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Der Israelit · 1894-03-08 · Heft 20 (8.3.1894) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 20 (8.3.1894)
Date
1894-03-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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358 Trauernd verhüllen die Schutzengel der Menschen ihr Antlitz an solchem Tage. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich durch ganz Frankfurt die Kunde von dem ungeheueren Schlage, den Lilienthal geführt; die Nachricht von den ungezählten Millionen, die er gewonnen. Alles sprach davon; nicht allein die, die sich sonst auch für die Börse interessirten, nein, jeder Mensch, selbst die Damen in den Gesellschaften und Kaffeekränzchen redeten nur von der einen kolossalen Neuigkeit. Selbst die Dienstboten sprachen davon und die Ausläufer der Geschäfte blieben auf den Straßen bei einander stehen, um sich über das ungeheuere Tagesereigniß zu unterhalten. Noch am Abend desselben Tages begab sich Lilienthal zu dem Bankier und wiederholte nun nochmals seine Werbung um Feodora. Zu seinem großen Erstaunen aber wurde er von Berkheim nicht so empfangen, wie er gedacht. Der solide Bankier erklärte ihm mit klaren, dürren Worten, daß die Sache nicht mit rechten Dingen zugehen könne, daß hier irgend eine Unredlichkeit oder ein Vertrauensbruch obwalten müsse und daß so unrechtmäßig erworbenes Geld genau so wieder verloren zu gehen pflege, wie es gewonnen wäre; *) uw ’itrD VD2D2 nwp, sagte er ihm, ja Berkheim sagte es an Lilienthal geradezu heraus, daß er es von nun ab nicht mehr wünsche, daß der junge Mann in seinem Hause verkehre. Ltlienthal war ungemein erschrocken hierüber. „Sie gaben mir vor einigen Wochen den Bescheid", sagte er, „daß ich Ihnen willkommen wäre, *) Wer Reichthum erwirbt und nicht mit Recht, in der Mitte seiner Tage wird er ihn verlassen. (Jerem. 17. 11.) wenn es mir gelänge die Liebe Feodoras zu erwerben." „Willkommen habe ich nicht gesagt", entgegnete der Bankier schroff, „aber bitte, gehen Sie nur zu meiner Tochter und bringen Sie Ihre Werbung an", und mit schneidendem Hohn fügte Berkheim hinzu: „Ihre Antwort soll auch die Meine sein!" Wußte er doch, daß Feodora ihn unmöglich erhören konnte, da sie ja mit Profeffor Südländer heimlich verlobt war. Und Lilienthal stieg zu Feodora empor. Sie empfing ihn mit bestrickender Liebenswürdigkeit und Freundlichkeit; sie hatte von seinen ungeheuren Erfolgen schon gehört und der Klang deS vielen Goldes berauschte sie. Einen Augenblick fuhr es ihr durch die Gedanken, ob es nicht vielleicht thöricht gewesen war, die Verlobung mit Südländer einzugehen, ob es nicht vielleicht bester wäre, ihn noch jetzt zurückzuweisen und dafür die Hand dieses Mannes zu nehmen, der über solch unermeßliche Schätze verfügte. Was würde sie beginnen können, wenn sie Königin dieser Millionen wäre; würde dann nicht alles vor ihr im Staube liegen! Würde sie nicht einer wahren Königin vergleichbar sein?! Was war dagegen die Frau eines Gelehrten! Und so sprach sie denn zu Ltlienthal etwa derart, wie sie seiner Zeit, als sich noch der Graf um sie bewarb, zu dem Profeffor gesprochen hatte: „Ich kann Ihnen heute noch keine bestimmte Auskunft geben, mein lieber Herr Ltlienthal, aber hoffen Sie das Beste und kommen Sie recht, recht oft zu uns, denn ich plaudere gerne mit Ihnen." Und ihre Augen fügten noch hinzu, was die Lippen nicht aussprachen. (Fortsetzung folgt.) Der „I 8 r a e 1 i t" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgang? für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch de« Buchhandel jtt beziehen bei E. $. Ktrtuackrr, Leipzig, Drßplatz 18. — Inserate 2b Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut CourS. — Direkte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für'S Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Gi«e Rücksendung von an die Redaetiou eiugesandten Mauuscripteu findet nicht statt, mau bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Copie zurückzubehalten. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Moderne Märtyrer (Schluß). — Eine talmudisch-grammatifche These. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Dresden. München. Wreschen. — Oesterr.-Ungar. Monarchie : Graz. — Rußland: Petersburg. Brussilow. Warschau. — Vermischtes. — Feuilleton: Im Wahne deS Glücks (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Die neueste und glänzendste Ehrenrettung des SchächtenS. — Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen: Deutschland: Hamburg. — Berichtigung. Inhalt der zweiten Beilage: Leitender Artikel: Marco Mortara. —Zeitungsnachrichten u. Correspondenzen/: Deutschland: Mainz. Berlin. — Italien: Modena. — Vermischtes. — Sprechsaal. Inhalt der Extra-Beilage: Spenden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des ,Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hosbuchdruckerei-Actien-Gesellschast in Mainz. Hierz« drei Beilage«.

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