Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 19 (5.3.1894)
- Date
- 1894-03-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2448412-2448430--38094-2486189- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
i[|pi|l!Jjppjpp|pipff ifJJl,^ M ^MWWWWWWWWWWM m 840 nung, wonach der Advokatenftand eines jeden Gerichtsbezirkes nur fünf Procent Juden aufwetsen darf, der Gerechtigkeit hohnspreche. Während der drei Decennien seit der Einführung der Gerichisreformen Czar Alexanders II. seien die jüdischen Advokaten der Entwicklung der Justizpflege im Reiche in hohem Maße nützlich gewesen. Die Aeußerungen eines russischen Justizministers sind von so großer Bedeutung für die Stellung der russischen Justiz zu den Juden überhaupt. Wie Sie sehen, bedarf es nicht eines ausgesprochenen Judenfreundes, um Gerechtigkeit den Juden gegenüber walten zu lassen; es genügt, wenn man es nur unterläßt, Recht und Gerechtigkeit mit Füßen zu treten. (Fr. Bl.) Italien. Bologna, 22. Febr. Auf Befehl seiner geistlichen Vorgesetzten hält jetzt der bekannte Pater Edgardo Mortara hier in seiner Vaterstadt und zwar in der Salvatorkirche, in der er vor dreiunddreißig Jahren gewaltsam getauft wurde, die Fastenpredigten, die immer sehr gut besucht sind. Zur Ehre des Paters sei jedoch hier sogleich bemerkt, daß derselbe in seinen Predigten jede Anspielung auf das Judenthum und die jüdische Religion unterläßt und in denselben immer nur christliche Themata erörtert. Auch schämt sich der Pater nicht, hie und da einem seiner jüd. Anverwandten hier einen Besuch abzustatten. Dessen Mutter dagegen, die schon seit Jahren verwittwet ist, lebt in Modena, wo sie einen streng religiösen Lebenswandel führt. Pater Mortara ißt kein Fleisch, angeblich, weil er Vegetarianer ist, und lebt er daher fast ausschließlich von Brot, Milch, Obst, Früchten u. dgl. > Vermischtes. < Aus Hessen. Wenn die Leistungen einer Schule nicht zum Mindesten nach den Erfolgen zu beurtheilen sind, welche die dieselbe verlassenden Zöglinge erzielen, so kann das weithin bekannte, seit fast vier Jahrzehnten bestehende Lehr- und Erziehungs-Institut zu Pfungstadt den besten und am Erfolgreichsten wirkenden öffentlichen und privaten Anstalten an die Seite gestellt werden. Nachdem bereits früher eine größere Anzahl von Schülern nach Beendigung der Anstalt sich dem Kaufmannsstande gewidmet. andere in obere Klassen höherer Schulen eingetreten, um sich dem Universitätsstudium zu widmen, andere wiederum, und zwar in größerer Zahl, den Lehrerberuf gewählt hatten, find in letzter Zeit mehrere Zöglinge als Hörer in technische Hochschulen eingetreten, und alle füllen, wie allgemein bestätigt wird, ihren Posten vollständig aus und finden die ungelheilte Anerkennung ihres Vorgesetzten. Dies ist wohl der beste Beweis dafür, daß die Anstalt es versteht, Jünglinge herauzubilden, die mit religiöser Gewissenhaftigkeit gründliche allgemeine Bildung und Liebe zu allem Guten und Schönen verbinden. Ehre einer solchen Anstalt! Oberdorf im Ries. Wenn unsere Weisen sagen : üKTi ncfi'iy pna riN’S’ „Der Weggang eines Frommen hinterläßt eine fühlbare Lücke" — so ist dies leider in unserer Zeit um so mehr der Fall, als in den meisten Gemeinden besonders auch die Frauen selten werden, welche in Wahrheit verdienen, eine rrnom nyua nttfN genannt zu werden, wie Frau Dolz H eimann W7\“yr Wittwe des H. L. Heimann Kaufmannes dahier, welche TIN 'D 'n DV im Alter von nahezu 85 Jahren sanft entschlief und UV msn 's begraben wurde. Sie beobachtete bis zu ihrem Ende alle Fasttage, und während sie für ihre eigene Person sehr anspruchslos und sparsam war, übte sie np“iä pDn nü’DJi in reichlichem Maße riNQ HTTW nmsttfD »nm 7N->L" >P>N. nin> L"N. Feuilleton. Im Mahne des Glücks. (19. Fortsetzung.) Mit einem Sprunge war Lilienthal aus dem Bett. „Sollte dies vielleicht das Glück sein, das an seine Thüre pochte?" Er mußte selbst lachen über sich, er hatte sich so verwirrt in seinen Mtllionentraum, daß er gar nichts hören und sehen Ikonnte, was er nicht mit demselben in Zusammenhang bringen mußte. Er selbst öffnete erregt die Hausthüre; der Depeschen-Bote stand davor. „Warten Sie auf Antwort", stammelte Lilien« thal, während er mit zitternden Händen das Telegramm erbrach. Es war eine ganz unwichtige Nachricht. Einer seiner Makler an einer auswärtigen Börse fragte ihn an, ober die gegebenen Kaufordres ausführen sollte, obgleich alles in Baissestimmung war und ein weiteres Zurückgehen der Papiere angenommen werden konnte. Der Depeschenbote mußte mit auf Lilienthals Zimmer gehen, damit er die Antwort gleich in Empfang nehmen könnte. „Beeilen Sie sich", sagte der Mann, „ich habe noch eine andere Depesche zu überbringen, zwei Häuser von hier, dem russischen Konsul." Er hielt das Täschchen unter dem Arm, in welchem sich die andere Depesche befand. Mit gierigen Blicken verschlang Lilienthal die alte, schwärzliche Tasche des Postboten. Wer hätte wissen können, welch eine Depesche an den russischen Konsul darin war?! Vielleicht irgend eine sehr wichtige, politische Nachricht, die es veranlaßte, daß die Papiere noch weiter fielen oder etwa mit einem Schlage in die Höhe gingen. Eine geradezu fieberhafte Sehnsucht bemächtigte sich des jungen Börsenspekulanten, wenn er bedachte, daß in dieser schlichten Hülle vielleicht das Glück lag; daß er Millionen und Millionen erringen