Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 16 (22.2.1894)
- Date
- 1894-02-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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2T8 „Ich ersuche Sie deßhalb mit aller Höflichkeit metn Haus noch morgen zu verlassen. Den Gehalt für ein halbes Jahr im Voraus können Sie an der Kasse meines Comptoirs erheben." Fräulein Pinne verbeugte sich; das war mehr als sie erwartet hatte. Leise, auf den Zehenspitzen schlich sie hinaus, wie ein Thier, das man geprügelt hat. Der Vater aber tröstete mit liebevollen Worten seine Tochter, die allerdings schwerer zu beruhigen war, als er gedacht hatte. „O, mein Gott", schrie sie ein über das andere Mal auf, „was soll ich beginnen? Wenn man erfahren würde, was ich gethan und was ich dafür zu erdulden hatte!" „Beruhige Dich, mein Kind, niemals wird es jemand zu hören bekommen." „Willst Du mir schwören, lieber Vater, daß Du eS keinem Menschen sagen wirst?" Feodora beharrte auf diesem ihrem Willen. War es überlegte Schlauheit, die sie in diesem Augenblicke so handeln ließ? Oder war es jener weitsichtige, echt weibliche Instinkt, der manchmal, sich selber unbewußt, Vorsichtsmaßregeln trifft, über die scharfblickende Männer erstaunen, ohne daß ihr Verstand mit jenem Instinkte zu Wetteifern vermag. „Aber wozu bedarf es denn des Schwures, ich werde doch nicht selbst so üble Dinge über mein eignes Kind verbreiten?" entgegnete der Bankier. „Nein, schwöre mir Vater, schwöre mir", schrie sie, „sonst ertrage ich es nicht. Am liebsten möchte ich sterben und es wäre auch das Beste, ich läge im kühlen Grabe. Laß mich gehen Vater, ich kann diese Schmach nicht ertragen, ich will sterben." „Tbörichtes Kind", sagte er, „jetzt ist ja Alles vorüber, jetzt ist Alles wieder gut und wenn es Dich beruhigen kann, daß ich Dir auf mein Wort versichere, daß niemals jemand von diesen Dingen erfahren wird, so bin ich gerne bereit, Dir es zu versprechen." Fodora jubelte in ihrem Innern auf; das hatte sie gewünscht, erst jetzt war sie ganz beruhigt und feierlich ließ sie sich von dem Vater das Versprechen leisten. Trotz ihres großen Leides hatte sie nun die Besinnung und die Fähigkeit zu denken so wett zurückerhalten, daß sie einen Blick auf die Zukunft werfen konnte, wie sie sich nach ihrer Meinung gestalten würde. Sie war überzeugt, daß Professor Südländer, von dem sie ja wußte, wie sehr er sie liebte, in nicht allzu langer Zeit um ihre Hand anhalten müßte. Das einzige, was sie beachtete, war, daß ihr braver und ehrlicher Vater dem Professor alles sagen könnte, was sie gethan und daß dieser bei seiner strengen Frömmigkeit sich darauf hin von ihr abwenden würde. Nun aber, da ihr Vater ihr dieses Versprechen gegeben, konnte sie ganz beruhigt sein. Jetzt nahm sie sich vor, nichts unversucht zu lassen, um den Professor möglichst bald dahin zu bringen, daß er um ihre Hand anhielt. Konnte sie keine Gräfin werden, so war es doch immerhin noch schön und angenehm, die Frau eines berühmten Professors zu sein, und vollständig getröstet fuhr sie in der Frühe des nächsten Tages mit ihrem Vater nach Hause zurück. Sie hatte die Zukunft, wie sie sich nun gestal» ten mußte, sich bereits vollständig ausgemalt, jetzt konnte es nicht mehr fehlen, daß der Professor der ihre würde. (Fortsetzung folgt.) Der „I S r a e t i t" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedeSmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 ReichS-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Me Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel M bestehen bet E. F. 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Von Rabbiner Heinrich Galandauer in Soborten (Böhmen). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. Mannheim. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: AuS Groß-Betschkerek. — Rußland: Petersburg. — Amerika: New-Nork. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. — Oesterr.-Ungarische Monarchie: Wien. — Schweiz. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: OSear Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit", Schottstrahe Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilage».