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Der Israelit · 1894-02-26 · Heft 17 (26.2.1894) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 17 (26.2.1894)
Date
1894-02-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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293 Und auf wtfsentltche, muthwillige Verletzung des nzv steht doch schwerste Strafe, und wird gerade bei Errichtung des Heiligthums angedroht. — Ja, bange machen, gilt nicht! In unseren Tagen, in unserer aufgeklärten Zeit darf man uns damit nicht kommen! Es ist ja doch nicht wahr! Denn sonst stünde es schlecht um viele Juden der Neuzeit, die sich aus der Heiligung des na^, wie sie die bibelgläubigen Juden auffassen, die sich aus dem Speisegesetz und noch so manchen anderen als Grundgesetze des Judenthums erklärten Vorschriften nichts machen. Und wir sehen doch, daß Leben und Glück von der strengen Beobachtung dieser Gesetze und Vorschriften nicht abhängen. In welcher Weise Gott Lohn und Strafe übt und wann Gott die rechte Zeit dafür gekommen hält, darüber steht uns Menschen kein Urtheil zu. Und doch belehrt uns die ganze Menschengeschichte, daß Einzelne, wie auch ganze Völker, ihrem verdienten Schicksal nicht entgangen, und in allen Zeiten, von allen hervorragenden Menschen wird das Thema von Lohn und Strafe, wird von dem Sieg des Guten und der endlichen Niederlage des Bösen behandelt, nicht als ein Spiel des Zufalls, einer Laune!des Schicksals, das wäre ja unverständlich — sondern als ein Ausdruck des göttlichen Willens, als Folge des göttlichen Gesetzes, als der Arm der göttlichen Gerechtigkeit. Wenn wir unsere Geschichte kennen und verfolgen, so finden wir von Schritt zu Schritt nicht nur in alten, längst vergangenen Zeiten, sondern auch in unseren Tagen die Hand der Vorsehung eingreifen und auch heute noch die Geschicke der Völker und Menschen lenken. Man will es nur nicht gerne und bereitwillig zugestehen, aber damit ist die Thatsache nicht widerlegt. Der Abschnitt von o^pff ist ebenfalls eine ernste Mahnung, ist ein Mene Tekel, das uns immer wieder, wenn wir daran vergessen sollten, vor Augen führt, daß zu gewissen Zeiten, bei gewissen Gelegenheiten nicht nur eines Gesammtvolkes, sondern auch jedes Einzelnen Leben zergliedert, gute und schlimme Setten hervorgehoben werden. — Wie uns der Abschnitt von Q'bpw lehrt, war die Volkszählung als ein solches, wenn auch wichtiges, aber nicht ungefährliches Moment aufzufassen. Weßhalb die Vorschrift lautet: »Ja rin n« «rn »a nh'i DniN Tipsa 'ni? wbj -idd r»« uroi nmipB^ om« mpen ona rm\ „Wenn du aufnimmst die Kopfzahl der Kinder Israel bei ihrer Musterung, dann soll ein Jeder ein Lösegeld seiner Person dem Ewigen geben, wenn man sie mustert, damit unter ihnen keine Plage entstehe, wenn man sie mustert." Diese Volkszählungen bieten bekanntlich auch heute das ftattstische Material, nach welchem die Menschen, die Volkszahl, in Klaffen und Gruppen eingethcilt werden, wo jeder Einzelne seinen Stand, seine Religion k. anzugeben hat. Zu gar seltsamen und verschiedenen Resultaten gelangt man dabei. Die Statistik bietet zu sonderbaren und eigenthümlichen Schlüssen ihr Material. Bei einer der jüngsten Volkszählungen in unserem Vaterlande haben sich Stimmen erhoben, es wären im deutschen Reiche zu viel Juden, oder im Verhältniß zu ihrer Zahl diese viel zu sehr im Vordergründe. Andere wieder kommen zu dem Resultat, daß ein zu großer Procentsatz Studirender unter den Juden sei, daß sie als Advokaten und Aerzte die anderen Eonfessionen beeinträchtigten und zurückdrängten, daß sie, hauptsächlich dem Kaufmannsstande sich widmend, den Kaufleuten der anderen Eonfessionen zu große Konkurrenz bieten, daß der Wucher hauptsächlich jüdische Eigenthümltchkeit sei, ja die heutigen Juden stellen eine große, zu große Zahl der Religionslosen, der Indifferenten und rütteln dadurch an der sittlichen Grundlage der menschlichen Gesellschaft; kurz durch die Statistik soll nachgewiesen werden, daß in den Juden eine große Gefahr zu erblicken, der mit aller Macht und mit allen Mitteln entgegengetreten werden müffe. Man lacht und spöttelt und witzelt in den „gebildeten" jüdischen Kreisen über den vermeintlichen Aberglauben, der in der Volkszählung eine Gefahr erblicken will. Die Gründe liegen aber nicht in dem Zählen, sondern in den Ergebnissen des Zählens, in den Schlüssen, die daraus gewonnen und gefolgert werden. Es ist nach dem Angeführten nicht wegzuleugnen, daß Volkszählungen auch ihre bedenkliche Seiten haben, um wie viel mehr erst, wenn bei der Zählung noch das Leben, das Wesen, der Werth des Einzelnen eingehend erforscht wird. Zählungen durch Menschen sind aber noch vielfachem Jrrthum ausgesetzt; die Menschen zählen und wägen und beurtheilen und schließen nur nach äußeren Dingen, nur nach äußeren Eindrücken und Ergebnissen. Gott aber, vor dem wir Alle gemustert werden, der Herz und Nieren der Menschen"prüft, stellt als Kriterium für den echten Gottesbekenner, für uns, die wir nun einmal als erstes Volk Sein Gesetz vom Sinai angenommen und einen ewigen Bund mit Ihm daraufhin eingegangen, die Beobachtung und Heiligung des Schabbos auf. am« mpED 't? wbj nsiD trx urm „Ein Jeder gebe sein Lösegeld dem Ewigen, wenn man sie mustert." Und wissen wir denn, wann Gott uns mustert, ob wir nicht auch durch solche häufig vorkommende Volkszählungen gemustert werden?!

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