Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 20 (8.3.1894)
- Date
- 1894-03-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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ä60 geübte „Schächten" allen anderen Tödtungsarten vorzuziehen, weil es von allen die sicherste und schnellste ist, die Thiere dabei am wenigsten Schmerz empfinden und die Entblutung am vollständigen vor sich geht. Nachdem Sie nun auf Grund von mehrjährigen ausgedehnten eigenen Untersuchungen nicht allein zu eben jenem Ergebniß gelangt sind, sondern auch die praktisch sehr wichtige Thatsache durch genaue Versuche festgestellt haben, daß in hygienischer Hinsicht das Fleisch der geschachteten Thiere das anderer weit übertrifft, haben Sie sich ein unbestreitbares Verdienst erworben, zu dem ich Sie aufrichtig beglückwünsche. Ich bin zu wenig mit der Geschichte des Judenthums und dem jüdischen Ritus bekannt, um zu verstehen, weshalb an dem letzteren mit erstaunlicher Zähigkeit seit Jahrhunderten festgehalten wird, daß aber diese Consequenz physiologisch durchaus berechtigt erscheint, den humanen Bestrebungen des Thierschutzes bester entspricht, als das unsichere Verfahren der christlichen Metzger, und das Wohl der Nation mehr zu fördern geeignet ist, als dieses — das haben Sie bewiesen- Wenn Sie meinen, daß diese Anerkennung Ihrer gründlichen und mühevollen Arbeit derselben zur Empfehlung dienen und die Verbreitung Ihrer, wenigstens im ersten Theile auch dem Laien leicht verständlichen Schrift begünstigen kann, so steht der Veröffentlichung derselben nichts im Wege. In vorzüglicher Hochachtung Profeffor Dr. W. Preyer vd. Univ. Berlin. Wiesbaden, 20. Januar 1894. Um sich einen Begriff von der Vielseitigkeit der vorliegenden Schrift zu machen, genügt es aus dem reichen Jnhaltsverzeichniß derselben folgende Punkte herauszugreifen: 1. Die Schlachtmethode» vom Standpunkte der Humanität. Die verschiedenen Arten der Schlachtmethoden 1) Die jüdische Schlachtmethode. a) Eintritt der Bewußtlosigkeit. d) Das „Nachschneiden". o) Die epileptoiden Zuckungen. ä) Das „psychische" Moment. e) Das „ethische" Moment. 2) Die Betäubung durch Kopfschlag. 3) Die Bruneau'sche Schlachtmaske. 4) Die Siegmund'sche SchußmaSke. 5) Der Nackenstich. 6) Die Bouterolle. 7) Die englische patentirte Schlachtmethode. 8) Die Tödtung vermittelst Electricität. 9) Die Tödtung vermittelst Narcose. 10) DaS Guilotiniren. Allgemeine Betrachtungen. Berichte der schweizerischen Consuln in New- York und St. Petersburg. Die Anwendung der jüdischen Schlachtmethode durch christliche Metzger. 2. Die Schlachtmethoden vom Standpunkte der Hygiene. Die Haltbarkeit des Fleisches. Das Ausbluten bei den verschiedenen Schlachtmethoden. Die physykalischen und chemischen Eigenschaften der Muskeln. Der Eintritt der Starre bei den verschiedenen Schlachtmethoden. Die Lösung der Starre bei den verschiedenen Schlachtmethoden. Die Fäulnißproducte. Untersuchung des Fleisches auf Fäulnißproducte (Ammoniak.) Ursachen der längeren Haltbarkeit des Fleisches bei der jüdischen Schlachtmethode: 1) Die Quantität des im Organismus zurückgebliebenen Blutes. 2) Die schnelle Entfernung des Blutes während des Schächtens. 3) Die epileptoiden Zuckungen: a) Einfluß der Zuckungen auf die Milchsäure-Entwickelung. b) Verminderung des Alkalescenz des Blutes infolge der Zuckungen. c) Einfluß der Zuckungen auf die Austreibung des BluteS aus den kleinen Gefäßen. <l) Einfluß der Zuckungen auf den schnellen Eintritt der Starre. 4) Entfernung des Wassers aus den Muskeln bei der jüdischen Schlachtmethode. Die Nachtheile der Wafferanwendung für das Fleisch beim Schlachten mit vorheriger Betäubung. Das Plätzen der Blutgefäße bei der Betäubung. Schlußfolgerungen aus den chemisch-physiologischen Untersuchungen des Fleisches. 3. Die Schlachtfrage vom Standpunkte der Oekonomie. Resumö. — Schlußwort. Die Schlachtfrage und die Thierschutzvereine. Die Ergebnisse dieser sämmtlichen Forschungen faßt der Verfasser in folgendes Resmnö zusammen: Resnm«: Vorstehende Ausführungen fasse ich in folgende Thesen zusammen: 1. Vom Standpunkte des Thierschutzes gibt es keine humanere Schlachtmethode, als die jüdische, denn a) sie führt am schnellsten und am sichersten durch Anämie des Gehirns Bewußt- und Empfindungslosigkeit herbei (vgl. S. 6ff.); b) der Schnitt mit einem haarscharfen, schartenlosen Messer ist an sich schmerzlos und trifft am Halse wenig empfindsame Nervenfasern (vgl. S. 14). Das Fesseln und Niederlegen der Schlachtthiere zum Zwecke des „Schächtens" kann einerseits vermittelst der zahlreich vorhandenen Apparate leicht und völlig schmerzlos bewerkstelligt werden und hat andererseits den hohen Vorzug der Sicherheit für das Schlachtpersonal (vgl. S. 44ff.); 2. Vom Standpunkte der Hygiene gibt es keine rationellere Schlachtmethode als die jüdische, denn a) infolge der reichlichen und zumal der wesentlich schneller sich vollziehenden Ausblutung, sowie infolge der gegen Ende der Verblutung auftretenden epileptoiden Zuckungen wird im Organismus der geschächteten Thiere Milchsäure entwickelt, welche durch ihre weitere chemische Verbindung mit phosphorsaurem Kalium dieses in michsaures und saures phosphorsaures Kalium verwandelt; saures phosphorsaures Kalium aber verhindert die Entwickelung der Mikroorganismen, verzögert also die Bildung der Fäulnitzprodukte (Ptomaine, giftige Substanzen) und verleiht dem Fleische erhöhte Schmackhaftigkeit (vgl. S. 94 f.); b) infolge der epileptoiden Zuckungen wird das im Fleische zurückgebliebene Blut weniger alkalisch und - bildet auch deshalb einen weniger güngsten Boden für die Entwickelung der Batterien (vgl. S. 88.); e) infolge der epileptoiden Zuckungen ist das Fleisch mürber und hat ein beffereS Aussehen. 3. Vom Standpunkte der Zweckmäßigkeit gibt es keine empfehlenswerthere Schlachtmethode als die jüdische, denn a) durch das schnellere Eintreten der Starre wird das Fleisch früher genußfähig (vgl. S. 66); b) durch das spätere Eintreten der Fäulnis bleibt das