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Der Israelit · 1894-03-05 · Heft 19 (5.3.1894) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 19 (5.3.1894)
Date
1894-03-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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*«** \\VH' ,■.» »JJF-J, 338 solche Beleidigungen gegen die Rabbinen Jerusalems zu schleudern, und hätte den Kampf nicht eröffnet, ohne beide Seiten anzuhören. Ich vermag es nicht zu verstehen, wie er als gottesfürchtiqer Mann, Sohn eines Führers in Israel, so flüchtig die Feder zu führen vermag. — Ich kann nichts weiter zu dem Gesagten hinzufügen, als den Wunsch, daß Gott in seiner Barmherzigkeit seines Volkes und der Elenden, die im Mangel verkommen, erbarmen, Frieden uns spenden und in unser Herz Liebe und Brudertreue etnpflanzen möge. Dann werden wir zu dergleichen nicht mehr kommen." (Schluß folgt.) Zeit«ngS«achrichterr und Correfpondenzerr Deutschland. Berlin, 20. Februar. Der „Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", gezeichnet Dr. Mendelssohn, hat jüngst gegen das Deutsche Wirthshaus von Beyer in der Kronenstraße eine Denunziation erlassen. In dieser Denunziation wird etwa folgendes ausgeführt: In letzter Zeit haben von den antisemitischen Parteien so grobe Ausschreitungen gegen „deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens" in Wort und Schrift stattgefunden, daß der genannte Verein nicht anders kann, als gegen diese umstürzlerischen, anarchistischen Aufreizungen ganz energisch vorzugehen. In der Kronenftr, 12/13 hat nun ein gewisser Bayer ein Deutsches Wirlhshaus errichtet, wo die Aufreizung systematisch betrieben wird. Der Kanzlist Kasimir hat eines Tages das Lokal betreten und wurde demselben ein Exemplar antisemitischer Lieder überreicht; in diesen Liedern ist die schärfste Klaffenaufretzung zu finden. Hauptsächlich findet der oben genannte Verein Grund zur Denunziation im vierten Verse des dritten Liedes, wo es heißt: „Nehmt die ganze Judenbande, werft sie in den Rhein hinein." — Der Staatsanwalt hat (wie der Ahlwardt - Moniteur miltheill) in dem Verse jedoch eine Aufreizung zum Klassenhaß nicht finden können und die Strafveifolgung abgelehnt. Der angezogene Vers sei nichts weiter, als ein Kuplet, das überall (??) auf Bühnen und in Konzerlhäusern gesungen werde. Kein Mensch werde in diesem Verse ernstlich eine Aufforderung zu Gewaltlhättgkeiten gegen die Juden erblicken und der Vers könne auch aus dem Grunde nicht ernst genommen, müsse vielmehr nur als Scherz aufgefaßt werden, weil es wohl nicht gut möglich sei, daß alle Juden nach dem Rhein gebracht und in denselben htneingeworfen würden. Aus diesen Gründen ist die Denunziation des Herrn Mendelssohn zurückzuweisen. — Sehr schön! Hiernach darf sich also auch ein demokratisches Blatt den „Scherz" erlauben, seinen Anhängern zuzurufenj: „Nehmt die ganze Junkerbande (oder Pfaffenbande, oder was man sonst will) und werft sie in die Spree (die Havel rc.) hinein." Niemand dürfte in der Lage sein, sämmtliche Junker und Pfaffen nach Berlin und Potsdam zu schaffen und ihnen dort ein nasses Grab zu bereiten! Vielleicht merken sich diese Auffassung die Vertheidiger von Anarchisten bei den jetzt so zahlreichen Prozessen wegen Aufreizung zu Gewaltthättgketten. Posen, 22. Febr. Es ist ein Zeichen politischen Niedergangs, wenn eine Partei für die Ideen und Bestrebungen der andern nach unlauteren Motiven sucht. Es ist betrübend, zu sehen, wie die Antisemiten selbst in dem rechtlich vornehmsten Juden den Schurken sehen, und es ist andererseits Unrecht, jedem Antisemiten für seine Gesinnung nur unreine Beweggründe unterzuschieben. Zu den Aeußerungen dieser gegenseitigen Verhetzung gehört es, den großen Männern, die für die Juden eingetreten sind, Bestechlichkeit vorzuwerfen. Einen neuen Beitrag dafür liefert eine treffliche Rede, die der jüdische Redakteur Georg Wolff im Interesse der Abwehr gegen die Antisemiten in Velten gehalten hat. Vor etwa 1000 Personen, vor einem antisemitischen Bureau, widerlegte er die Unwahrheiten der Antisemiten und sagte unter anderem: Durch Edict vom 11. März 1812 wurde zum ersten Male den Juden der Eintritt in das preußische Heer überhaupt erlaubt. Damals war Preußen, wie Sie wissen, so spärlich bevölkert und so heruntergekommen, besonders aber die wenigen Juden waren noch infolge Jahrhunderte langer Unterdrückung in so elender Verfassung, daß man kaum hätte glauben sollen, sie würden ssch freiwillig zum Eintritt in das Herr melden. Dennoch — bitte, passen Sie jetzt ganz genau auf, meine Herren Antisemiten! — folgten unverzüglich 5O0 jüdische Freiwillige dem Aufruf des Königs: „An mein Volk!" Ueber die Führung dieser jüdischen Freiwilligen sagt ein Rescript des Staatskanzlers Fürsten von Hardenberg Folgendes: Vorsitzender (unterbrechend): „„Hardenberg war von den Juden bestochen!!!""" (Große Sensation.) Red. Wolff: Ich danke Ihnen, Hr. Vorsitzender, ich danke Ihnen für diese werthvolle Bereicherung der vaterländischen Geschichte! Meine Herren! Hier sehen Sie es wieder, noch ehe ich Ihnen das Rescript des Ministers Hardenberg vorgelesen habe, erklärt dieser — Herr, um die Wirkung abzuschwächen, den Mann für bestochen von den Juden! Vielleicht war er sogar damaliger Direktor der „Judenschutztruppe?" Meine Herren! Einen Mann, von dem schon

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