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Der Israelit · 1894-03-05 · Heft 19 (5.3.1894) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 19 (5.3.1894)
Date
1894-03-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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336 von den Gegnern gegen Unschuldige angesponnen wurde: Nr. 1. Brief Sr. Ehrw. des Herrn OberrabbinersSamuel Salant »"j vom 17. Schewat. (Nach den Eingangsworten): Am Freitag, 15. KiSlew erschien eine Nummer des „Hazewi", die sofort über die ganze Stadt verbreitet und auch nach auswärts verschickt wurde. Darauf kamen am Samstag, 16. Kislew viele Männer zu mir, in großer Angst und Aufregung und sagten: „Wie bekannt werden alle Zeitschriften, besonders aber die hier erscheinenden, in Konstantinopel und hier von der Censur revidirt; wer weiß, welches Unheil die im „Hazewi" gedruckten Redensarten, von „dem Blute Juda's, das in unfern Adern fließen möge", daß „wir für Dertheidtgung unseres und unserer Ehre eintreten", daß wir „zur Liebe unseres Volkes unddeSLandeSunsererVäteruns begeistern", daß wir „ein Heer sammeln und vorrücken sollten", welches Unheil diese Redensarten anrichten*) werden." Darauf antwortete ich ihnen, ich könne in dieser Sache nichts thun. Und am anderen Morgen, am Sonntag, kamen wiederum Männer, darunter sehr angesehene, zu mir und erzählten, daß der Artikel des „Hazewi" bereits in Händen der Behörden, ja sogar schon in den Händen des Pascha-Gouverneurs sei, und daß die Gesammtheit G. b. dafür zu büßen haben werde, denn jene nähmen an, daß der Artikel die Ansichten der Gemeinde und der Rabbiner wiedersptegele. Während sie noch aufgeregt sprachen, kam unser Sekretär, Riwlin, wie gewöhnlich am Sonntag, um die Eingänge zu erledigen. Darauf bat ich ihn, zum Chacham-Baschi zu gehen und ihn in meinem Namen zu ersuchen, sich bezüglich des Regenmangels, der damals herrschte, zu äußern, und die Landleute zu befragen, ob der wenige in der Vorwoche gefallene Regen genüge, daß kein Faststag festgesetzt zu werden brauche. Ferner sollte er den Chacham nach seiner Meinung über den Artikel des „Hazewi" befragen. Nach *) Sinnt, d. Red.: Der betreffende PassuS des Artikels lautet wörtlich folgendermaßen: Wir wenden uns diesem Helden (Juda Makahi) nicht zu, um von ihm zu lernen, auch in uni heilige Regungen zu erwecken, daß auch wir mit starkem Herzen und voller Begeisterung unsere Nation und dar Land unserer Väter lieben, daß wir uns gegenseitig ermuthigen, eines Herzens und eines Willens zu sein, wo eS sich um unsere Neubelebung handelt, Alles aufzubieten, um nicht zu verzweifeln aus Furcht vor Ungemach, unsere Ehre zu schonen, unser Leben zu vertheidigen, ein Heer zu sammeln, um vorwärts zu schreiten, vorwärts, und nicht, wie ein Krebs, rückwärts — und daß in unseren Adern mehr oder weniger pulsiere daS Blut dieses Helden, welches er für sein Volk und Vaterland vergossen hat, welches aber in der Geschichte noch warm geblieben ist — würden wir daS thun, dvnn könnten wir in der That Gott preisen, der unS erleben ließ und erhalte« hat und erreichen lieh diese Zeit.' — einigen Stunden kam Herr Riwlin zurück und berichtete, daß auch der Chacham von dem Fasttage abstehe; was aber den „Hazewi" angehe, so hatte der Chacham ihn noch nicht zu Gesichte bekommen, aber die anderen sephardischen Rabbtnen, die wegen der Regen-Angelegenheit anwesend waren, sagten, daß von dem Artikel der Gesammtheit Gefahr drohe G. b., und sie zeigten dem Chacham den Artikel. Und als er ihn las, erschrak auch er und befahl seinem Sekretär mit dem Blatte zum Cenfor zu gehen und unter der Hand zu erfahren, ob er von dem Artikel nichts wisse, dann wäre es gut; sollte er aber merken, daß jene schon etwas davon wüßten, dann solle er sagen, er sei vom Chacham- Baschi abgesandt, um ihm den Hazewi zu bringen und zu erklären, daß weder er noch einer von uns etwas von dem Artikel gewußt habe. Als jener zurückkam, berichtete er, er habe, als er hinkam, den Obercensor nicht angetroffen und erfahren, daß er zum Pascha gegangen sei. Er wartete seine Rückkunft ab, und sowie er hereintrat, sah er ihn voller Zorn an und sagte: „Da sieh, was die Juden planen?" Darauf antwortete er ihm: „Gerade deßwegen bin ich ja im Aufträge des Chacham-Baschi hier, um dir den Hazewi zu zeigen und die Verantwortung dafür abzulehnen". Daraus sagte der Obercensor: „Wenn dem so ist, dann muß in höchster Eile folgender Protest*) gedruckt werden". Darauf ließ der Chacham den Protest abfassen, Unterzeichnete und schickte mir ihn durch seinen Diener zu. Ich unterschrieb und schickte ihn zurück. Dies der Thatbestand. — Was endlich den betr. Redakteur angeht, der angeblich im Kerker schmachtet, so ist dies erlogen. Allerdings ist er zu einem Jahre Haft verurtheilt, aber er hat die Erlaubniß zu appelliren erhalten und sitzt z. Z. ruhig und behaglich in seinem Hause, erhält von allerorten Unterstützung und viele verwandten sich für ihn, so daß *) Derselbe lautet in Uebersetzung: Offener Protest. Hierdurch kund und zu wissen, daß der Inhalt de8 Artikels in Nr. 10 deS Hazewi vom 15. d. M. mit dem Titel lllw N1LI2, gezeichnet nicht unsere Ansicht wiedergiebt und ohne unser Wissen geschrieben wurde, wie wir denn von jenem Blatte nichts wußten, bis wir es gedruckt sahen. Und als wir diese verwerflichen Dinge lasen, wurden wir mit Schmerz darüber erfüllt, daß unter uns ein Mann sich finden konnte, der so Ungeheuerliches schafft und druckt. Und so legen wir denn im Namen aller Bewohner des hl. L. dagegen Verwahrung ein. Und weiter erklären wir rückhaltslos, daß wir, wie alle Israeliten, die im Schutze der glorreichen Herrschaft des Sultans, unseres Herrn und König?, in Ruhe sitzen, unserem Herrscher und seinen Behöroen, die für Recht sorgen, treue Diener sind und keine Verantwortung für den Inhalt jenes Artikels übernehmen, weder wir noch sonst jemand außer dem Verfasser, und daß wir auch für die sonstigen Veröffentlichungen des Hazewi keine Verantwortung tragen. Friede über Israel. Jakob Saul Gljaschar (Chacham Vaschi); Samuel Salant.

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