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Der Israelit · 1894-02-22 · Heft 16 (22.2.1894) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 16 (22.2.1894)
Date
1894-02-22
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXV. Jahrgang. Erste Beilage su JSs 16 -es „Israelit". Leitender Artikel. Arische Stammesvorzüge und Semitische Racenfehler. Don Rabbiner Heinrich Halandnner in Soborten (Böhmen). (Fortsetzung auS Nr. 15.) 8. „Aber die deutsche Aufrichtigkeit, Treue, Offenheit kann sich nicht vertragen mit der Verschlagenheit, mit der Hinterlist, mit der Heuchelei, mit der Falschheit, welche dem Juden eigen ist." Es fällt uns natürlich nicht ein, den Deutschen obige Tugenden bestreiten zu wollen. Im Gegentheil. Der Sinn für Ehrlichkeit, für Biederkeit, für Wahrheit und Wahrhaftigkeit ist bei nur wenigen Völkern so stark ausgebildet und in so reichem Matze vorhanden, wie bei den Germanen. Aber der wahrhaft deutsch Fühlende und deutsch Denkende wird diese edlen Eigenschaften gar nicht erwähnenswerth finden, weil es seiner Innern Natur widerstrebt, damit sich zu brüsten und zu prahlen, was ihm so ganz selbstvei stündlich ist. Derjenige aber, der diese Nationaltugenden für sich in Anspruch nimmt, nicht darum, weil er sie wirklich besitzt, sondern lediglich detzhalb, weil er ein Deutscher von Herkunft ist, derjenige benützt sein Deutschthum nur zum Deckmantel für seine moralischen Fehler und Gebrechen. Der aber begeht eine schwere Sünde, ein großes Verbrechen gegen die nationale Heiligkeit, der da glaubt, dah Deutschheißen ein Freibrief sei für alle möglichen Schurkereien. Die, welche mit ihrem Deutschthum prahlen und es in alle Welt ausposaunen, sie sind so wenig Deutsche wie die Hottentotten, und Deutsch sein und deutsch sich nennen, sind zweierlei. Wir wollen nun die Aufrichtigkeit, die Ehrlichkeit und Wahrheitsliebe derjenigen Männer auf ihren wahren Werth prüfen, welche bei aller Verschlagenheit, Hinterlist und Falschheit, die sie im öffentlichen Leben so oft bekunden, stets gewaltig auf ihr Deutschthum pochen und mit ihrem Germanismus prunken. Da ist z. B. ein Herr Stöcker, er nennt sich Priester des allliebenden gerechten Gottes. Wer weiß es nicht, wie genau es dieser hochwürdige Herr mit seiner Wahrhaftigkeit nimmt? Gleich dieser „arischen" Koriphäe, ist Herr Rohling eine „antisemitische" Leuchte der Gelehrsamkeit. Sein Charakter ist ohne Fehl: ein echter Priester der Wahrheit. Mit stoischem Gleichmuth nimmt er es hin, wenn er vor der ganzen Welt des Meineides, der Lügenhaftigkeit, der Unwissenheit und der niederträchtigsten Schurkerei geziehen wird, er läßt sich davon nicht anfechten; mag sein Mund noch so viel lügen, er weiß dennoch, daß sein Herz für Wahrheit schwärmt; mag sein Mund Haß predigen, er bleibt ein Priester der Liebe; mag er gottlos handeln, er bleibt der Mann Gottes. Er rettet das Steckenpferd der „Blutbeschuldtgung". Freilich glaubt er so wenig daran, wie alle anderen Antisemitenhäuptlinge, die doch am besten wissen, wie ein „Blmprozeß" inszenirt wird, wie diese ganze Mache betrieben werden soll, um sie möglichst glaubwürdig erscheinen zu laffen. Er weiß wohl, daß das biblische Gesetz als schwere Sünde den Genuß des Thierblutes ahndet; er weiß, daß gerade jeder talmudgläubige Jude in seiner Scheu vor jedem Blute das Fletsch, das er genießt, zuerst im Wasser reinigt und es dann eine Stunde im Salze liegen läßt, bevor er es kochen darf, um so das Blut darin aufzulösen und es ganz zu zersetzen; er weiß, daß der Talmud das nicht gestatten oder gar anordnen darf, was das biblische Gesetz verbietet, sondern es mit der schwersten Strafe ahndet; das alles weiß er ebenso gut wie jeder Semite, aber er will die unwissende Menge glauben machen, daß er an seine schweren Anschuldigungen selbst glaubt, um sie gegen die Juden zu hetzen; er will schwören und gerichtlich beeiden, daß seine Blutanklage im Talmud, im jüdischen Schriftthum begründet sei, obwohl er vom österr. Reichsrathsabgeordneten Dr. Bloch des Meineides hierüber angeklagt wird und ein strenggläubiger christlicher Theologe, wie Herr Professor Dr. Strack von ihm schreibt: „Oessentlich klage ich hiermit den k. k. österr. Professor und Eanonikus August Rohling des Meineides und der groben Fälschungen an." Hinter diesem steht der Exjude Aron Briman, der ihn inspirirt, ein Mensch, der des materiellen Vortheiles wegen dreimal seinen Glauben gewechselt hat und wegen Fälschung von Documenten gerichtlich bestraft wurde. Das sind die nach ihrer socialen Lebensstellung und Gelehrsamkeit höchsten Autoritäten des Antisemitismus; von ihren Epigonen, von Geschäftsantisemiten und die es aus Neid oder Unzufriedenheit sind, gar nicht zu sprechen, und diese heben überall ihre Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit, Offenheit und Wahr heitsliebe hervor und sprechen von jüdischer Ber

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