Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 18 (1.3.1894)
- Date
- 1894-03-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Rufes und des ehrenhaften makellosen Namens (Abot 4, 17.). Der Besitz und die Ehre seines Mitmenschen war ihm io theuer wie sein Etgenthum und sein guter Ruf. Der Jude führt den Namen „Israel" und er ist sich auch bewußt, was dieser Name zu bedeuten hat. Zu kämpfen für Gort, für die Wahrheit ist sein Beruf, seine Bestimmung auf Erden; zu heiligen und zu verherrlichen den göttlichen Namen, den er trägt, durch Tugend, Menschenliebe, Ehrlichkeit und sittlichen Lebenswandel ist sein Daseinszweck, und er weiß, daß, wenn er einst vor Gottes Richterstuhl erscheinen wird, die allererste Frage sein wird: „Hast du ehrlich, in Redlichkeit und Aufrichtigkeit im Leben im Verkehr mit deinen Nebenmenschen gehandelt? (Sabbat 3Irr.) * * * Wir haben hier versucht, diejenigen falschen Anklagen unserer „arischen" Widersacher, welche allgemein dem Judenthum als Racenfehler zur Last gelegt werden, gründlichft zu widerlegen. Freilich handelt es sich bei diesen Herren nicht um die Erforschung der Wahrheit, sie wollen ja gar nicht ihres Jrrthums überführt sein. Ist es ja nicht der Jrrthum, sondern der Menschenhaß in seiner scheußlichsten Verworfenheit, der sie in ihren Unternehmungen leitet. Wo hat man je von einer großherzigen, edlen That eines Antisemitenführers gehört?! Menschenhaß, Egoismus, Hang zur Lügenhaftigkeit, niedrige Gewinnsucht, sind je nach der Lebensstellung dieser Hetzer, die Triebfedern ihres verderblichen Wirkens. So lange der Jude wegen seiner Religion verfolgt wurde, hatte dieser Fanatismus noch wenigstens einen idealen Schein für sich, um die urtheilslose Menge damit zu täuschen und fein Endziel war die Bekehrung zum „allein seligmachenden" Glauben; aber die Bekämpfung des Judenthums seiner Race wegen, hat gar keine Grenze und kein Ziel. Dieser Haß ist der reine Menfchenhaß, und wer nicht mitmacht oder wer diesen Herren nicht bequem ist, wird flugs als Semite oder als Judenknecht ausge^ schrieen, er mag sein wer immer, Richter, Staatsmann, Philosoph, Dichter, Künstler, Minister, selbst Staats- oder kirchliches Oberhaupt, König oder Papst, das ist einerlei. Wohin eine solche Mißachtung jeder Autorität führt, das mögen diejenigen sich ausmalen, die das Volksgeschick nach ihrem Willen und nach ihrer Einsicht lenken. Den Menschenfreund erfüllt ein solch widriges Schauspiel mit tiefer Wehmmh und Betrübniß. Und gibt es denn überhaupt eine reine semitische Race? Wer weiß es nicht, wie sehr Ne che mj ah zur Zeit des zweiten jerusalemitischen Tempelbaues gegen die Mischehen zwischen Juden und Heiden eiferte? Welchem Geschichtskundigen ist es fremb, daß vor dem Untergang dieses Gotteshauses und des Hebräerstaates ganze Völkerschaften zu jüdischen Proselyten wurden? Waren nicht die großen Talmudlehrer Schemaja, Abtaljon, Akiba u. s. w. selbst Proselyten? Und die vielen Mischehen im Laufe der christlichen Jahrhunderte? Und wieder umgekehrt, welcher „Arier" kann Nachweisen, daß in seinen Adern kein semitisches Blut rollt? Die ganze Racenhetze ist ein Unsinn vom wissenschaftlichen Standpunkte. Aber selbst zugegeben, daß die jüdische Race eine rein semitische wäre, so müßten die Herren Antisemiten conscquenterweise dann nicht blos das Judenthum bekämpfen, sondern auch die Fundamente des Christenthums zum Ziele ihrer Angriffe machen. Aus der semitischen Race ist der Stifter des Christenthums hervorgegangen. Der semitischen Race gehörten die Apostel an, die ersten Christen und deren Märtyrer waren Juden von Geburt und Abstammung. Und wer die semitische Moral bekämpft, muß auch consequenterweise die christliche bekämpfen. Der kosmopolitische Geist, der in jener herrscht, hat auch diese zur Grundlage. Stützt sich denn nicht das Christenthum auf das „alte Testament", dessen Träger das Judenthum ist? Sind dem Christenthum nicht auch unsere jüdischen Propheten und heiligen Schriften heilig? Die Einheit Gottes, die Nächstenliebe und die Liebe zum Fremdling, welche das ganze Menschengeschlecht umfaßt und keinerlei Unterschiede zuläßt zwischen Racen und Abstammung, die Keuschheit und Sittenstrenge, die Achtung und Befolgung der Staatsgesetze und die Liebe zum Vaterland, die Demuth und Bescheidenheit, die Verabscheuung der Lüge und der Falschheit, die Versöhnlichkeit, Milde und die Friedfertigkeit, die Vermeidung von Unrecht und Gewaltthätigkeit, überhaupt alle diese und noch viele andere Grundlehren der Sittlichkeit und Moral, welche das Judenthum lehrt, sind auch im Christenthum zur ethischen Grundlage geworden. Und darum, wer die jüdische Moral anklagt, muß auch die christliche anklagen. Und es wird auch wirklich von den Antisemiten die semitische Moral des Christenthums angeklagt! Dr. Dühring in seiner Brochüre: „Die Parthcien und die Judenfrage" schreibt: „Das Christenthum hat überhaupt keine praktische Moral, die unzweideutig, brauchbar und gesund wäre. Mit dem „semitischen" Geist werden daher die Völker erst fertig werden, wenn sie auch diese zweite jenseitige G estalt d es Hebraismus, der ihre nationale Kindheit durch Unerfah-