten sie es nur zu einer ganz kurzen Dauer bringen, dennoch zeigten sie, dass sie den Todeskeim schon bei der Entstehung in sich aufgenommen hatten. Geldmittel allein genügen also hier auch nicht, es müssen zu dem finanziellen Elemente wohl noch andere hinzutreten. Es ist ein ganz anders geartetes Etwas, das die jüdischen Kolonien in Palästina bisher erhalten hat, und dieses Etwas lässt sich nur bezeichnen als die Macht der Ideen, welche neben den materiellen Verhältnissen bei der Gründung dieser Kolonien ausschlaggebend waren. Es war ein gewaltig wirkendes Ideal, das allein stark genug war, dass ihm zu Liebe die Kolonisten lieber auf ihrer undankbaren Scholle hungerten, als dass sie den einmal besetzten heiligen Boden wieder verlassen und preisgegeben hätten. Und dieses Ideal kann für den Juden nur gedeihen im Lande seiner Väter. Dann sei es uns, um jene Einwürfe zu widerlegen, nur gestattet, auf die Thatsache hinzuweisen, dass neben den durch jene Protection erhaltenen Kolonien Samarin, R osch-Pinah und Risch on-Lezion, sowie der mit ihrer Mitwirkung neugegründeten Kolonie Ekron, noch weitere sechs Kolonien in Palästina entstanden sind, nämlith: J e s s o d- H amaal ah, Pessach-Tikwah, Jehudia, sowie die neu gegründeten Dörfer Gadra, Wade 1-0 hanin und Bet h-J e h u d a, welche durch die Zähigkeit ihrer Bewohner und mit Hilfe der Unterstützungen, welche die grosse Masse jüdischer Zionsfreunde ihnen zu Theil werden Hessen, sich zu behaupten vermochten. Ausschlaggebend endlich ist noch ein weiteres, mehr moralisches — wenn wir sagen dürfen ethisches — Argument. Die reichen Juden sind ja schliesslich doch nicht weniger Angehörige der ganzen Glaubensgenossenschaft als die armen; die angeborene Neigung unserer Begüterten zu Wohlthaten und zum kräftigen Eingreifen für jüdische Ideen ist gewissermassen ein ideales Gut des ganzen Volkes, es ist dies ein wesentlicher Factor des Volksreichthums, mit dem man zu rechnen hat, wenn man das Ganze überschaut und

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