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Der Israelit · 1894-03-08 · Heft 20 (8.3.1894) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 20 (8.3.1894)
Date
1894-03-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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:.' •. v 1 rr-st— 861 Fleisch auch im Sommer 2—3 Tage länger genußfähig (vgl. S. 78): c) durch den wesentlich geringeren Gehalt an Blut und Wasser im Fleische geschächteter Thiere wird der Käufer weniger benachtheiligt (vgl. S- 101). Wir müssen es uns leider versagen, auf die hochinteressanten Details des ganzen genial angelegten und durchgeführten Ensembles hier einzugehen. In Nr. 9 des „Israelit" ist an dieser Stelle auf die Fälschung hingewiesen worden, mit welcher die Thierschützer den Namen von Du Bots-Reymond als Staffage für ihre Darstellung von der Verwerflichkeit des Schächtens mißbrauchen. — Es ist das Verdienst der vorliegenden Schritt, diese und ähnliche Betrügereien aktenmäßtg als solche nachgewiesen zu haben. — Der betr. Passus charakterisirt die Gegner des Schächtens so trefflich, daß wir uns nicht versagen können, ihn im Wortlaut folgen zu lassen: „In den Nummern 35 und 37 der im Namen des Berliner ThierschutzvereinS verbreiteten Flugblätter werden die angeblichen Untersuchungen berühmter Professoren, wie z. B. des Geheimen Regierung?- und Medizinalraths, Professors der Physiologie Du Bois-Reymond in Berlin, des Prof. Bronardel in Paris u. A. mitgetheilt. Als ich diese Flugblätter las, war es mir unbegreiflich, wie diese hochgelehrten Männer solche, den fundamentalen Grundsätzen der Physiologie, der Medicin und der Hygiene widersprechende Ungereimtheiten haben behaupten können. Da ich mich selbst mit den betreffenden Fragen beschäftigt und ganz entgegengesetzte Resultate erhalten hatte, wandte ich mich brieflich zunächst an den Herrn Prof. Du BoiL-Reymond mit der Bitte um freundliche Mitt eilung, durch welche Untersuchungen er zu solchen Schlüssen gekommen sei, wie sie vom Berliner Thierschutzverein in seinem Namen veröffentlicht werden. Als Antwort erhielt ich folgenden, von dem gefeierten Gelehrten eigenhändig geschriebenen Brief: Berlin, 2. November 1893. Dem Hofrath Herrn Dr. I. Dembo aus Petersburg. Geehrtester Herr Doctor! In der mir von Ihnen gütigst mitgetheilten Nummer 35 des Blattes des Berliner Thierschutz-Bereines findet sich gesperrt gedruckt folgende Behauptung: „Die außerordentlich wichtige Thatsache, daß das Fleisch von Thieren, die vor und bei dem Schlachten geängstigt und gequält wurden, sich in nachtheiliger gesundheitsgefährlicher Weise verändert, ist durch gründliche wissenschaftliche Untersuchungen, besonders von dem bekannten Physiologen Du Bois-Reymond nachgewiesen worden. Das Fleisch dieser Thiere verdirbt früher und zeigt besonders beim Einpökeln seine nachtheiligen Veränderungen." Ebenso heißt es dann in Nr. 37: „Die Untersuchungen des Physiologen Du Bois-Reymond haben das bestimmte Resultat geliefert, daß durch Aengstigung und Quälerei der Thiere in dem Blute derselben eine höchst nachtheilige Veränderung eintritl, wodurch die Annahme bestätigt wird, daß bei Schlachtthieren, die ohne vorherige Betäubung getödtet werden, das Blut durch die Schmerzen und die Todesangst in einen fieberhaften Zustand kommt, der das Fleisch ungesund macht." Ihrem Wunsche gemäß erkläre ich hiermit und ermächtige Sie von dieser Aussage jeden beliebigen Gebrauch zu machen, daß die obigen Angaben, soweit sie mich betreffen, vollständig aus der Luft gegriffen sind. Ich habe solche Untersuchungen, wie sie mir darin zugeschrieben werden, nie angestellt, und halte sie für sinnlos und ihr angebliches Ergebnis; für falsch. Hochachtungsvoll ergebenst E. du Bois-Reymond. Herr Professor Brouardel in Paris, auf den die Herren Thierschützer sich, wie gesagt, gleichfalls berufen hatten, schreibt: Paris, 7. November 1893. Faculte de Medecine. Geehrtester Herr College! Ich habe mich niemals über das Viehschlachten geäußert und habe niemals auf dessen Consequenzen hingewiesen. Sie können die diesbezüglichen Behauptungen dementiren. Diese Proben dürften genügen, um die Bedeutung dieser Schrift, gerade für unsere Zeit, zu veranschaulichen. Sie eignet sich, wie kaum eine zweite, um in der Bewegung gegen das Schächten die Machinationen der Gegner zu enthüllen. Aber sie enthält auch für die Vertheidiger des Schächtens eine ungeahnte Fülle neuer Momente, deren Zusammenstellung sich zu einem wahren Ktddusch- Haschem gestaltet. Wir möchten daher unsere geneigten Leser recht angelegentlich auf das Buch selbst verweisen — der Preis desselben beträgt 3 Mark — und sind überzeugt, daß es Niemand unbefriedigt aus der Hand legen wird. Jede Gemeinde, wenn auch noch so klein, sollte sich einige Exemplare dieser Schrift kommen lassen. Die blank jgeschliffenen Waffen dieses reichlichen Arsenals werden uns unbezahlbare Dienste in dem Kampfe leisten, der uns für unsere Schechita in diesen Tagen von allen Setten aufgedrängt wird. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzeu. Deutschland. Hamburg, 5. März. Durch die bochherzige Spende eines edlen Menschenfreundes ist es gelungen, eine der schönsten Wohlthätigkeits-Einrichtungen ins Leben zu rufen. Derselbe hat durch Ueberweisung eines größeren Capitals den Grund zu einer Stiftung gelegt, die den Zweck haben soll, „kranken Glaubensgenossen die Mittel zu gewähren, zur Heilung ihrer Leiden einen ärztlich vorgeschriebenen Kurort aufsuchen zu können". Der Vorstand der Deutsch-Israelitischen Gemeinde, in voller Würdigung der geplanten Institution und um mit gutem Beispiel voranzugehen, hat sich bereit erklärt, eine namhafte Summe jährlich beizusteuern, damit dieses Werk, welches auf Wunsch des Stifters den Namen Theresien - Stiftung zur Unterstützung kurbedürftiger Israeliten führen wird, möglichst den zu erwartenden Anforderungen genügen könne. Es ist bereits dem Vorstand der Stiftung gelungen, mit Direktoren, Aerzten und Badeverwaltungen der wichtigsten und besuchtesten Heilquellen in Verbindung zu treten, um für die Schützlinge nicht nur Line angemessene Reduction der Kosten zu erlangen, sondern auch der ausreichenden Obsorge

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