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Der Israelit · 1894-03-01 · Heft 18 (1.3.1894) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 18 (1.3.1894)
Date
1894-03-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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' 1-T, •■WTSI'W ssspw ä24 bem Wege gehen wollen. „Unsere Hände haben dieses Blut nicht vergossen", wollen wir dermaleinst mit gutem Gewissen vor unserem Richter ausrufen können, wenn von uns Rechenschaft für die Seelen, die dort gemordet werden sollen, gefordert, wenn für den frommen Kinderglauben, den mit Geld zu ersticken man dort sich anschickt, Klage gegen unS geführt wird! Und ferner, glaubt man im Ernste, daß das böse Beispiel, welches die — wenigstens der Zahl nach — größte Gemeinde des Landes gibt, nicht da und dort Nachahmung finden werden? Kehren Pest und Ansteckungsgefahr sich viel an die Schlagbäume der Städte? Und werden die mit Hilfe jenes fluchwürdigen Geldes zum Glaubenshaffe erzogenen Elemente den Giftstoff, den sie ausgenommen, nicht allerorten hin verbreiten? De nobii »gitur, unsere heiligsten Interessen stehen auf dem Spiele, und wir sollten schweigen? Allzulange fürwahr — in reumüthigem Bekennen laßt an die eigene Brust uns schlagen — allzulange haben wir geschwiegen. Dank einer Toleranz, die wir Gegnern gegenüber übten, denen das Wort doch nur leerer Schall war, sind wir Schritt für Schritt von jener Weltanschauung, die in der Sabbatentweihung ein ehrenrühriges Vergehen sah, zu jener anderen zurückgewichen, die dem niv k>n des Glaubensbruders mit einer Ruhe und Gelassenheit gegenübersteht, die daran zweifeln lassen müssen, ob wirklich noch etwas von dem Geiste jenes Mannes in uns, den Epigonen, lebt, der da in heißem Selbstringen ausrief: „Geeifert habe ich für den Ewigen, den Gott Zebaoth, denn es haben verlassen Deinen Bund die Kinder Israels, haben Deine Altäre niedergerissen." Von Tag zu Tag wächst der Abfall; aber keine Stimme ertönt zu kräftiger Mahnung, kein Protest wird laut, wenn die Abgefallenen als Vertreter und erwählte Repräsentanten der Religion auftraten und figurirten, die sie geflissentlich verletzten und deren Gebot sie mit Füßen traten. Niemand empfand es störend, oder auch nur auffällig, wenn zur Leitung gerade der größten Gemeinde diejenigen den meisten Beruf in sich verspürten, welche mit ihren Familien längst außerhalb des Judenthums standen und bei jeder Gelegenheit ihrer Erhabenheit über die engen Schranken konfessionellen Ceremonialwesens den konvenabelsten Ausdruck gaben. Ein Gefühl der Beschämung muß uns bet Vergleichungen mit den Zuständen anderer Confesstonen und ihrer Verwaltungen erfüllen. Ob wohl in einem protestantischen oder gar in einem katholischen Gemeindevorstande Platz für Männer wäre, die eine Prämie auf die Entweihung der Sonntagsheiligung aussetzten, die geflissentlich sich bestrebten, allerorten auszuweichen, wo ein frankes, freies Bekenntniß zu der Religion, die sie vertreten, gefordert wird, ob nicht ein Sturm des Unwillens solche Männer von ihrem Platze fortwehen und sie dem verdienten Ruhestände überantworten würde! Und wir? Wir finden wohl gar nicht Worte genug, das „jüdische Herz" und das rege Interesse der Männer zu rühmen und zu preisen, die zwar öffentlich trefah essen und die Havannah am Samstag rauchen, aber dennoch sich den schweren Entschluß abringen, ihre karg bemessene Ruhezeit durch Verwaltungsangelegenheiten der Gemeinde freiwillig zu verkürzen. Und die empfindsamen Herzen schmelzen darob in Rührung — und wundern sich, wenn die Herren beschließen, arme Kinder für den Verlust ihrer Sabbatruhe durch Geld zu entschädigen. Merkst Du, biederer Philister, deun nicht, daß auch hier Dein vtelgerühmtes „jüdisches Herz" ins Spiel tritt? Wenn im alten Judäa das Synhedrion über eine Gotteslästerung zu befinden hatte, dann mußten zum Schlüße alle Anwesenden, bis auf Richter und Zeugen abtreten, damit kein entbehrlicher Zuhörer anwesend wäre, wenn die Zeugen die unerhörten Worte der Lästerung nachsprachen. Die Anwesenden alle aber zerrissen ihre Kleider in Scham zugleich und Trauer darüber, daß sie das Loos getroffen, so unselige That zu erleben und zu erfahren. Wurde, so lange es ein Gottesgesetz vom Sinai gibt, eine ärgere Gotteslästerung gewagt, als an jenem Tage, da eine jüdische Gemeindevertretung sich bereit erklärte, das Grundgesetz Israels, die Sabbatheiligung zu zerstören durch schnödes Geld? Ist es mehr als ein morsches Gewand, was uns auf religiösem Gebiete mit den Männern verbindet, die die ihnen übertragene Macht benutzten, um Zerstörungsgeräthe zu schaffen in dem Kampfe gegen Gott und seine Thora? Wohlan, auf, warum schläfst Du, Israel? In tausendstimmigem Widerhall, vom Westen zum Osten, vom Süden zum Norden erschalle der Ruf, daß zerrissen ist das fadenscheinige Kleid, welches diejenigen, die noch glauben an das unverbrüchliche Gottesgesetz vom Sinai mit den Helden jenes Beschlusses verbindet, daß wir keinerlei religiöse Gemeinschaft mit ihnen wollen! Vielleicht, daß danu auch im Schoße der Berliner Gemeinde die Elemente, die die Tragweite jenes Beschlusses noch nicht erkannt zu haben scheinen, zu einem festen Entschlüsse sich aufraffen und statt papierner Adressen zu der allein angemessenen That, dem „Los von jenen Männern" sich aufraffen. Auch ihnen darum gilt unser Ruf: Auf, warum schläfst Du? Auf, was noch jüdisch fühlt in der Berliner Gemeinde! Habt Ihr noch Theil und Erbe in dem Hause Eurer Väter, wo man den Väterglauben um

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