Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 18 (1.3.1894)
- Date
- 1894-03-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Geld feil hat? Verbindet in Eurem religiösen Empfinden ein Anderes Euch mit den Helden jenes Beschlusses als allein die Erinnerung an der Väter gemeinsame Ruhestätte? Nun, schön fürwahr ist Pietät und ehrt den, der sie treu im Herzen hegt. Aber wichtiger noch als die Pflege der Gräber Eurer Vorfahren, höher als der Wunsch, dermaleinst neben ihnen die letzte Ruhe zu finden, steht die Pflicht ein Leben, jener würdig, zu führen, das lebendige Gut, das sie Euch verlieben, mit aller Kraft zu ehren und zu mehren. Auf, drum und los von Jenen! Aber, wird manch Einer fragen, ist es jetzt an der Zeit den Ruf zur Trennung erschallen zu lassen? Mahnt der Feind an den Thoren mit seiner immer heftiger werdenden Angriffsart nicht zur Einigkeit, zur Zusammenfassung aller Kräfte? Unsere kurze Antwort: Wer den naiven Kinderglauben in das Mannesalter sich htnübergerettet hat, der wird allerdings überzeugt sein, daß, wenn etwa, was Gott verhüte, unserer Schechita ernste Gefahren drohen sollten, die Elemente, die heute, ohne daß ein Druck vorhanden war, den Sabbat Preisgaben, die „aus wissenschaftlicher Ueberzeugung" an den Priestergesetzen rüttelten, daß diese Elemente alsdann um das bedrohte Palladium des Glaubens sich zusammenschaaren werden, mit Leib und Leben es zu decken. Wir — besitzen diesen Kinderglauben nicht und deß sind wir froh. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Die Betäubung der Thiere durch Alkohol vor dem Schächten, worüber die Tagesblätter in der jüngsten Zeit wiederholt berichteten, kann als abgethan betrachtet und zu den verschiedenen anderen Experimenten gelegt werden, welche nach dieser Seite hin gemacht wurden. Dieser Tage war Herr Rabbiner Dr. Ehrmann aus Baden (Schweiz) in dieser Angelegenheit hier, um stch mit einigen rabbinischen Capacitäten im Aufträge der Schweizerischen Rabbiner deßhalb zu berathen. Nach unseren zuverlässigen Informationen hat Rabbi Jzchak Elchanan Spektor in Kowno die Manipulation als religionsgesetzlich für unzulässig erklärt. In demselben Sinne hat sich auch Oberrabbiner Schreiber von Preßburg, Herr Rabbiner Dr. Breuer in Frankfurt a. M. und Herr Rab btnerDr. Hild esheimerdahier entschieden. Letzterer hat im Verein mit den Herren Rabbiner Biberfeld und Dr. Hoffmann seine Entscheidung eingehend motivirt und auf Grund eines Gutachtens von Hofrath Dr. Dembo abgegeben. Dieser gefeierte Physiologe erklärte, daß die gewaltsame Einschüttung größerer, die Empfindungslosigkeit bewirkender Quantitäten von Alkohol Folgen habe, welche das Thier vollständig zum Genüsse verboten machen. Herz- und Gehirnlähmung sei die unvermeidliche Konsequenz dieses Verfahrens, auch eine Verletzung der Lungen, sowie der Eingeweide müffe etntreten und ebenso sei der Blutausfluß bet einem so betäubten Thiere ein bedeutend geringerer. Bor allen Dingen sei die ganze Manipulation so thterquälertsch, daß sie uns schon mit Rücksicht darauf religionsgesetzlich verboten sein muß. — Obwohl diese Folge unzweifelhaft eintreten müffe, hat stch Herr Dr. Dembo doch bereit erklärt, fie an der Hand vorzunehmender Experimente augenscheinlich darzuthun. Doch dürften die Vorbereitungen für diese Versuche und die Versuche selbst mehrere Wochen beanspruchen. Die Betäubung durch Alkohol ist in der Thterarzneiwiffenschaft etwas ganz bekanntes und geläufiges. Sie wurde auch für den vorliegenden Fall nicht von jüdischer Seite angeregt und es wurden damit Experimente gemacht, bevor sich die zuständi. gen Rabbiner über die religionsgesetzliche Zulässigkeit geäußert haben konnten. Inzwischen haben auch die Thierschutzvereine dagegen Stellung genommen, wodurch einmal der interessante Fall eingetreten ist, daß der wirkliche Thierschutz, wie ihn das jüdische Gesetz lehrt und derjenige wie ihn die Thierschutzvereine vertreten, in ihren Anschauungen stch begegnen. Oester.-Ujngar. Monarchie. Graz, 26. Febr. Der Gemeinderath hat in der heutigen Sitzung den Antrag der fünften und sechsten Section, daß das Schächten im Schlacht- Hause und im Bereiche der Stadt Graz abgeschufft werde, mit 20 von 32 Stimmen angenommen. In der Depatte hierüber äußerte stch ein Gemeinderath gegenüber einem Anträge auf Rückweisung der Angelegenheit an die Sektionen dahin, daß der Beschluß ohnehin ststtrt werden dürfte und daß die Frage dann endlich vor den Verwaltungs-Gerichtshof gelangen werde. > Vermischtes. Leipzig, 20. Februar. Herr Salomon Zeitlin hierselbst hat, um das Andenken seiner früh dahingeschiedenen Tochter, Frau Rabbiner Dr. Frieda Blumenthal in Ratibo.r, zu ehren, für die hiesige Gemeinde eine Stiftung von einigen tausend Mark errichtet, deren Zinsen alljährlich an bedürftige Wöchnerinnen vertheilt werden sollen. Viele Gemeindemitglieder in Wilna wollen den früheren Rabbiner Minor von Moskau, der bekanntlich wegen der Bittschrift an den Kaiser um Belaffung der Synagoge seines Amtes enthoben wurde, als Kronrabbiner in Wilna wählen.