Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 16 (22.2.1894)
- Date
- 1894-02-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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275 Oesterr.-Un gar. Monarchie. Budapest, 16. Februar. Heute Vormittags wurde hier Mayer Kraus de Megyer, der das 85 Lebensjahr erreicht, unter großer Thetlnahme zu Grabe getragen. Mayer Kraus kam vor ungefähr 40 Jahren als schlichter Jude nach Budop'st und erössnete hier einen Branntweinladen. Das Glück war ihm jedoch günstig und da er dabei auch großen Geschäftsgeist und großen Fleiß besaß, so erwarb er sich nach und nach ein Vermögen, wurde dann Großindustrieller und Millionär, und vor einigen Jahren erhielt er auch vom Könige den ungarischen Adel. Am Mittwoch hat hier die constituirende Generalversammlung der sich neugebildeten „Israelitisch- Ungarische literarische Gesellschaft" unter dem Vorsitze des provisorischen Präsidenten, Rabbiner Dr. Samuel Kohn, stattgefunden. Der Gesellschaft gehören jetzt schon 811 Mitglieder an. Zu dlfinitiveu Präsidenten wurden nun Dr. Samuel Kohn und der königl. Rath Dr. Philipp Weimann durch Acclamation gewählt. In den Ausschuß wurden dann je vierzig Mitglieder aus Budapest und dem Lande gewählt. Italien. Rom. Unser Rabbinerseminar gedeiht zusehends unter der tüchtigen Leitung seiner Direction und seines wackern Lehrkörpers und auch der Elfer, der Fleiß und die Aufführung seiner Zöglinge läßt nur wenig zu wünschen übrig. Vor einigen Tagen haben nun die Jahresprüfungen in diesem Institute stattgefunden, die zur allgemeinen Zufriedenheit ausfielen. jnvh mix tot d~q Bei dieser Gelegenheit mutz ich auch unfern schon vor vier Jahren velstorbenen aber unvergeßlichen Samuele Alatri in ins Gedächtnis; der Leser dieser Blätter zurückrufen, denn derselbe hatte vor seinem Tode eine Stiftung gemacht, deren Erträgniß von 300 Lire jenem Schüler unseres Rabbinerseminars zufallen soll, der sich als bester Kenner des Hebräischen erweist. Mit Genehmigung des Sohnes des Verstorbenen dtd*? w'n p bnanb, Cavaliere Marco Alatri, wurde dieser Preis heuer jedoch in zwei Hälften geiheilt, und wurde die eine Hälfte den zwei Zöglingen der oberen Jahrgänge, den Herren Suptno und Panzieri und die andere Hälfte wieder dem Zöglinge der unteren Jahrgänge, dem Herrn Sesttere, welcher übrigens auch der einzige Concurrent aus seiner Klasse für den Preis war, zuerkannt und ihnen auch feierlich überreicht. England. London, 18. Februar. In der heutigen Sitzung der „Federation of Synagogue“ drückte der Präsident Mr. Samuel Montague (Parlamentsmitglied) sein lebhaftes Bedauern aus, daß uns De. Lerner verlassen wird, und wünschte ihm Glück und Seam zu seinem neuen Berufe als Oberrabbiner in Altona. Es wurde beschlossen, eine Adresse an Dr. Lerner, die von allen Mitgliedern unterzeichnet werden soll, zu überreichen, zu welchem Zwecke ein Spezial ComitS ernannt wurde. Türkei. Elbassan in Albanien. Im vergangenen Winter haben sich hier einige russische Juden zu dem Zwecke ausgehalten, um nachzuforschen, wie die Bevölkerung und die Behörden unserer Provinz, in der nur wenige und noch dazu ganz unbedeutende jüdische Ansiedelungen bestehen, sich verhalten würden. falls etliche jüdisch russische Familien sich daselbst niederlassen sollten. Die Behörden erklärten nun, daß sie prinzipiell einer Einwanderung von Juden hieher kein Hinderniß in den Weg legen würden, vorausgesetzt, daß dieselben nicht ganz mittellos hier eintreffen. Sie würden indetz den Neueingewanderten anrathen, sich eher in den Hafenstädten als im Innern des Landes anzusiedeln, da in Albanien bekanntlich noch viele kriegerische Stämme leben, die nur schwer im Zaume zu halten sind und die sich besonders gegen Fremde noch Manches herausnehmen. Zwei von diesen Juden sind nun wieder hier eingetroffen und brachten sie die Meldung, daß nun nächstens dreißig bis vierzig jüdische Familien hier anlangen werden, um sich dann in unseren See- und Hafenstädten anzusiedeln. Persien. Teheran, im Januar. Die Provinz Armenien, die theils zum türkischen, theils zum persischen Reiche gehört und größtentheils von Christen bewohnt wird, war schon von jeher ein ergiebiges Feld für die amerikanischen nnd englischen Missionäre, da die Bevölkerung dort sehr arm ist und es ihr daher gleich bleibt, ob sie sich zu dieser oder jener christlichen Confesston bekennt, wenn sie nur fleißig unterstützt wird, um keine Roth leiden zu müssen. Rur bei den Juden fanden die Missionäre wenig Anklang, da dieselben zumeist Handwerker oder Hausirer sind und sich auch ohne das Almosen der Missionäre anständig sortbringen. Eine Missionärsgattin hat nun jetzt in Chosrew-Abvd eine Arbeitsschule für Mädchen eröffnet, in der diese gratis in allen weiblichen Handwerken unterrichtet werden. Diese Arbeitsschule wird leider auch von vielen jüdischen Mädchen besucht, die so den Verlockungen dieser Schulleiterin ausgesetzt sind. Wie verlautet, wird dieses Beispiel mehrfache Nachahmung finden, da noch in anderen Städten Persiens von den Missionären Arbeitsschulen für christliche und jüdische Mädchen eröffnet werden solle«.